Titel: Ueber den Sodagyps; von F. Stohmann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 6 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi01_6

Ueber den Sodagyps; von F. Stohmann.

Vor einiger Zeit wurde unter diesem Namen ein Düngemittel in den Handel gebracht, von welchem man für die Landwirthschaft große Hoffnungen hegte, trotzdem ist es bis jetzt nur wenig angewandt, da die Resultate nicht dem entsprachen, was man von ihm erwartete. Dieses beruht jedenfalls darauf, daß das Präparat einestheils nicht richtig zubereitet war, anderntheils aber auch darauf, daß von den Producenten ein Preis dafür gefordert wurde, der eine allgemeinere Verwendung unmöglich machte. Bei den enormen Massen, welche von dem Abfall in den Sodafabriken erzeugt werden, und die dem Sodafabrikanten nur zur Last fallen, muß es diesem lieb seyn, wenn er die Abfälle zu irgend einem Preise verwerthet, da er dann jedenfalls die Kosten des Wegschaffens spart und die Grundstücke, auf denen die Halden aufgespeichert liegen, besser verwenden kann.

Bei der Analyse der Abfalle der Sodafabrication findet man: ein Calciumoxysulfuret (Kalk-Schwefelcalcium) in vorwiegender Menge, außerdem kohlensauren Kalk, eine geringe Menge kohlensaures Natron und ziemlich viel Natron – 3 bis 5 Proc. – in unlöslicher Verbindung wahrscheinlich als Silicat, Kieselerde, Sand, Thonerde, Eisenoxyd mit etwas Phosphorsäure und Kohle.

Bei einer solchen Zusammensetzung läßt sich denken, daß die Abfälle. auf richtige Weise behandelt, leicht in ein gutes Düngematerial übergeführt werden könnten. Ich unternahm daher vor einiger Zeit, auf Veranlassung des Hrn. Professor Wöhler, Versuche im großen Maaßstabe, um dieses wo möglich zu erreichen, und ging dabei von dem Grundsatz aus, das Calciumoxysulfuret durch Aufnahme von Sauerstoff und Kohlensäure in schwefelsauren und kohlensauren Kalk zu verwandeln.

Ich versuchte dieses zuerst auf die Weise daß ich die Abfälle in einer Schicht von 2 bis 3 Zoll an der Luft ausbreitete, sie häufig umschaufeln ließ und sie bei anhaltend trockenem Wetter auch noch mit Wasser von Zeit zu Zeit anfeuchtete, Nachdem die Masse so 8 bis 10 Wochen gelegen hatte, wurde sie untersucht: es fand sich darin zwar eine bedeutende Quantität Gyps, die größte Menge bestand aber aus unterschwefligsaurem Kalk. Die Zersetzung war daher auf diese Weise nicht ausführbar. Der unterschwefligsaure Kalk ist eine sehr stabile Verbindung, und wird bei gewöhnlicher Temperatur erst nach langer Zeit in das schwefelsaure Salz übergeführt.

Das Präparat, welches von einer Münchener Fabrik in den Handel gebracht ist, scheint weiter nichts als ein Abfall gewesen zu seyn, der lange Zeit an der Luft gelegen hat. Wegen seines bedeutenden Gehaltes an Schwefelcalcium ist von ihm kein großer Nutzen für die Landwirthschaft zu erwarten.

Schon früher bemerkte ich häufig, daß die Halden der frischen Abfälle, namentlich bei windigem Wetter, sich von selbst entzündeten. Sie geriethen dabei, vom Innern ausgehend, in heftiges Glühen, ein Theil des Schwefels wurde zu schwefliger Säure verbrannt, ein anderer sublimirte unzersetzt. Nach dem Erkalten war das Ansehen völlig verändert, die grünlich schwarze Farbe war verschwunden und |80| hatte sich in ein röthliches Weiß verwandelt. Beim Uebergießen mit Säuren konnte weder Schwefelwasserstoff noch schweflige Säure entdeckt werden, es fand nur ein Aufbrausen von entweichender Kohlensäure statt. Mein Zweck war also erreicht, ich hatte hier reinen schwefelsauren und kohlensauren Kalk. Leider hat man diesen Proceß nicht in seiner Gewalt Die Halden entzünden sich manchmal, manchmal nicht, je nach der Witterung, je nach ihrer Festigkeit und wahrscheinlich je nach ihrer Zusammensetzung.

Die Verbrennung konnte aber auch künstlich eingeleitet werden – durch Glühen bei Luftzutritt. – Dieses Verfahren möchte im ersten Augenblicke als zu kostspielig erscheinen, dieses ist aber nicht der Fall, wie ich gleich zeigen werde. Ich brachte die Abfälle im frischen Zustande, wie sie aus den Auslaugegefäßen kommen, in einen großen Flammenofen und erhitzte sie dabei rasch zum Glühen, unterhielt dieses so lange, als noch ein sichtbares Verbrennen von Schwefel stattfand, und gewann so ein Product. welches alle oben erwähnten Eigenschaften hatte.

In 24 Stunden konnten mit Leichtigkeit 4000 Pfd. des so präparirten Sodagypses dargestellt werden, mit folgenden Unkosten:

20 Scheffel Steinkohlen à 6 1/2 Ggr. 5 Thlr. 10 Ggr.
Arbeitslohn 1 „ 14 „
Für Abnutzung des Ofens, der Utensilien und Gebäude 3 „ – „
––––––––––––––
10 Thlr. – Ggr.

Die Kosten sind dabei möglichst hoch gegriffen, trotzdem kann der Fabrikant den Sodagyps zu einem Preise von 6 Ggr. für 100 Pfd. in den Handel bringen, spart dabei die Unkosten des Wegbringend und leistet dem Landwirth einen großen Dienst, indem er ihm ein Präparat liefert, welches so fein wie Staub ist. jeden Vortheil des Gypses und kohlensauren Kalkes vereinigt, einen bedeutenden Gehalt an Alkalien hat, und dabei in den meisten Fällen doch nicht theurer zu stehen kommt als der natürliche Gyps, namentlich wenn man die Kosten des Brennens oder Pulverns in Anschlag bringt. Häufig wird er sogar noch billiger zu liefern seyn als dieser, denn der Preis des Gypses in Lüneburg beträgt pro Tonne von circa 3 Centner 1 Thlr.

Bei den billigen Frachtsätzen und der großen Verbreitung der Sodafabriken würde jeder Landmann im Stande seyn sich des künstlichen Gypses zu bedienen. Hoffentlich werden die Fabrikanten diesen Vorschlag ergreifen und Landwirthe ihre Versuche wiederholen. (Henneberg's Journal für Landwirthschaft, 1857, Heft 2.)

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