Titel: Miscellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144 (S. 75–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/ar144mi01

  Miscellen.

Neue Versuche über die Festigkeit der Feuerröhren bei den Dampfkesseln mit innerer Heizung; von Hrn. W. Fairbairn.

Ich habe bisher mit anderen Ingenieuren der Annahme gehuldigt, daß vollkommen cylindrische Röhren, wenn sie einem gleichförmigen äußern Drucke ausgesetzt sind, welcher gegen ihr Centrum gerichtet ist, auch einen gleichen Widerstand darbieten, ohne Rücksicht auf ihre Länge. Nachdem mir aber mehrere Beobachtungen diese Annahme als zweifelhaft erscheinen ließen, entschloß ich mich die Frage durch Versuche zu entscheiden; die Royal Society und die British Association for the Advancement of Science stellten die erforderlichen Mittel zu meiner Verfügung, und es wurde eine lange Reihe von Versuchen unternommen, welche bald veröffentlicht werden können.

Ich halte es aber für nützlich, schon jetzt bekannt zu geben, daß die bisherige Ansicht eine irrige war, und daß die Feuer- oder Rauchröhren der Kessel nicht durchaus von gleichförmiger Festigkeit sind, sondern am schwächsten in der Mitte, und daß, wenn man ihre Länge vergrößert, ihre Festigkeit im Verhältniß der Verlängerung vermindert wird; mit anderen Worten: die Festigkeit der Feuer-Röhren steht in umgekehrtem Verhältniß zu ihrer Länge; so wird z.B. die 10 Fuß lange innere Feuerröhre eines Kessels den doppelten Druck einer ähnlichen Röhre von 20 Fuß Länge aushalten.

Ich hoffe bald auch zeigen zu können, nach welchem Princip die durch den Kessel gehenden Feuerröhren construirt werden müssen, um eine gleichförmige Festigkeit in allen Theilen des Kessels zu erzielen. (Aus der kürzlich erschienenen zweiten Auflage von Fairbairn's Useful information for Engineers, being a series of Lectures etc., durch das Civil Engineer and Architect's Journal, Februar 1857, S. 38.)

Ueber das Verhalten Krupp'scher Gußstahlbandagen

liegen jetzt mehrere Urtheile vor, wovon wir in Nachfolgendem anszüglich das Wesentlichste mittheilen.

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1. Bayerische Staatsbahn. Von 2 Paar dem königl. Oberbahnamt Augsburg zur Verwendung und Probe übergebenen Krupp'schen Gußstahlbandagen wurde 1 Paar unterm 23. April 1855 der Maschine „Rosenheim,“ das andere unterm 17. Mai v. J. der Maschine „Friedberg“ unterstellt. Bis April 1856 hatte die Maschine „Rosenheim“ einen Weg von 6422 Stunden durchlaufen, während an den Gußstahlbandagen weder am Reife noch am Spurkranze die geringste Abnutzung bemerkbar war; es befand sich das Räderpaar noch im selben Zustande, wie es vor einem Jahre der Maschine unterstellt worden war. Das zweite Räderpaar an der Maschine „Friedberg,“ welches auf der Strecke zwischen Lindau und Kempten in den strengen Curven läuft, wurde während der Zeit zwar einmal, jedoch unbedeutend abgedreht. Diese Abdrehung geschah nicht wegen Abnutzung des Reifes oder Spurkranzes, sondern es mußten die Räder, weil die Höhlung des Spurkranzes dem Schienensystem nicht entsprach, auf der Fläche mehr conisch gerichtet werden. Seit 17. Mai 1855 hatten dieselben 6400 Wegstunden zurückgelegt.

2. Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn. Auf 4 Stück 4 1/2 im Durchmesser haltende Räder der Gütermaschine „Düssel“ wurden in 1855 vier Gußstahlbandagen gezogen Die Räder sind verkuppelt, liegen vor der Feuerbüchse und sind mit circa 400 Ctr. belastet. Nachdem die Maschine mit diesen Rädern eine Wegestrecke von 3144 Meilen durchlaufen hatte, waren die Bandagen circa 0,10'' rhein. eingelaufen; die Abnutzung war überall ganz gleichmäßig. Die Spurkränze zeigten eine beinahe unmeßbare Abnutzung. Die Räder wurden abgedreht und erschienen nach dem Abdrehen vollkommen rein und fehlerlos.

