Titel: Ueber den Einfluß freien Alkalis auf die Gährung des Harnruhrzuckers und Stärkezuckers; von Eugen Pelouze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 8 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi04_8

Ueber den Einfluß freien Alkalis auf die Gährung des Harnruhrzuckers und Stärkezuckers; von Eugen Pelouze.

Hr. Pelouze, Sohn, ließ Harn von Harnruhrkranken sehr lange stehen, damit seine Zersetzung (Fäulniß) eintreten konnte, und beobachtete dann mit Verwunderung, daß derselbe durch Vierhefe durchaus nicht in Gährung zu versetzen war. Der Harn, indem er sich zersetzt, wird alkalisch) der Harnstoff, welchen er enthält, verwandelt sich in kohlensaures Ammoniak. Es fragte sich also, ob dieses Salz, wie die meisten Alkalien, die Gährung verhindert. Hr. Pelouze nahm zwei gleiche Röhren, brachte in die eine Zuckerwasser mit Bierhefe, in die andere hingegen Zuckerwasser mit Bierhefe und 5 Decigrammen kohlensaurem Ammoniak. Das Zuckerwasser der ersten Röhre kam nach Verlauf von 35 Minuten in Gährung, wogegen das Zuckerwasser der zweiten Röhre erst nach Verlauf von vier Tagen eine schwache Gährung begann, welche unvollständig blieb. Mehrmals wiederholt, gab dieser Versuch stets dieselben Resultate; das kohlensaure Ammoniak widersetzt sich der Gährung, welche stets erst nach mehreren Tagen beginnt; eine beträchtliche Menge dieses Salzes verhindert sie ganz. Der Hergang war derselbe, als man den Zucker in Harn, anstatt in Wasser, auflöste. Hr. Pelouze versetzte frischen Harn mit Stärkezucker und Bierhefe; die Gährung begann nach 45 Minuten, bei 18° C. Temperatur. Derselbe Harn, nachdem er längere Zeit der Luft ausgesetzt gewesen war, kam durch Zusatz von Bierhefe nicht mehr in Gährung. Wenn man also den Harn behufs seiner Prüfung auf Zuckerstoffgehalt in Gährung versetzen will, so muß er nothwendig neutral oder schwach sauer seyn; am besten ist es, ihn mittelst zugesetzter Essigsäure schwach sauer zu machen. Die Neutralität oder schwache Säuerlichkeit der Flüssigkeiten ist Bedingung für eine gute Gährung. (Cosmos, Revue encyclopedique, 1857, t. X p. 390.)

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