Titel: Ueber die Bildung von salpetriger Säure aus Ammoniak; von Dr. K. Tuttle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1857, Band 144/Miszelle 4 (S. 464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj144/mi144mi06_4

Ueber die Bildung von salpetriger Säure aus Ammoniak; von Dr. K. Tuttle.

Eine blaue Auflösung, welche entstanden war, indem metallisches Kupfer mit Ammoniak und Luft in Berührung blieb, ließ man zufällig mehrere Monate lang offen stehen, wodurch sie zu einer Masse eintrocknete, die wie kohlensaures Kupferoxyd aussah. Als diese mit Salzsäure übergossen wurde, brauste sie stark auf, indem sich zugleich eine Menge rother Dämpfe von salpetriger Säure entwickelten. Diese Erscheinung ließ vermuthen, daß sich in diesem Falle die salpetrige Säure aus dem Stickstoff von Ammoniak gebildet habe, was sich auch durch die folgenden Versuche bestätigt hat.

Fein geschnittene Späne von blankem, sehr dünnem Kupferblech wurden in einer Schale mit so viel concentrirtem Ammoniak übergossen, daß sie gleichzeitig noch mit der Luft in Berührung blieben. Das Ammoniak war frei von salpetriger oder Salpetersäure. Die Schale wurde mit einer Glasglocke überdeckt und blieb mehrere Tage lang stehen. Die entstandene tiefblaue Flüssigkeit wurde dann durch Erwärmen vom Ammoniak befreit, mit geprüfter reiner Schwefelsäure versetzt und destillirt, indem die Dämpfe in reiner Kalkmilch aufgefangen wurden. Aus dieser wurde durch Kohlensäure alles freie Kalkhydrat gefällt, die Flüssigkeit filtrirt und vorsichtig zur Trockne verdunstet. Es blieb eine kleine Menge eines farblosen, zerfließlichen Salzes zurück, welches sich wie salpetrigsaurer Kalk verhielt. Mit Schwefelsäure entwickelte es eine Menge gelbrother Dämpfe von salpetriger Säure.

Eine an salpetriger Säure reichere Flüssigkeit wurde erhalten, als Ammoniak durch einen mit einem Asbestpfropfen lose verschlossenen und mit feinen blanken Kupferblechstreifen gefüllten Trichter fließen gelassen und die ablaufende Flüssigkeit wiederholt auf das Kupfer gegeben wurde.

Um zu entscheiden, ob die Bildung der salpetrigen Säure vielleicht erst nach der Oxydation des Kupfers vor sich geht, bereitete ich eine Lösung von Kupferoxydhydrat in Ammoniak und ließ dieselbe einige Wochen lang an der Luft stehen. In diesem Falle aber war keine Spur von salpetriger Säure zu entdecken. – Dagegen bildeten sich Spuren dieser Säure, als eine farblose Auflösung von Kupferoxydul dem Einfluß der Luft ausgesetzt und dabei, wie bekannt. blau wurde.

Es ist also klar, daß die Oxydation des Ammoniaks gleichzeitig mit der des Kupfers statt findet und von dieser bedingt wird. Nach Schönbein müßte man annehmen, daß hierbei das Kupfer den Sauerstoff der Luft in Ozon verwandelt. (Annalen der Chemie und Pharmacie, März 1857, S. 283.)

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