3. Wilhelmsbahn. Auf dieser Bahn befinden sich drei Achsen mit Gußstahlbandagen im Betriebe, und zwar ist eine derselben Vorderachse einer Schnellzugmaschine (nach Crampton'schem Princip), die andern beiden sind Triebachsen einer gekuppelten Maschine. Die Motive für Beschaffung der erwähnten Stahlreifen waren folgende: Die Vorderachse der in Rede stehenden Schnellzugmaschine trägt 230 Zollctr. Last, und hat bei der Fahrgeschwindigkeit von 8 Minuten pro Meile 6 Umdrehungen in der Secunde zu machen. Unter diesen Umständen zeigten die eisernen Radbandagen eine außergewöhnlich große Abnutzung, mußten nach etwa 600 zurückgelegten Meilen des Spurkranzes wegen abgedreht werden, und wenn die Dicke der Bandage, welche neu 2 1/4'' betrug, bis auf 1 3/4'' reducirt war (was bei dreimaligem Abdrehen gewöhnlich eintrat, zeigte sich die bedenkliche Erscheinung des Auswalzens durch Verbreiterung und Losewerden an, und bedingte ohne Weiteres die Anschaffung von neuen Reifen. Die Dauer eines Bandagenpaares für eine Schnellzugs-Vorderachse war auf der Wilhelmsbahn 8 bis 9 Monate mit ungefähr 1800 zurückgelegten Meilen. Für den Versuch mit Stahlbandagen auf gekuppelten Achsen bestimmte die Schwierigkeit, 4 Räder auf gleichem Durchmesser zu erhalten, was doch für die Leistungsfähigkeit und Conservirung des gehenden Werkes so nothwendig ist. Um das Resultat des Versuches maßgebend für alle anderen Fälle zu machen, wurden die Räder derjenigen Lastzugmaschine mit Stahlbandagen versehen, welche täglich die Interimsbahn (mit Steigung von 1/45 und Curve von 70 Ruthen Radius) befährt. Die Vorderachse der Schnellzugmaschine hat nun seit December 1856 mit Stahlbandagen 1200 Meilen zurückgelegt und ist an der Kronfläche (welche die Schienen berührt) unverändert und so glatt gelaufen, wie es kaum der Drehbankstichel herzustellen im Stande wäre. Die Flantschen derselben sind sehr wenig angelaufen, und die Achse kann unbedenklich nochmals 200 Meilen laufen, ehe ein Abdrehen von höchstens 1/8'' nöthig seyn wird. Die Lastzugmaschine durchlief mit Stahlbandagen 1500 Meilen, wobei die Reifen durchaus glatt und dicht wurden, ohne sonst die mindeste Abnutzung zu zeigen.

4. Braunschweigische Staatsbahn. Für dieselbe wurden im Jahr 1855 zwölf Stück ungeschweifte Gußstahlreifen, welche zu einer mit 2 gekuppelten Triebachsen versehenen Lastzugmaschine von 491 Zollctr. Gewicht im fahrbaren Zustande und zu einem Tender von 265 Zollctr. Gewicht bei mittlerer Belastung mit Wasser und Kohks verwandt sind, geliefert. Diese Reifen haben nach einer beträchtlichen Leistung eine unerhebliche und durchaus gleichmäßige Abnutzung erlitten, aus welchen Umständen sowohl auf eine bedeutende, als auf eine gleichmäßige Härte des Materials zu schließen ist. Von rissigen oder unganzen Stellen zeigen die Reifen nicht einmal eine Spur. Nach einer Benutzung auf 4454 Fahrmeilen wurden die |77| fraglichen Reifen allerdings nachgedreht, jedoch nicht gerade aus einem deßfallsigen Bedürfnisse, sondern weil die Maschine nebst Tender in andern Theilen einer durchgreifenden Reparatur unterworfen war.

5. Die mit Krupp'schen Gußstahlbandagen versehene Maschine „Wien-Raab,“ zur Industrie-Ausstellung nach Paris bestimmt, hatte bei ihrer Probefahrt von Wien auf den Semmering bei einer Steigung von 1 : 40, inclusive ihres eigenen Gewichtes, 2900 Ctr. über Stellen mit feuchten Schienen gezogen, wobei ihre Tyres eine eben so große Adhäsion, als wie mit den schmiedeeisernen Tyres gezeigt haben.

