Titel: Ueber Stärke und Brodmehl aus den Früchten der wilden Kastanie; von O. Schreiner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 12 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi05_12
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Ueber Stärke und Brodmehl aus den Früchten der wilden Kastanie; von O. Schreiner.74)

Die geschälten Kastanien werden auf dem Reibeisen gerieben – bei umfangreicher Bereitung wird eine Reibmaschine nöthig seyn – diese Masse dann in einen leinenen Sack gethan und unter beständigem Daraufgießen von reinem Wasser stark umgerührt und zuletzt ausgepreßt. Darauf lasse ich die so gewonnene Flüssigkeit 18 bis 24 Stunden ruhig stehen, so daß sich die Stärke gehörig zu Boden setzen kann und gieße dann das darüber stehende Wasser vorsichtig ab. Dieses Verfahren wird einigemal und zwar so lange wiederholt, bis das Wasser ganz klar ist und die darunter liegende Stärke vollkommen entbittert, rein und weiß ist. Dann wird dieselbe mittelst eines Löffels oder Spatels herausgenommen, ausgebreitet und getrocknet, welches besser an der Luft als im erwärmten Ofen geschieht. Aus gegen 6 Pfund geschälten Kastanien erhielt ich 1 Pfund schön weiße, vollkommen süße Stärke. Je reifer die Kastanien sind, desto mehr Stärke wird gewonnen.

In Bezug auf Bereitung von Brodmehl aus Kastanien verfuhr ich auf folgende Weise: die geschälten Kastanien wurden in kleine Würfel geschnitten und an einem luftigen Orte getrocknet. Nachdem dieselben völlig trocken waren, brachte ich sie in ein Gefäß mit Wasser, so daß das Wasser einige Zoll über den Kastanien stand, und fügte dann Potasche – ungefähr ein gutes Loth auf die Metze Kastanien Weimar. Gemäß – hinzu. So ließ ich dieselben einige Tage ruhig stehen und goß dann die nunmehr wie Leinöl aussehende Flüssigkeit ab, um frisches Wasser aufzugießen. Dieses Verfahren wiederholte ich so lange, bis das Wasser ganz hell und klar blieb und auch beim Umrühren der Kastanien sich nicht trübte. Dann nahm ich die Kastanien heraus, ließ sie ablaufen und trocknete sie. Das daraus gewonnene Mehl hatte jedoch einen etwas bitteren Nachgeschmack, und auch das Brod, welches ich aus gleichen Theilen Roggen- und Kastanienmehl backen ließ, hatte diese Bitterkeit nicht ganz verloren. Der von der Stärkebereitung erhaltene ausgepreßte Rückstand kann ebenfalls entbittert, zu Mehl bereitet und verbacken werden. (Zeitschr. für die gesammten Naturwissenschaften, Bd. VII S. 541.)

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Wir verweisen auf Prof. Schloßberger's Bemerkungen über diesen Gegenstand im polytechn. Journal Bd. CXI S. 77; man vergl. auch daselbst S. 466 und Bd. CXVI S. 310.

A. d. Red.

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