Titel: Anfertigung wohlfeiler und biegsamer Spiegelflächen, nach Rappaccioli, Ingenieur in Turin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 5 (S. 394–395)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi05_5

Anfertigung wohlfeiler und biegsamer Spiegelflächen, nach Rappaccioli, Ingenieur in Turin.

Der Genannte theilt folgendes Verfahren mit, Spiegelflächen anzufertigen, die weit wohlfeiler sind als Glasspiegel und mit gleicher Leichtigkeit eben, concav oder convex gemacht, auch im fertigen Zustande gebogen werden können, so daß sie sich an mancherlei Gegenständen als Verzierungen anbringen lassen. Auf einem mit Eiweiß überzogenen Papiere oder Gewebe breitet man nach einander mehrere Schichten eines durchsichtigen Firnisses aus, die zusammen nachher die Schicht bilden sollen, welche das Glas der gewöhnlichen Spiegel ersetzt. Andererseits wird ein Blatt Stanniol an der einen Seite mit einer oder mehreren Schichten eines Firnisses überzogen, der kein Wasser enthält. Nachdem dieser Ueberzug genügend getrocknet ist, bedeckt man dieselbe Seite des Stanniolblattes mit einer Schicht irgend eines Leims, welcher dazu dient, das Stanniolblatt auf Papier, Gewebe, Holz oder einer anderen Substanz zu befestigen. Man gießt nun auf die andere Seite des Stanniolblattes Quecksilber, welches mit dem Stanniol ein Amalgam bildet. Auf dieses Amalgam legt man dann das zuerst erwähnte mit Eiweiß überzogene Papier oder Gewebe, die gefirnißte Seite nach unten, und bewirkt durch starke, mehr oder weniger lange fortgesetzte Pressung, daß das amalgamirte Stanniolblatt und die auf dem Papiere oder Gewebe angebrachte Firnißschicht sich durch Adhäsion fest mit einander verbinden. Zuletzt wird nun das Papier oder Gewebe entfernt, zu welchem Zwecke man es an der Rückseite mit Wasser befeuchtet, worauf es, indem das Wasser das Eiweiß auflöst und dadurch die Adhäsion zwischen dem Papiere oder Gewebe und der Firnißschicht aufgehoben wird, sich leicht ablösen läßt. Man hat nun einen wirklichen Spiegel, der um so schöner ausfällt, je reiner und durchsichtiger der angewendete Firniß war. Dieser Spiegel kann sogleich für die Stelle, welche er nachher einnehmen soll, gemacht werden, in der Art, daß man ihm bei der Anfertigung die |395| etwa nöthige Krümmung gibt. Man kann aber auch die fertige Spiegelfläche biegen und ihr dadurch die verlangte Form geben, weßhalb der Erfinder diese Spiegel auch miroirs ductiles nennt. Man kann auch einen farbigen Firniß anwenden und dadurch hübsche Effecte erzielen (Armengaud's Génie industriel, Mai 1856, S. 252, durch polytechnisches Centralblatt S. 1400.)

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