6. Lombardisch-Venezianische Eisenbahn. An der Locomotive „Piave,“ welche von der Maschinenfabrik der Wien-Raaber Eisenbahn mit Ende des Jahres 1854 geliefert wurde, sind vier gekuppelte Räder von 1,78 Meter Durchmesser mit Stahlreifen versehen. Vom 26. October 1854 bis 4. Februar 1856 durchlief diese Locomotive 4227 Meilen, und nach solchem Dienste fand sich an den Reifen des einen Räderpaars eine Abnützung von 1 1/2 Millimeter, an denen des andern von 2 Millimetern. Hierauf wurden die Reifen abgedreht und alle vier genau auf einen gleichen Durchmesser gebracht. Seit jener Zeit bis Ende October 1856 durchlief die Locomotive weitere 2792 Meilen, ohne daß ein merklicher Verbrauch an den Reifen bemerkt wurde

7. Oesterreichische Staatsbahnen. Auf den Bahnen der österreichischen Staatseisenbahn-Gesellschaft sind 12 Locomotiven vorhanden, deren sämmtliche Räder mit Krupp'schen Gußstahlreifen versehen sind. Diese Maschinen hatten damit bis October 1856 von 811 bis 2625 Meilen zurückgelegt und es betrug die Abnutzung von 1/2 bis 2 Linien, war aber so gleichförmig, daß man noch für längere Zeit kein Abdrehen für nöthig erachtete. Ein Ausdrücken in Folge weicher Stellen war noch nicht vorgekommen.

8. Sächsische Staatsbahnen. Ueber das Verhalten der Gußstahlbandagen auf dieser Bahn vergleiche die Mittheilung in Nr. 50 der Eisenbahnzeitung vom vorigen Jahr.

9. Württembergische Staatsbahn. Mehrere für die schweren Locomotiven auf der schwäbischen Alp angeschaffte Gußstahlbandagen sind seit einigen Monaten in Benützung, ohne eine Spur von Abnützung zu zeigen, während alle für diese Maschinen bis jetzt angewendeten eisernen und Puddelstahl-Bandagen von ganz kurzer Dauer waren.

Wir lassen ein Preisverzeichniß der Krupp'schen Gußstahlbandagen ohne Schweißung folgen, mit dem Anfügen, daß für Waggonräder eine Stärke der Bandagen von 1 1/4 Zoll, für Tender und Locomotiven von 1 1/2 Zoll, und für die allerschwersten Maschinen von 1 3/4 Zoll genügt.

Textabbildung Bd. 144, S. 77

(Eisenbahnzeitung, 1857, Nr. 7.)

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Anwendung von Leinsamenschleim als Verdickungsmittel beim Zeugdruck, nach A. D. Schratz, Chemiker in St. Denis.

Der Genannte empfiehlt die Benutzung des Leinsamenschleims als Verdickungsmittel beim Zeugdruck (insbesondere für Wollenstoffe) und hat darauf am 24. April 1856 in England ein Patent erhalten. Er theilt zwei Vorschriften zur Erzeugung von Farben auf Barège als Beispiele der Anwendung desselben mit, die wir indeß ihrer Unbestimmtheit wegen hier nicht wieder geben. Die Druckfarbe wird mit dem ganzen Leinsamen gekocht und nachher durchgesiebt; ein anderes Verdickungsmittel wird nicht zugesetzt. Der Leinsamenschleim darf mit einer sauren Mischung, so lange diese heiß ist, nicht zusammengebracht werden, wahrscheinlich weil er dadurch zu dünn gemacht wird. Die Anwendung des Leinsamenschleims gewahrt den Vortheil, daß die Druckfarbe wohlfeiler zu stehen kommt, als wenn man Gummi benutzt, daß die Farbe leicht zu drucken ist und beim Trocknen nicht spröde und rissig wird, wie es bei Gummi und Stärke der Fall seyn kann, und daß das Verdickungsmittel ganz farblos ist, während Dextrin immer eine gelbliche Farbe hat, weßhalb die mit Leinsamenschleim verdickten Farben auch recht rein und lebhaft werden. Für gewisse Farben, namentlich für Schwarz, wird zugleich Stärke angewendet. Der Leinsamenschleim kann auch für Tapetendruck angewendet werden. (Aus Repertory of Patent-Inventions, Januar 1857, durch polytechn. Centralblatt, 1857, S. 478.)

