Titel: Die Heizkraft des Holzgases verglichen mit Weingeist für die Arbeiten in Laboratorien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 2 (S. 156–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi02_2

Die Heizkraft des Holzgases verglichen mit Weingeist für die Arbeiten in Laboratorien.

Mit der Einführung der Holzgasbeleuchtung in der Stadt Zürich wurde auch das pharmaceutisch technische Laboratorium zu Heizungszwecken mit Gas versehen. Um den Unterschied der Kosten, der mit der Verdrängung der Weingeistlampe eintritt, zu ermitteln, haben die HHrn. Benker, Caille, Marti, Hochstättler und Stein unter Anleitung und Aussicht die nachfolgenden Versuche ausgeführt.

Der Weingeistverbrauch wurde durch Wägen der Lampe vor und nach dem Versuch, der Gasverbrauch mittelst einer kleinen Gasuhr bestimmt. Die Flammen wurden in die möglichst günstige Entfernung von der zu heizenden Fläche gebracht und durch eine röhrenartige Umgebung vor seitlichem Luftzug geschützt. Die Heizkraft wurde ermittelt aus der in einer gegebenen Zeit verdampften Menge Wassers, dessen anfängliche Temperatur bekannt war. Das Niveau des Wassers wurde durch einen Tropfapparat, aus dem das Verdampfende sich ersetzte, gleich erhalten.

Der Effect mußte natürlich verschieden ausfallen je nach der Menge des auf einmal im Kochgefäße befindlichen Wassers; die Verdampfung betrug mehr bei geringer Wassermenge. Nach einigen Vorversuchen war 1/2 Liter Wasser als eine für die Berzelius'sche Weingeistlampe und den Heizbrenner passende Menge gefunden worden. Gläserne Weingeistlampen mit massivem Docht brachten es bei dieser Wassermenge nicht zum entschiedenen Kochen, obschon das Gefäß ein dünnwandiges eisernes war. Bei diesen mag der Weingeistverbrauch pro Stunde allein als das Element der Kostenvergleichung gegen Gas dienen. Es kommen doch eine Menge kleiner Arbeiten im Laboratorium vor, für die die Flamme einer gewöhnlichen gläsernen Weingeistlampe ausreicht, und es ist nützlich zu wissen, wie viel ihr Unterhalt und der einer Gasflamme kostet.

Die Gasbrenner waren Bunsen'sche einfache, wie sie von Mechanicus Desaga in Heidelberg bezogen werden.24)

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Textabbildung Bd. 144, S. 157
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Aus diesen Versuchen leiten sich folgende Ergebnisse ab:

  • 1) Im Mittel wurden mit 1 Kubikfuß Gas 146,4 Grm. Wasser verdampft.
  • 2) Im Mittel wurden mit 100 Grm. Weingeist von 0,834 spec. Gew. 446 1/2 Gr. Wasser verdampft mit der Berzelius'schen Lampe. Die kleinen Glaslampen mit massivem Docht ergaben viel geringere Leistung, wenn 1/4 Liter Wasser im Kochen erhalten werden sollte.
  • 3) Eine Gasflamme mit einfachem Bunsen'schen Heizbrenner verzehrt je nach dem Druck in der Stunde 3,78 bis 5 Kubikfuß Gas.25)
  • 4) Die kleine Glaslampe mit massivem Docht verzehrt im Mittel von vier Versuchen 42,2 Gr. Weingeist vom angegebenen spec. Gewicht in der Stunde.
  • 5) Aus Nr. 1 und 2 ergibt sich, daß hinsichtlich der Heizeffecte 1 Kubikf. Holzgas und 32,7 Gram. Weingeist von 0,834 spec. Gew. äquivalent sind.
  • 6) Der Kubikfuß Gas kostet 1,4 Centimes, die 32,7 Gr. Weingeist (die schweiz. Maaß à 1 1/2 Liter 1250 Gr. wiegend und zu 1 Fr. 80 Cent. angeschlagen) kosten 5,58 Centimes. Die Kosten der beiden Heizmittel verhalten sich also wie 1 : 3,98.
  • 7) Der Unterhalt einer Weingeistflamme in Glaslampen mit massivem Docht kostet in der Stunde (Nr. 4 und den Ansätzen in Nr. 6) 6 Centimes. Die Gasflamme bei ganz geöffnetem Hahn je nach dem Wechsel des Drucks mit Bunsen'schem einfachen Heizbrenner 5,19 bis 7 Centimes.

Das Resultat in Nr. 6 ist das eigentlich praktische, und die Verwendung des Holzgases anstatt des Weingeists (der zuweilen noch etwas höher im Preise ist als 1 Fr. 80 Cent. per Maaß) bei nachgewiesener fast 75 Proc. betragender Ersparniß empfiehlt sich von selbst. Man kann sehr leicht eine noch ziemlich stark brennende zu kleinen Arbeiten ausreichende Flamme während einer Stunde mit einem Verbrauch von 2 Kubikfuß Gas bei nicht ganz geöffnetem Hahn erhalten, so daß die Kosten auf 2,8 bis etwa 3 Cent. pro Stunde sich belaufen werden, was einer Kostenermäßigung von 50 Proc. entspricht. Prof. P. Bolley. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1857, S 17.)

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Man vergl. polytechn. Journal Bd. CXLIII S. 340.

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Der Hahnen war bei diesen Versuchen ganz geöffnet, der Druck betrug zwischen 3 und 6 Centimetern an einem Manometer das an einen der Hahnen des Laboratoriums angefügt war, und schwankte namentlich je nach der Anzahl der gleichzeitig im Laboratorium geöffneten Hahnen.

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