Titel: Barreswil, über Aubert's Kautschukfabricate.
Autor: Barreswil,
Fundstelle: 1857, Band 144, Nr. CXVI. (S. 454–456)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/ar144116

CXVI. Ueber die Kautschukfabricate der HHrn. Aubert und Girard zu Paris; Bericht von Hrn. Barreswil.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Januar 1857, S. 17.

Das erste Fabricat der HHrn. Aubert und Girard waren runde Schnüre; seitdem haben sie aber eine Menge anderer Artikel verfertigt, insbesondere viereckig geschnittene, gewalzte und vulcanisirte Schnüre, welche sowohl in Frankreich als auch in England sehr gut aufgenommen wurden, so daß sie jetzt einen bedeutenden Handelsartikel bilden. Sie fabriciren |455| täglich 200 Kil. Kautschukschnüre (jedes Kilogramm repräsentirt eine Länge von etwa 1400 Met.); 50 bis 60 Kilogr. davon werden mit Baumwolle überzogen. Diese Schnüre werden durch mechanische Mittel von gewalzten Blättern abgeschnitten, welche die Basis der neuen Fabrication bilden.

Bisher hat man in den verschiedenen Fabriken die Kautschukblätter auf die Art erhalten, daß man das Gummi in einem ätherischen Oele auflöste und die Lösung bis zur verlangten Dicke auf präparirte Leinwand auftrug, auf welcher Unterlage man den Ueberzug verdunsten ließ. Das Blatt regenerirten Kautschuks wird dann von dem Gewebe vorsichtig abgehoben; aus diesem Grunde nennt man es ein abgehobenes Blatt (feuille relevée). Oder man zerschneidet den regenerirten Kautschukblock mittelst einer Schneide, auf welche fortwährend ein Wasserstrahl fällt; die so erhaltenen Blätter nennt man englische oder zerschnittene (f. sciée).

In der Fabrik von Aubert und Girard wird hingegen folgendes Verfahren angewendet. Das Gummi wird durchgeknetet, so daß es eine gleichartige Masse bildet, und dann zwischen Walzen, die bis auf 120° C. erwärmt sind, ausgewalzt. Die Walzen gehen langsam um, so daß sich der Kautschuk abkühlt und die Form behält, welche ihm ein letzter Durchgang durch die Walzen gibt. Beim Austritt aus dem Walzwerk wird das endlose Kautschukblatt von einem Tuch ohne Ende aufgenommen. Alsdann rollt man es sehr fest auf Leinen oder Damast auf und bringt es damit in sehr heißes Wasser oder in gespannten Dampf. Der Kautschuk wird dadurch weich, bläht sich auf und es entsteht auf diese Weise auf dem Blatt ein genauer Abdruck des glatten oder damascirten Leinens; zu gleicher Zeit vulcanisirt sich der Kautschuk, wenn die Temperatur und das Verhältniß des Schwefels die geeigneten sind.

Das Verfahren bei der Vorbereitung der Platten oder Blätter dient auch zur Anfertigung von Röhren. Der einzige Unterschied besteht darin, daß die Kautschukmasse, statt durch Walzen zu gehen, welche auf 120° C. erhitzt sind, bei gleicher Temperatur durch ein Zieheisen getrieben wird, in dessen Mitte sich ein Dorn befindet. Die Röhren werden, wie die Platten, von einem Tuche ohne Ende aufgenommen; sie sind sehr regelmäßig und nicht zusammengeschweißt.

Dasselbe Verfahren wurde zur Anfertigung von gefärbten Platten angewendet, wozu man bloß in die Kautschukmasse färbende Substanzen zu bringen braucht. Aus solchen Platten von verschiedenen Farben können nun runde Scheiben ausgeschnitten und so übereinander gelegt und aufeinander geschweißt werden, daß sie eine mehr oder weniger dicke Scheibe, |456| oder einen mehr oder weniger langen Cylinder geben. Diese Scheibe oder dieser Cylinder wird alsdann auf gewöhnliche Weise in Bänder oder Tafeln zerschnitten, welche streifig oder in mannichfacher Weise gezeichnet seyn werden; sie können auch noch gepreßt oder gaufrirt werden.

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