Verfahren, das Bier zu klären.

Der Brauer muß eigentlich nur klares Bier, Bier mit Glanz, brauen, aber unklares, trübes, doch sonst gutes Bier will man doch auch nicht weggießen, daher in solchen Fällen folgendes Verfahren nützlich seyn mag.

Ungeklärtes Bier enthält fremdartige, für die Gesundheit nachtheilige Stoffe, auch hat es einen schlechten Geschmack und hält sich nicht. Demnach erfordert es des Brauers eigener Vortheil, nur vollkommen abgeklärtes Bier zu liefern. Zum Klären des Biers bedient man sich verschiedener Stoffe, wie der Hausenblase, Kalbsfüße, des Caragheen-Mooses. Die erstere wird gewöhnlich zu diesem Zwecke angewendet, ist aber natürlich sehr theuer. Die Kalbsfüße müssen, wie sich von selbst versteht, frisch angewendet werden und erfüllen dann vollkommen den Zweck. Im Frühjahr, wenn die Kälber nicht selten sind, bedient man sich in den kleinen Brauereien der Dörfer dieses Mittels, um das Sommerbier zu klären, aber in den großen Städten wäre es unmöglich, sich genug Kalbsfüße zu diesem Zwecke zu verschaffen. Was endlich das Caragheenmoos betrifft, so hat die Erfahrung gelehrt, daß es theilweise die Eigenschaften der Hefe zerstört und sie demnach zur Brodbäckerei unbrauchbar macht. Den diesen drei Abklärungsmitteln anhängenden Uebelständen zu begegnen, schlägt man ein anderes vor, das die Eigenschaften der Kalbsfüße, als Klärungsmittel zu dienen, besitzt, weniger kostet und allen Anforderungen entspricht. Dieß Mittel besteht in einem Leinsamenabsud, der auf folgende Art bereitet wird. Auf 300 Liter Bier nimmt man 1/2 Liter Leinsamen, den man mit etwas kaltem Wasser abwäscht und dann mit 6 bis 7 Liter Wasser eine Stunde kochen läßt, während man von Zeit zu Zeit das verdunstende Wasser durch Zugießen ersetzt. So entsteht eine dicke schleimige Brühe, die nach einer viertelstündigen Abkochung von den Samenkörnern getrennt wird.

Eine halbe Stunde bevor man dem Gebräu den Hopfen beimischt, wird der Leinsamenabsud bei fortwährendem Umrühren hineingegossen und die Flüssigkeit in kochendem Zustande erhalten. Darnach fügt man den Hopfen bei. Der zusammenziehende Hopfenabsud besitzt die Eigenschaft, den Eiweißstoff des Leinsamens gerinnen zu machen, der in diesem gallertartigen Zustande die das Bier trübenden fremdartigen Stoffe einhüllt und mit sich auf den Boden des Gefäßes zieht. Ein so bereitetes Bier klärt sich in sehr kurzer Zeit ab.

Da eine Beimischung von Leinsamenabsud in keiner Weise der Flüssigkeit schadet oder einen schlechten Geschmack gibt, so stellt sich der Ausübung dieses Verfahrens auch kein Hinderniß entgegen. (Deutsche Gewerbezeitung, 1857, S. 60.)

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Ueber die Anwendung des Amylens als anästhesirendes Mittel; von Dr. Giraldes.

Nach den Versuchen welche in einem Londoner Hospital von Dr. John Snow gemacht worden sind, nahm ich keinen Anstand, dieses neue Agens in einem Falle zu probiren, wo die Anästhesie angewendet werden mußte Seit dem 24. Januar habe ich mich desselben anstatt des Chloroforms im Hospital der Findelkinder und Waisen zu Paris bei 25 Kindern verschiedenen Alters bedient; aus meinen Beobachtungen glaube ich folgende Schlüsse ziehen zu können: 1) das Amylen läßt sich leichter, mit mehr Ruhe und weniger Anstrengung einathmen, als das Chloroform; 2) die Anästhesie tritt sehr rasch ein; 3) der anästhesische Schlaf ist ruhiger, natürlicher, ohne Schnarchen; 4) die anästhesirten Kranken kommen schnell in den Normalzustand zurück; 5) das Einathmen des Amylens verursacht weder Ekel, noch Brechen, noch Congestionen gegen den Kopf; 6) die Kranken leiden nicht; nach der Anästhesie bekommen sie wieder ihre Munterkeit. Wenn weitere Versuche diese Beobachtungen bestätigen, kann das Amylen mit großem Vortheil das Chloroform ersetzen. (Comptes rendus, März 1857, Nr. 9.)

