Titel: Notiz über Anwendung des Wasserglases als Körnerdüngung; von Dr. W. Knop.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 10 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi05_10

Notiz über Anwendung des Wasserglases als Körnerdüngung; von Dr. W. Knop.

Erst seit kurzer Zeit, seitdem das Wasserglas fabrikmäßig dargestellt wird, konnte man den Gedanken fassen, das Wasserglas als Düngemittel anzuwenden.

Daß lösliches kieselsaures Kali eine Form ist, in der man Halmfrüchten zwei ihrer wesentlichsten Mineralbestandtheile zuführen kann, versteht sich von selbst. Allein es schien mir bei der Löslichkeit und Zersetzbarkeit des Wasserglases und den vielfachen Verbindungen, die es im Boden eingeht, eine Verschwendung zu seyn, ein Feld etwa durch Ueberstreuen mit Wasserglas zu düngen.

Ich schritt deßhalb zu einer Art der Düngung, die allerdings auch nicht neu ist, Landwirthe haben sich ihrer schon bedient, und unter dem Artikel „Samendüngung“ findet man in Wolff's Ackerbau S. 497 darüber Genügendes. Die Idee, |400| von der ich dabei ausging, war, das Wasserglas am Samenkorne gefesselt zu erhalten, indem ich es mit Körpern mischte, auf die es bei seiner Auflösung durch die Feuchtigkeit des Bodens so einwirken mußte, daß sehr langsam zersetzbare Verbindungen entstanden, die der Pflanze alle nützlich sind. Zu dem Ende knetete ich die Körner in einer ziemlich dicken Wasserglaslösung, theils von reinem Kaliwasserglase, theils von einem Gemenge von Kali- und Natron Wasserglas, bis die Körner alle gleichförmig benetzt waren, und warf sie dann in ein feines Pulver, das gemischt war aus

1) Knochenmehl mit wenig Schlämmkreide und gepulvertem Wasserglase;

2) denselben Bestandtheilen mit Zusatz von kohlensaurer Talkerde, bis die Samen gleichförmig incrustirt waren. Es gelang auf diesem Wege, auf die Körner das ihnen gleiche Gewicht der Düngung als Kruste zu bringen, doch nicht gerade leicht. Viel besser gelang es mir später, wo ich alle die Mineralbestandtheile als Pulver anwandte und den Samen mit Leimwasser benetzt in das Pulver warf und dieses Verfahren mehrmals wiederholte.

Am 8. und am 14. October 1856 wurden auf den zu unserer Versuchsstation gehörigen Feldern 4 der Parcellen von 12 Quadratruthen Fläche mit auf diese Weise incrustirtem schwedischen Winterroggen besäet. Zu derselben Stunde ward auch dieselbe Saat ohne Körnerdüngung auf die übrigen Versuchsparcellen gebracht. Zur Vergleichung blieben hier 2 Parcellen ganz ungedüngt, andere waren mit Lederdünger, andere mit Guano, noch andere mit Phosphorit gedüngt. Alle Versuchsparcellen haben denselben ganz abgebauten Boden.

In diesem Frühjahre wurden in ähnlicher Weise mit einer Sommerhalmfrucht, mit Hafer, vergleichende Versuche angestellt, der Ende April gesäet wurde. Hier aber sind die incrustirten Körner nicht auf ungedüngten, sondern auf einen gedüngten Boden gebracht.

Der Roggen mit Wasserglassamendüngung lief im verflossenen Herbste viel rascher auf als der andere Roggen. Dieses kann lediglich darin liegen, daß durch das Nässen die Keimung im Vergleiche zu dem anderen Samen, der trocken in die Erde kam, im Vortheil war.

Bis zu der Zeit, wo der Schnee fiel, konnte man die Pflanzen von dem mit Wasserglas gedüngten Samen von den anderen durch ihre kräftigere Entwickelung unterscheiden. In diesem Frühjahre, nachdem der Schnee geschmolzen, sah man gar keinen Unterschied und so verhielt es sich bis gegen Mitte April. Seit der Zeit aber eilten sie den übrigen wieder sichtbar voraus und jetzt werden sie nur von den Pflanzen der mit Guano gedüngten Parcellen übertroffen. Diese letzteren und die mit Wasserglas gedüngten kann man auf der Flur, auf der sie in einer Linie mit den übrigen Versuchsparcellen liegen, auf 400–500 Schritt Entfernung durch ihre dunkelgrüne Farbe von allen übrigen unterscheiden.

Beim Hafer, der erst in diesem Jahre gesäet ist, zeigt sich bis jetzt, nach fortwährend trockner Witterung, kein Unterschied.

Die Veranlassung zu dieser Mittheilung gibt mir ein in der Gartenlaube (1857 Nr. 20) von Franz Döbereiner in Jena veröffentlicher Artikel, worin derselbe, nachdem er über die Bedeutung des Wasserglases in technischer Hinsicht gehandelt hat, sagt:

„Es ist mir nicht bekannt, das das Wasserglas schon als Dünger angewandt wäre“

und dann die Landwirthe dazu auffordert Versuche damit anzustellen, mit der Bemerkung, er wolle in diesem Sommer selbst derartige Versuche machen.

Da meine Versuche schon im October 1856, so weit es der Hand bedurfte, beendigt waren und in der That Erfolg versprechen, so dürfte es wohl gerechtfertigt erscheinen, das Vorstehende vorläufig darüber mitgetheilt zu haben. – Möckern, im Mai 1857. (Chemisches Centralblatt, 1857, Nr. 22.)

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