Titel: Verfahren zum Copiren von Kupferstichen, Lithographien etc. auf Zeuge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 6 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi02_6

Verfahren zum Copiren von Kupferstichen, Lithographien etc. auf Zeuge.

Die Entdeckung Niepce's, daß die Joddämpfe, wenn man einen Kupferstich etc. darüber hält, bloß auf den Schatten (schwarzen Theilen) haftend bleiben, mit Ausschluß der Lichter (weißen Theile), hat Hr. Gérardin zu Paris weiter verfolgt und gefunden, daß dieselbe Eigenschaft dem Schwefelwasserstoff-Ammoniak und dem Schwefelwasserstoff-Wasser zukommt. Man kann daher auf sehr einfache Weise jedes Dessin auf Leinwand oder Kattun übertragen; man setzt nämlich das zu copirende Dessin in einer geheizten Stube oder auf einem Ofen einer mäßigen Wärme aus, während es über einer großen horizontalen Schale liegt, welche eine concentrirte Auflösung von Schwefelwasserstoff-Ammoniak enthält; die aus letzterer sich entwickelnden Dämpfe verdichten sich auf dem Dessin, welches nach drei bis fünf Minuten genug von denselben aufgenommen hat; man trocknet es ein wenig zwischen Löschpapier-Bogen, und legt es, die Schwärze oder Tusche nach unten gerichtet, auf den mit Bleiweiß überzogenen Zeug; dann bedeckt man es mit einigen Blättern feuchten Papiers und drückt das Ganze in einer Presse oder mittelst Gewichten zusammen; nachdem die innige Berührung eine Viertelstunde lang gedauert hat, findet man auf dem Zeug die getreue Copie des Dessins, welches zu neuen Uebertragungen dienen kann.

Nöthigenfalls kann man das Schwefelwasserstoff-Ammoniak durch Schwefelwasserstoff-Wasser ersetzen, und den mit Bleiweiß überzogenen Zeug durch ein Papier, welches vorher mit einer Auflösung von Bleiessig oder von salpetersaurem Blei getränkt worden ist. Die Anwendung des Bleiweißes oder Bleisalzes ist wesentlich, |160| denn nur durch die Umwandlung des Bleies in schwarzes Schwefelblei wird das zu überdruckende Dessin sichtbar.

Von dem beschriebenen Verfahren dürften bald zahlreiche Anwendungen zum Ueberdrucken von Dessins auf Malertuch, auf Metall, lithographischen Stein etc. gemacht werden. (Cosmos, Revue encyclopédique, t. X p. 293.)

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