Ueber den Sodagyps; von F. Stohmann.

Vor einiger Zeit wurde unter diesem Namen ein Düngemittel in den Handel gebracht, von welchem man für die Landwirthschaft große Hoffnungen hegte, trotzdem ist es bis jetzt nur wenig angewandt, da die Resultate nicht dem entsprachen, was man von ihm erwartete. Dieses beruht jedenfalls darauf, daß das Präparat einestheils nicht richtig zubereitet war, anderntheils aber auch darauf, daß von den Producenten ein Preis dafür gefordert wurde, der eine allgemeinere Verwendung unmöglich machte. Bei den enormen Massen, welche von dem Abfall in den Sodafabriken erzeugt werden, und die dem Sodafabrikanten nur zur Last fallen, muß es diesem lieb seyn, wenn er die Abfälle zu irgend einem Preise verwerthet, da er dann jedenfalls die Kosten des Wegschaffens spart und die Grundstücke, auf denen die Halden aufgespeichert liegen, besser verwenden kann.

Bei der Analyse der Abfalle der Sodafabrication findet man: ein Calciumoxysulfuret (Kalk-Schwefelcalcium) in vorwiegender Menge, außerdem kohlensauren Kalk, eine geringe Menge kohlensaures Natron und ziemlich viel Natron – 3 bis 5 Proc. – in unlöslicher Verbindung wahrscheinlich als Silicat, Kieselerde, Sand, Thonerde, Eisenoxyd mit etwas Phosphorsäure und Kohle.

Bei einer solchen Zusammensetzung läßt sich denken, daß die Abfälle. auf richtige Weise behandelt, leicht in ein gutes Düngematerial übergeführt werden könnten. Ich unternahm daher vor einiger Zeit, auf Veranlassung des Hrn. Professor Wöhler, Versuche im großen Maaßstabe, um dieses wo möglich zu erreichen, und ging dabei von dem Grundsatz aus, das Calciumoxysulfuret durch Aufnahme von Sauerstoff und Kohlensäure in schwefelsauren und kohlensauren Kalk zu verwandeln.

Ich versuchte dieses zuerst auf die Weise daß ich die Abfälle in einer Schicht von 2 bis 3 Zoll an der Luft ausbreitete, sie häufig umschaufeln ließ und sie bei anhaltend trockenem Wetter auch noch mit Wasser von Zeit zu Zeit anfeuchtete, Nachdem die Masse so 8 bis 10 Wochen gelegen hatte, wurde sie untersucht: es fand sich darin zwar eine bedeutende Quantität Gyps, die größte Menge bestand aber aus unterschwefligsaurem Kalk. Die Zersetzung war daher auf diese Weise nicht ausführbar. Der unterschwefligsaure Kalk ist eine sehr stabile Verbindung, und wird bei gewöhnlicher Temperatur erst nach langer Zeit in das schwefelsaure Salz übergeführt.

Das Präparat, welches von einer Münchener Fabrik in den Handel gebracht ist, scheint weiter nichts als ein Abfall gewesen zu seyn, der lange Zeit an der Luft gelegen hat. Wegen seines bedeutenden Gehaltes an Schwefelcalcium ist von ihm kein großer Nutzen für die Landwirthschaft zu erwarten.

Schon früher bemerkte ich häufig, daß die Halden der frischen Abfälle, namentlich bei windigem Wetter, sich von selbst entzündeten. Sie geriethen dabei, vom Innern ausgehend, in heftiges Glühen, ein Theil des Schwefels wurde zu schwefliger Säure verbrannt, ein anderer sublimirte unzersetzt. Nach dem Erkalten war das Ansehen völlig verändert, die grünlich schwarze Farbe war verschwunden und |80| hatte sich in ein röthliches Weiß verwandelt. Beim Uebergießen mit Säuren konnte weder Schwefelwasserstoff noch schweflige Säure entdeckt werden, es fand nur ein Aufbrausen von entweichender Kohlensäure statt. Mein Zweck war also erreicht, ich hatte hier reinen schwefelsauren und kohlensauren Kalk. Leider hat man diesen Proceß nicht in seiner Gewalt Die Halden entzünden sich manchmal, manchmal nicht, je nach der Witterung, je nach ihrer Festigkeit und wahrscheinlich je nach ihrer Zusammensetzung.

