Titel: Zur Verhütung der Gefahren, welchen die Fabrikarbeiter durch umgehende Maschinentheile ausgesetzt sind.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 2 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi04_2

Zur Verhütung der Gefahren, welchen die Fabrikarbeiter durch umgehende Maschinentheile ausgesetzt sind.

Da nicht selten große Unglücksfälle dadurch entstanden sind, daß Arbeiter, welche unnöthigerweise weite Kleidung trugen, von umgehenden Maschinentheilen ergriffen wurden, so fand sich die königl. preußische Regierung zu Arnsberg veranlaßt, auf Grund der §. §. 11 und 12 des Gesetzes über die Polizei-Verwaltung vom 11. März 1850 für den Umfang ihres Bezirks die nachstehende Polizei-Verordnung zu erlassen:

§. 1. Alle Arbeiter auf gewerblichen Anlagen, welche ihre Beschäftigung in die unmittelbare Nähe umgehender Maschinentheile führt, dürfen während der Arbeit nur solche Kleidung tragen, deren Theile dem Körper enge anliegen. Insbesondere ist diesen Arbeitern das Tragen von Röcken, langen Kitteln und losen Schürzen untersagt.

Die Kleidung der weiblichen Arbeiter, welche in dieser Weise beschäftigt werden, muß ebenfalls eng anschließen und deßhalb nach unten zu mit einem Bande etc. zusammengehalten seyn.

Ausgenommen sind die Feuerarbeiter an den Stabeisen- und Blechwalzen, denen der Gebrauch eines Schurzfelles mit leicht zerreißbaren Bändern oder Riemen gestattet ist.

§. 2. Uebertretungen dieser Vorschrift werden an dem Arbeiter, sowie an dem Arbeitsherrn mit Geldbuße bis zu 10 Thlr. für Jeden geahndet.

§. 3. Diese Polizei-Verordnung tritt vier Wochen nach ihrer Verkündung durch das Amtsblatt in Kraft.

Arnsberg, den 16. August 1856.

Wir fügen bei, daß in Preußen die königl. Fabriken-Inspectoren gemäß ihrer Dienst-Anweisung ihr besonderes Augenmerk auf die gesunde und gefahrlose Einrichtung der Arbeitswerkstätten, sowohl in baulicher Beziehung, als auch in Beziehung |317| auf die Verrichtung der Arbeiten zu richten haben. Hinsichtlich der umgehenden Maschinentheile ist denselben insbesondere vorgeschrieben, daß Gefahr bringende Vorrichtungen (Zahnräder, Hebel, Wellen, Riemen u.s.w.) in der den jugendlichen Arbeitern erreichbaren Höhe, so weit es sich thun läßt, bedeckt oder bewahrt werden.

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