Titel: Boucher's und Müller's Verfahren zum Verzinnen oder Verzinken des Eisen- und Stahldrahtes.
Autor: Boucher, A. D.
Müller, A.
Fundstelle: 1857, Band 144, Nr. XXXI. (S. 118–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/ar144031

XXXI. Verfahren zum Verzinnen oder Verzinken des Eisen- und Stahldrahtes; von A. D. Boucher und A. Müller in Paris.

Aus dem Practical Mechanic's Journal, Februar 1857, S. 291.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Wir haben dieses Verfahren, den Eisen- oder Stahldraht mit einem Ueberzuge von Zinn oder Zink zu versehen, so wie die Vorzüge desselben gegen das bisher bekannte, bereits im polytechn. Journal Bd. CXLIII S. 434 mitgetheilt; hier wollen wir den dabei angewendeten Apparat mit Hülfe der Fig. 15 und 16 genauer beschreiben.13) Sehr wesentlich ist der Umstand, daß der Draht sofort abgekühlt wird, nachdem er das flüssige Metall verlassen hat, indem dadurch rauhe Oberflächen des Drahtes, die sonst so leicht vorkommen, vermieden werden. Mittelst der Maschine, welche den Ueberzug bewirkt, können mehrere Drähte auf einmal verzinnt oder verzinkt werden.

Fig. 15 ist ein Grundriß des im Betriebe stehenden Apparates, und Fig. 16 ein senkrechter Längendurchschnitt desselben.

Der Draht ist, wie gewöhnlich, in Ringen aufgewickelt und auf Haspel A gelegt, die sich frei um ihre stehenden Wellen drehen. Der von den Haspeln abgewickelte Draht geht durch ein doppeltes Gefäß C, welches mit einer Auflösung von Chlorzink-Salmiak oder mit verdünnter Salzsäure gefüllt ist. In dem Gefäße ist eine Walze der Art angebracht, daß sie zum Theil in der Flüssigkeit steht, und daher die Drähte nöthigt, durch die zu deren Reinigung dienende erwähnte Lösung oder verdünnte Säure zu gehen. Die äußere Abtheilung des Gefäßes dient dazu, die an den Drähten hängende Flüssigkeit aufzunehmen, welche durch die den Draht trocknenden Kissen F, die aus Wolle oder einer andern ähnlichen Substanz bestehen, abgewischt wird. Die Wände, sowohl des inneren als auch des äußeren Gefäßes, sind innerhalb mit Bleiblech bekleidet. Die aus den Kissen hervortretenden Drähte werden durch die senkrechten Gabeln G genöthigt, durch das geschmolzene Zinn oder Zink zu gehen, welches |119| in dem gußeisernen Gefäße H befindlich ist. Dieses Gefäß ist unmittelbar über dem Ofen J angebracht, dessen Temperatur der Art ist, daß das Metall flüssig bleibt. Das Gefäß kann aber auch aus einem andern Material bestehen, z.B. aus Eisenblech, welches mit einem feuerfesten Ueberzuge versehen ist. Wenn die Drähte aus dem flüssigen Metall hervortreten, so sind sie überall mit einem vollkommenen Ueberzuge versehen; und damit sie nicht mehr Metall aus dem Gefäß aufnehmen als nothwendig ist, gehen sie durch stählerne Zieheisen K, welche sie von dem überflüssigen Metall befreien und die Oberflächen glatt und eben machen.

Auf diese Weise nun verzinnt oder verzinkt, werden die Drähte sogleich abgekühlt, indem sie durch die aus Weißblech bestehenden Röhren N gehen, welche durch fortwährend hindurchgehende Wasserstrahlen kühl erhalten werden. Diese Einrichtung ist eben so zweckmäßig als vortheilhaft, indem sie das Zusammenlaufen des Metallüberzuges zu Tropfen und Knoten verhindert und der überzogene Draht vollkommen glatt, weiß und glänzend bleibt, weil jede Oxydation verhindert wird.

Das Wasser wird dem Apparat mittelst einer metallenen Röhre M zugeführt. Die Röhren, durch welche das kalte Wasser fließt, laufen an dem einen Ende in ein enges Mundstück und am andern Ende in eine kleine Glasröhre V aus, indem Glas erforderlich ist, um den Drahtüberzug nicht mit Riefen zu beschädigen. Der Wasserzufluß wird mittelst kleiner Hähne regulirt, die nach Erforderniß geöffnet oder ganz verschlossen werden können. Alles benutzte Wasser fällt auf eine Platte Q, die es abführt. Nach dem Abkühlen werden die Drähte gehörig getrocknet. Dieß geschieht, indem man sie durch die Kissen R, welche aus vulcanisirtem Kautschuk bestehen und dann durch den Trockenapparat S gehen läßt, der aus sechs parallelen Eisenblechröhren besteht, welche von einem äußern Mantel umgeben sind. In den Mantel werden die aus dem Ofen (der mit jedwedem Brennmaterial gefeuert werden kann) entweichenden heißen Gase durch die Röhre U geführt, während der Rauch durch eine Röhre ausströmt, welche mit der Esse X in Verbindung steht; diese Esse führt auch die aus den Säuren und von dem Metall sich entwickelnden Dämpfe ab.

Der aus dem Trockenapparate hervorkommende Draht geht über die Walze Y, deren Zweck es ist, die Richtung des Drahtes zu verändern und ihn auf die senkrecht stehenden Leiern Z zu leiten, welche ihn aufwickeln, nachdem er noch durch die Kämme oder Strecker P gegangen ist. Jenen Leiern wird, wie dieß gewöhnlich bei denen der Drahtziehereien der Fall ist, eine continuirlich drehende Bewegung mitgetheilt, dadurch, daß man die Spindel nach unten verlängert und eine Schnurscheibe, mit einer Kehle auf dem Rande, daran befestigt, welche mit einer andern, |120| von dem Motor bewegten Scheibe durch eine Schnur in Verbindung steht. Eine Kurbel B dient dazu, die Leier mittelst einer Frictionsrolle nach und nach in Bewegung zu setzen, und wenn die Bewegung aufhören soll, so wird der Keil E gegen den Boden der Rolle gedrückt.

Die Leiern werden gewöhnlich mit einer Geschwindigkeit von 150 bis 200 Umläufen in der Minute umgetrieben, und die Länge des mit Zinn oder Zink überzogenen Drahtes kann daher aus der Größe der Leiern berechnet werden. Von den Leiern kann der Draht als vollkommen trocken, glatt, regelmäßig und glänzend, in den Handel gebracht werden. Soll der Draht gehärtet werden, so braucht er nur mehrmals durch ein Zieheisen gezogen zu werden, indem man ihn vor dem Durchgange mit Talg oder einer andern fettigen Substanz versieht.

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Nach dem Patent, welches sich W. Johnson in London und Glasgow, am 5. März 1855 für England ertheilen ließ.

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