Die Verbrennung konnte aber auch künstlich eingeleitet werden – durch Glühen bei Luftzutritt. – Dieses Verfahren möchte im ersten Augenblicke als zu kostspielig erscheinen, dieses ist aber nicht der Fall, wie ich gleich zeigen werde. Ich brachte die Abfälle im frischen Zustande, wie sie aus den Auslaugegefäßen kommen, in einen großen Flammenofen und erhitzte sie dabei rasch zum Glühen, unterhielt dieses so lange, als noch ein sichtbares Verbrennen von Schwefel stattfand, und gewann so ein Product. welches alle oben erwähnten Eigenschaften hatte.

In 24 Stunden konnten mit Leichtigkeit 4000 Pfd. des so präparirten Sodagypses dargestellt werden, mit folgenden Unkosten:

20 Scheffel Steinkohlen à 6 1/2 Ggr. 5 Thlr. 10 Ggr.
Arbeitslohn 1 „ 14 „
Für Abnutzung des Ofens, der Utensilien und Gebäude 3 „ – „
––––––––––––––
10 Thlr. – Ggr.

Die Kosten sind dabei möglichst hoch gegriffen, trotzdem kann der Fabrikant den Sodagyps zu einem Preise von 6 Ggr. für 100 Pfd. in den Handel bringen, spart dabei die Unkosten des Wegbringend und leistet dem Landwirth einen großen Dienst, indem er ihm ein Präparat liefert, welches so fein wie Staub ist. jeden Vortheil des Gypses und kohlensauren Kalkes vereinigt, einen bedeutenden Gehalt an Alkalien hat, und dabei in den meisten Fällen doch nicht theurer zu stehen kommt als der natürliche Gyps, namentlich wenn man die Kosten des Brennens oder Pulverns in Anschlag bringt. Häufig wird er sogar noch billiger zu liefern seyn als dieser, denn der Preis des Gypses in Lüneburg beträgt pro Tonne von circa 3 Centner 1 Thlr.

Bei den billigen Frachtsätzen und der großen Verbreitung der Sodafabriken würde jeder Landmann im Stande seyn sich des künstlichen Gypses zu bedienen. Hoffentlich werden die Fabrikanten diesen Vorschlag ergreifen und Landwirthe ihre Versuche wiederholen. (Henneberg's Journal für Landwirthschaft, 1857, Heft 2.)

Gesammelte Schriften des Joh. Nep. v. Fuchs.

Der Central-Verwaltungs-Ausschuß des polytechnischen Vereins für das Königreich Bayern hat beschlossen, seinem ehemaligen Vorstande, dem berühmten Mineralogen und Chemiker Joh. Nep. v. Fuchs, welcher sich durch seine wissenschaftlichen Forschungen sowie durch seine großartigen Leistungen in der Technik verewigte, ein würdiges Denkmal durch Herausgabe seiner sämmtlichen Abhandlungen in Einem Bande zu setzen. Die Erscheinung dieses Werkes wird den Technikern überhaupt (wir erinnern an die Abhandlungen über die Eigenschaften und chemische Verbindung der hydraulischen Mörtel, über die Bereitung und Nutzanwendung des Wasserglases mit Einschluß der Stereochromie, das Verfahren den Gehalt der Eisenerze zu bestimmen, die Methode zur Untersuchung des Bieres auf seine wesentlichen Bestandtheile), insbesondere aber den zahlreichen Schülern des geehrten Lehrers, wie den Anhängern des scharfsinnigen Naturforschers höchst willkommen seyn. Der Nekrolog des Verewigten, verfaßt von seinem Schüler und vormaligen Assistenten, Hrn. Prof. Dr. C. G. Kaiser, ist dem Werke vorgedruckt. Mit dem Bildnisse des Verewigten versehen und bei vorzüglicher Ausstattung kommt dasselbe nur auf 4 fl. rhein zu stehen. (In Commission der Literarisch-artistischen Anstalt der J. G. Cotta'schen Buchhandlung in München.)

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