Titel: Das Spinnen des wollenen Schußgarnes auf Spulen
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1856, Band 142/Miszelle 8 (S. 451–452)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj142/mi142mi06_8

Das Spinnen des wollenen Schußgarnes auf Spulen

ist in den Kammgarnspinnereien Frankreichs fast allgemein eingeführt, auch in England schon sehr verbreitet; es sind damit mehrere wesentliche Vortheile verbunden. Zunächst wird durch Vermeidung des Aufhaspelns auf die Weise und des Umhaspelns |452| der Garnbündel auf die Spule das Garn in der natürlichen Beschaffenheit gelassen und verwebt, wie es von der Spinnmaschine kommt. Der Faden bleibt daher lockerer, weil er nicht durch Auf- und Abwickeln überflüssig angestrengt wird, bewirkt eine vollkommenere Deckung des Gewebes, und trägt mithin wesentlich dazu bei, daß der Stoff eine angenehme Weichheit und Geschmeidigkeit erhält. Das Ueberhaspeln auf die Spulen bereitet ferner dem Fabrikanten außer dem Aufwande an Arbeitslohn einen Materialverlust, der von Sachverständigen auf 5 bis 6 Procent berechnet wird. Dieser Abgang aber, da er aus den feinen Spitzen des Wollhaares besteht, die aus dem Faden hervorragen, bedingt wiederum Nachtheile bei der Appretur. Es sind nämlich diese Spitzen besonders geeignet, dem Gewebe in der Appretur einen eigenthümlichen, schönen Glanz zu verschaffen. Das Endergebniß ist mithin, daß man mit auf Bobinen gesponnenen Schußgarnen eine weit bessere, gefälligere und billigere Waare erzeugen kann, als mit geweiften Garnen, oder, was dasselbe ist, daß man bei Anwendung ersterer mit einem qualitativ und quantitativ geringeren Material eine bessere Waare erzielt, als bei Verwebung letzterer. Diese wichtige Aenderung in der Aufwickelung des Garns verdient darum die größte Beachtung. (Oester. amtl. Ber. über die Pariser Ausstellung 3. Heft, S. 18.)

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