Titel: Verfahren, das Bier zu klären.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 4 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi01_4

Verfahren, das Bier zu klären.

Der Brauer muß eigentlich nur klares Bier, Bier mit Glanz, brauen, aber unklares, trübes, doch sonst gutes Bier will man doch auch nicht weggießen, daher in solchen Fällen folgendes Verfahren nützlich seyn mag.

Ungeklärtes Bier enthält fremdartige, für die Gesundheit nachtheilige Stoffe, auch hat es einen schlechten Geschmack und hält sich nicht. Demnach erfordert es des Brauers eigener Vortheil, nur vollkommen abgeklärtes Bier zu liefern. Zum Klären des Biers bedient man sich verschiedener Stoffe, wie der Hausenblase, Kalbsfüße, des Caragheen-Mooses. Die erstere wird gewöhnlich zu diesem Zwecke angewendet, ist aber natürlich sehr theuer. Die Kalbsfüße müssen, wie sich von selbst versteht, frisch angewendet werden und erfüllen dann vollkommen den Zweck. Im Frühjahr, wenn die Kälber nicht selten sind, bedient man sich in den kleinen Brauereien der Dörfer dieses Mittels, um das Sommerbier zu klären, aber in den großen Städten wäre es unmöglich, sich genug Kalbsfüße zu diesem Zwecke zu verschaffen. Was endlich das Caragheenmoos betrifft, so hat die Erfahrung gelehrt, daß es theilweise die Eigenschaften der Hefe zerstört und sie demnach zur Brodbäckerei unbrauchbar macht. Den diesen drei Abklärungsmitteln anhängenden Uebelständen zu begegnen, schlägt man ein anderes vor, das die Eigenschaften der Kalbsfüße, als Klärungsmittel zu dienen, besitzt, weniger kostet und allen Anforderungen entspricht. Dieß Mittel besteht in einem Leinsamenabsud, der auf folgende Art bereitet wird. Auf 300 Liter Bier nimmt man 1/2 Liter Leinsamen, den man mit etwas kaltem Wasser abwäscht und dann mit 6 bis 7 Liter Wasser eine Stunde kochen läßt, während man von Zeit zu Zeit das verdunstende Wasser durch Zugießen ersetzt. So entsteht eine dicke schleimige Brühe, die nach einer viertelstündigen Abkochung von den Samenkörnern getrennt wird.

Eine halbe Stunde bevor man dem Gebräu den Hopfen beimischt, wird der Leinsamenabsud bei fortwährendem Umrühren hineingegossen und die Flüssigkeit in kochendem Zustande erhalten. Darnach fügt man den Hopfen bei. Der zusammenziehende Hopfenabsud besitzt die Eigenschaft, den Eiweißstoff des Leinsamens gerinnen zu machen, der in diesem gallertartigen Zustande die das Bier trübenden fremdartigen Stoffe einhüllt und mit sich auf den Boden des Gefäßes zieht. Ein so bereitetes Bier klärt sich in sehr kurzer Zeit ab.

Da eine Beimischung von Leinsamenabsud in keiner Weise der Flüssigkeit schadet oder einen schlechten Geschmack gibt, so stellt sich der Ausübung dieses Verfahrens auch kein Hinderniß entgegen. (Deutsche Gewerbezeitung, 1857, S. 60.)

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