Titel: Schlußversuche mit Rittinger's Centrifugalventilatoren und Centrifugalpumpen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 1 (S. 387–389)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi05_1

Schlußversuche mit Rittinger's Centrifugalventilatoren und Centrifugalpumpen.

Nachdem wir bereits mehrfach der neuen vom Hrn. Sectionsrathe Rittinger construirten Ventilatoren Erwähnung gethan72), können wir nun auch die Resultate |388| der Schlußversuche an dem Hochdruckventilator, sowie der Versuche mit einer nach ähnlichen Principien construirten Centrifugalpumpe mittheilen.

Die höchsten Leistungen, welche der Ventilator bei diesen Versuchen lieferte, sind der Hauptsache nach folgende:

a) beim Blasen durch zwei dreizöllige Düsen

20''' Windpressung,

1480 Kubikf. Wind pr. Minute,

28–30 Proc. Nutzeffect bei

1060 Umgängen pr. Minute;

b) beim Blasen durch zwei 2 1/2zöllige Düsen

24''' Windpressung,

1136 Kubikf. Wind pr. Minute,

27 Proc. Nutzeffect bei

1085 Umgängen pr. Minute;

c) beim Blasen durch zwei 2zöllige Düsen

28''' Windpressung,

782 Kubikf. Wind pr Minute,

23 Proc. Nutzeffect bei

1120 Umgängen pr. Minute.

Die angeführten Pressungen und Windmengen sind aber keineswegs die höchsten, deren der Ventilator fähig ist. Sie konnten bloß aus dem Grunde nicht höher gesteigert werden, weil die zum Betriebe angewendete Turbine nicht mehr als 22 Pferdekräfte zu leisten im Stande war. Was den Wirkungsgrad oder Effectscoefficienten betrifft, so war nicht zu vermuthen, daß derselbe bei einer Steigerung der absoluten Leistung merklich größer ausfallen würde, man kann daher annehmen, daß der Ventilator im günstigsten Falle mit einem Nutzeffect von 30 Proc. arbeite. Er steht also in Bezug auf Leistung einem gut gebauten Cylindergebläse nach, da man bei letzterem den Wirkungsgrad mit 50 Procent annehmen kann, obwohl die bezüglichen Versuche bei einem Cylindergebläse wegen der Schwankungen des Manometers nie mit jener Schärfe abgeführt wurden, als beim Ventilator zu Mariazell, wo noch das zur Bestimmung der Nutzeffecte angewendete dynamometrische Zapfenlager (siehe Bd. CXLIII S. 82 dieses Journals) die Genauigkeit der Resultate ganz besonders beförderte. Auch darf nicht übersehen werden, daß bei dem Versuchsventilator zweierlei Einflüsse nachtheilig auf den Effect wirkten. Erstlich war das Flügelrad ganz aus einem Stück gegossen, und da ein solcher Guß nie ganz gleichförmig ausfällt, so mußte nothwendig eine unregelmäßige Vertheilung der Massen um die Achse des Flügelrades entstehen. Dann wurde das Fundament des Ventilators an seinem neuen Verwendungsorte (der Frischhütte des k. k. Eisengußwerkes zu Mariazell) zur Winterszeit und aus Bruchsteinen hergestellt, konnte also nicht genug Solidität darbieten, um den durch ungleiche Vertheilung der Massen hervorgerufenen Vibrationen hinreichenden Widerstand zu leisten. Der Einfluß des ungleichförmigen Gusses läßt sich indessen leicht dadurch beseitigen, daß man bloß eine Scheibe des Flügelrades sammt der Nabe aus Gußeisen, die andere dagegen, sowie die Flügel selbst aus Blech anfertigt, wodurch zugleich das Gewicht bedeutend vermindert wird.

Nach Beendigung der Versuche wurde der Ventilator sofort zum currenten Betrieb der Frisch- und Streckfeuer angelassen. Derselbe versieht nun drei Frisch- und zwei Streckfeuer mit dem erforderlichen Wind.

Für Beseitigung der obenerwähnten Uebelstände wird in kürzester Frist Sorge getragen werden. Um das Warmwerden der Zapfen zu verhüten, wird auf die Lager neben dem Oel ein dünner Strahl Wasser geleitet, welche Einrichtung ihren Zweck vollkommen erfüllt. Nach einem Berichte des k. k. Oberverwesamtes zu Mariazell über den currenten Betrieb des Ventilators während der Zeit vom 23. bis incl. 28. März 1857 hat sich der günstige Einfluß des gleichmäßig gepreßten constanten Windstromes bereits durch Ermäßigung des Calo von 11–12 Proc auf 10 Proc. und des Kohlverbrandes von 23 auf 22. 4 Kubikfuß pr. Centner der Erzeugung dargethan, und es würde sich der Verbrand bei besserer Qualität des Kohks, welches in der genannten Betriebswoche zufällig sehr klein und weich war, vermutlich noch günstiger herausgestellt haben. Das Herauswerfen der kleinen glühenden Kohlentheilchen ist ganz beseitigt, der Arbeiter viel weniger belästigt und die Manipulation |389| geht viel ruhiger und gleichmäßiger. Das Product war von ausgezeichneter Qualität.

Berücksichtigt man nun, daß der Ventilator ungemein einfach und bedeutend wohlfeiler als ein Cylindergebläse ist, ferner, daß er vorzugsweise den Umtrieb durch eine Turbine gestattet, welche unter mehrfachen Umständen, besonders bei geringen Gefällen, vortheilhafter als ein Wasserrad arbeitet, so wird man den Ventilator in vielen Fällen dem Cylindergebläse vorziehen, um so mehr, als durch ihn die Pressung des Windes selbst über 24 Linien mit günstigem Effecte gesteigert werden kann.

Nicht weniger interessant sind die mit der Centrifugalpumpe erzielten Resultate. Die Centrifugalpumpen haben in neuerer Zeit mit Recht die Aufmerksamkeit der Techniker an sich gezogen, und es ist ihre Anwendbarkeit besonders zur Hebung von größeren Wassermengen auf geringe Höhen allgemein anerkannt. Die Centrifugalpumpe ist nichts anderes, als ein Ventilator, der statt der Luft Wasser in Bewegung setzt; und die Rittinger'sche Centrifugalpumpe unterscheidet sich von seinem Ventilator nur insoferne, als dieß der Unterschied in den physikalischen Eigenschaften der bewegten Körper erfordert.

Bei den Versuchen stellte sich heraus, daß die Pumpe nicht bloß dasjenige leistet wofür sie berechnet wurde, nämlich 63 Kubikfuß Wasser pr. Minute 9 bis 10 Fuß hoch hebe, sondern daß sie auch gerade bei dieser Normalleistung den größten Wirkungsgrad gebe, da letzterer sowohl bei Steigerung als bei Herabminderung des absoluten Nutzeffectes sogleich eine Abnahme erleidet. Der höchste Wirkungsgrad ergab sich mit 48 Procent, was jedenfalls als günstig bezeichnet werden muß. Die zu den Versuchen verwendete Pumpe soll nach einer wegen der geringeren Hubhöhe erforderlichen Abänderung zum Heben des Seewassers bei der k. k. See-Saline zu Stagno verwendet werden.

Einer ausführlichen Darlegung sämmtlicher theoretischen und experimentellen Resultate sehen wir in dem eben unter der Presse befindlichen Werke von Rittinger über Centrifugalventilatoren und Centrifugalpumpen mit Verlangen entgegen (Oesterr. Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1857, Nr. 17.)

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Im polytechnischen Journal Bd. CXL S. 464, Bd. CXLI S. 313 und Bd. CXLIII S. 234.

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