Titel: Beitrag zur Kenntniß der Fabrication von gemischten Stoffen für Damenkleider; von Hrn. Kohler in Göppingen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 7 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi04_7

Beitrag zur Kenntniß der Fabrication von gemischten Stoffen für Damenkleider; von Hrn. Kohler in Göppingen.

In Nachstehendem theile ich über die genannte Fabrication einige Notizen mit, die ich mir vor kurzer Zeit auf einer Reise durch einen Theil von Sachsen verschafft habe. Ich habe hiebei insbesondere die Fabrication der sogenannten feinen Napolitaines und der damit verwandten Stoffe mit baumwollener Kette im Auge, wovon in und um Glauchau Tausende von Stücken fabricirt und im Augenblick ziemlich gut verkauft werden. Hauptsächlich jedoch sind es die Stoffe, wobei die Kette gedruckt wird, deren Anfertigung ich im Nachstehenden, so gut als es mir möglich ist, beschreiben will.

Die Ketten werden, ebe man sie dem Drucker übergibt, ungefähr 2 Zoll weit auseinander, je mit 3 Schuß, mit Leinenzwirn auf dem Stuhle vorgeschossen, wovon 2 Schuß dicht beisammen liegen, damit die Kette gleichmäßig abgetheilt und zusammengehalten wird, der dritte Schuß aber dem Weber als Hülfs- oder Bindungsmittel dient, daß er den Schuß nicht jedesmal abreißen muß. ehe er um 2 Zoll vorwärts schreitet. Wenn der ganze Zettel auf diese Weise vorgeschossen ist, so kommt er aufgebäumt in die Hände des Druckers, welcher ihn auf gewöhnlichen Spanntischen mit einer, zwei oder mehreren Farben vordruckt. Wenn dieß geschehen, so |319| bekommt der Weber die so gedruckte Kette wieder in die Arbeit, so daß er dieselbe nur auf seinen Stuhl zu bringen hat, um sofort mit verschiedenen wollenen, farbigen Einschußgarnen den Stoff fertig zu weben, wobei er, so oft ein vorgeschossener Faden in die Nähe des Geschirrs kommt, diesen zu entfernen hat, damit derselbe nicht etwa aus Versehen in den regelmäßigen farbigen Schuß eingewoben wird.

Aus diese Weise entstehen die gegenwärtig beliegten sog. verschwommenen Dessins (Chinois).

Die Waare wird gewöhnlich in der Breite von 31 Zoll sächsisch = 26 Zoll württemb. oder 1 1/4 Elle Leipziger Maaß fabricirt.

Die sog. Chenillenweberei wird auf die ganz gleiche Weise behandelt, wobei Seide, Wolle und Baumwolle verwendet wird.

Nach dem Weben werden die Stoffe auf der Maschine gewaschen, auf der Centrifugalmaschine entwässert und nachher in Rahmen gespannt und wie gewöhnlich gepreßt.

Mit besonderem Interesse habe ich wahrgenommen, wie die Sachsen die Centrifugalmaschinen auf jede mögliche Weise anwenden; in der Woll- und Baumwollfärberei, Bleicherei, Wascherei und Druckerei sieht man überall diese Hülfsmaschinen, und man hört oft einen Fabrikanten erwähnen, daß er gar nicht begreifen könne, wie andere, welche die Maschinen nicht benützen, fertig werden, oder überhaupt existiren können. Außer dem großen Vortheil des schnellen Trocknens wird die Arbeit z.B. beim Drucken auch weit schöner. – Besonders muß ich mich wundern, daß die zahlreichen Woll- und Bauwollfärbereien in Württemberg sich diese Maschinen nicht schon früher angeschafft haben. Die HHrn. Stoll und Pfälzer in Cannstatt haben mir eine solche geliefert, welche mich in jeder Beziehung befriedigt. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1857, Nr. 20.)

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