Titel: Ueber das Spiegelmetall, von Prof. Fr. Jul. Otto.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 5 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi03_5

Ueber das Spiegelmetall, von Prof. Fr. Jul. Otto.

Die Untersuchung eines zerbrochenen schönen Metallspiegels des physikalischen Cabinets in Braunschweig ergab 65,15 Kupfer und 32,78 Zinn. Das Metall war also wahrscheinlich aus 2 Theilen Kupfer und 1 Theil Zinn zusammengeschmolzen.

Für die Anfertigung eines neuen Spiegels habe ich einige Versuche über das beste Verhältniß zwischen Kupfer und Zinn angestellt.

Die (polirt) weißeste Legirung ist die von 31,5 Proc. Gehalt an Zinn. Bei erhöhtem Gehalte an Kupfer zeigt die Legirung einen Stich ins Gelbliche, so die Legirung mit 29,5 Proc. Zinn. Bei erhöhtem Gehalte an Zinn stellt sich ein Stich ins Bläuliche ein, so bei der Legirung mit 33 Proc. Zinn.

Je größer der Gehalt an Kupfer, desto mehr sind die Legirungen zum bräunlichgelben Anlaufen geneigt. Die weißeste Legirung (31,5 Proc. Zinn) steht in dieser Beziehung der Legirung mit einem bläulichen Stich (33 Proc. Zinn) schon auffallend nach. d.h. die letztere läuft weit weniger an. Bei noch größerem Gehalte an Zinn findet Anlaufen so gut wie nicht mehr statt, aber die Legirungen werden bröcklich und ganz ungeeignet für den Zweck.

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Alle die angeführten Legirungen zeichnen sich übrigens durch außerordentliche Sprödigkeit aus; ihr Bruch ist äußerst feinkörnig Sie nehmen sämmtlich eine treffliche Politur an. Die Farbe beurtheilt man am besten, indem man völlig weißes Papier sich darin spiegeln läßt.

Für das Zusammenschmelzen der Metalle von sehr verschiedenen Schmelzpunkten gibt man gewöhnlich die Regel, das schwerer schmelzbare Metall zuerst zu schmelzen und dann das leichter schmelzbare zuzusetzen. Es ist aber besser, umgekehrt zu verfahren. Man schmelze zuerst das leichter schmelzbare Metall und setze nach und nach das schwerer schmelzbare hinzu. Letzteres löst sich in dem ersteren, ungefähr wie sich Gold u.s.w. in Quecksilber bei gewöhnlicher Temperatur lösen. Man hat so den geringsten Abbrand. Bei dem Zusammenschmelzen von Kupfer und Zinn hat sich dieser Weg ohne Frage als der beste erwiesen. (Annalen der Chemie und Pharmacie, 1857, Bd. CII S. 66.)

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