Titel: Verfahren, durch Abdrucken von Blättern und anderen Pflanzentheilen Abbildungen derselben zu erhalten; von Christopher Dresser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 9 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi04_9
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Verfahren, durch Abdrucken von Blättern und anderen Pflanzentheilen Abbildungen derselben zu erhalten; von Christopher Dresser.

Der Genannte theilt folgendes Verfahren mit, welches er Naturdruck nennt: Man nimmt z.B. ein Blatt und betupft dasselbe sorgfältig mit lithographischer Tinte, welche mit Wasser zur Consistenz von Druckerschwärze angerieben ist. Dieß geschieht mit einem Tupfballen aus Baumwolle, welche in feines weiches Musselin geschlagen ist. Man bringt etwas von der Tinte auf ein Stück feuchtes Schreibpapier, welches auf mehrere Blätter feuchtes Papier oder Zeug gelegt ist, unter denen eine warme Metallplatte sich befindet, was den Zweck hat, die Tinte in der geeigneten Consistenz zu erhalten. Mit dem Ballen breitet man nun Tinte etwas gleichförmig und dünn auf dem Papier aus und betupft es mit dem Ballen, den man durch Aufdrücken auf die mit Tinte überzogene Papierfläche immer wieder mit Tinte versieht, von welcher man aber nicht zu viel daran bringen darf. Hat man das Blatt auf diese Weise dünn und gleichmäßig mit Tinte überzogen, so legt man es mit der überzogenen Seite auf einen lithographischen Stein, der zuvor erwärmt wurde, damit die Tinte nicht fest wird Man legt auf das Blatt ein Stück Papier und überreibt es mit der Hand oder einem geeigneten Instrument, so daß das Blatt überall an den Stein angedrückt wird. Nachher hebt man das Papier und das Blatt vorsichtig wieder ab, worauf man auf dem Stein einen sauberen vollkommenen Abdruck des Blattes hat, in welchem selbst die Haare des Blattes wiedergegeben sind. Der Stein wird nun nach dem bekannten lithographischen Verfahren weiter behandelt und dadurch zum Abdrucken vorgerichtet.

Will man eine metallene Druckplatte, und zwar eine Reliefplatte, herstellen, so präparirt man das Blatt in derselben Weise, nur daß man statt der lithographischen Tinte eine durch Zusammenschmelzen bereitete Mischung von ungefähr gleichen Theilen Aetzgrund, Talg oder Asphalt und Oel anwendet, die man statt auf Papier auf einer warm erhaltenen Metall- oder Porzellanplatte verreibt. Das präparirte Blatt legt man auf die gelinde erwärmte Metallplatte, z.B. eine Platte von Zink, und verfährt weiter, wie vorstehend angeführt ist. Nachdem man das Blatt wieder von der Platte entfernt hat, ätzt man dieselbe entweder auf gewöhnliche Weise durch eine schwache Säure, oder auf galvanischem Wege. Die Stellen, auf welche das Blatt die fettige Masse übertragen hat, bleiben dabei stehen, alle übrigen Stellen werden aber vertieft, so daß man die Platte nachher wie einen Holzschnitt abdrucken kann. – Um eine Druckplatte mit vertiefter Zeichnung zu erhalten, verfährt man in folgender Art: Man nimmt eine Kupfer- oder andere Metallplatte und überzieht sie dünn mit Aetzgrund. Andererseits präparirt man das Blatt durch Betupfen mit Oelfarbe, die man auf einem Blatt Papier ausgebreitet hat. Man legt dann das Blatt auf die mit Aetzgrund überzogene Platte und verfährt weiter in beschriebener Art. Man nimmt das auf das Blatt gelegte Papier wieder weg, und nach etwa 1 Minute auch das Blatt selbst. Die von demselben auf die Platte übergegangene Farbe hat den Aetzgrund an den betreffenden Stellen aufgelöst, so daß dieselben, indem man sie nun vorsichtig mit einem weichen Lappen wischt, rein und blank werden. Man wäscht die Platte darauf mit Seife und Wasser, um die Fettigkeit von diesen Stellen ganz zu entfernen, und ätzt sie dann auf gewöhnlichem oder auf galvanischem Wege. (Aus Rep. of pat. invent., durch polytechnisches Centralblatt 1857, S. 270.)

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