Titel: Ueber Maschinen zum Biegen von Holz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 147, Nr. X. (S. 17–19)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj147/ar147010

X. Maschinen zum Biegen von Holz.

Aus der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1857 S. 163.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

In den Vereinigten Staaten Amerika's sind in den letzten zwei bis drei Jahren verschiedene Maschinen construirt worden und in Anwendung gekommen, welche Hölzer kleinerer und größerer Dimensionen für die verschiedenartigen Arbeitszwecke der Möbeltischler, Stellmacher, Wagenfabrikanten, Bauhandwerker, Schiffbauer etc. in beliebige Formen und Krümmungen biegen. Wir beschreiben im Folgenden (nach dem Artizan, 1857 und Scientific American, 1856) zwei Maschinen dieser Art.

Fig. 17 ist die Seitenansicht einer Maschine für Hölzer bis zu 6 Quadratzoll Stärke.

Fig. 18, 19 und 20 stellen die Seitenansichten einer Maschine für Hölzer zwischen 6 Zoll und 16 Zoll Quadrat, in den verschiedenen Arbeitsstadien, beim Anbeginn und bei Vollendung der Biegung des eingespannten Holzes dar.

Die in Fig. 17 dargestellte Maschine besteht aus einem gußeisernen Doppelgestell A, A, welches zwei mit Stirnrädern und Getrieben ausgerüstete Wellen trägt, von denen die oben liegende a an ihrem Ende das gußeiserne Blockstück b, b aufnimmt. Das letztere dient als Form für die auszuführende Biegung des Holzstückes c, c (einer Planke etc.), welches mit seinem einen Ende durch eine Klammerschraube auf dem Umfange des Blockstücks festgehalten wird, während es bei der Drehung des letzteren sich aufwickelt. Das andere Ende des Holzes c, c ist von einer Klammer und einer Spannschraube festgehalten und mittelst derselben mit der Schiebeblatte d, d verbunden. Diese wird geführt und getragen von einem Balken e, e, welcher in der Mitte durch ein Paar Stangen f, f dergestalt gehalten wird, daß er durch die darunterstehende Schraubenspindel höher oder niedriger eingestellt werden, und um seine horizontalen Achsenzapfen i verschieden geneigte Stellungen zur Horizontalebene annehmen kann. Das hintere Ende des Balkens e, e wird noch durch den belasteten Winkelhebel h, h, i angegriffen und abwärts gezogen, und dadurch der Balken e, e veranlaßt, das zu biegende Holzstück c, c fest gegen das Formstück b zu drängen und selbst bei kurzen Krümmungen kräftigen Druck auf das Holz c auszuüben.

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Bei der durch die Figuren 18, 19 und 20 dargestellten Maschine für stärkere Hölzer bildet das Formstück, über welches die Biegung des Holzes a, a ausgeführt werden soll, einen einarmigen Hebel b, b, dessen Drehachse b, je nach der Dicke des Holzes, höher oder niedriger eingestellt und fest auf das Holz niedergehalten werden kann, durch die Stellschraube b''. An dem Kopfende dieses Hebels ist das Holz durch eine Schraubenklammer c, c befestigt, mit dem anderen Ende ruht es auf einer Platte e, e, welche sich in horizontaler Ebene verschieben kann, und ist auf derselben ebenfalls festgeklammert, geschraubt und durch eine Druckschraube d gehalten. Zwei Wangenstücke f, f etc. halten die Platte 6,6 und geben derselben die nöthige Führung bei der Verschiebung. Auf dem hinteren Ende dieser Wangenstücke stehen zwei Ständer g, welche drei mit Zahnrädern versehene Wellen tragen; die zu unterst liegende bildet eine Seiltrommel h, auf welche sich ein Seil aufwickelt, dessen Ende an dem einarmigen Hebel b, b festgemacht ist. Durch Umdrehen der oberen Kurbelwelle wird das Seil aufgewickelt, der Hebelsarm b abwärts gezogen, bis er in die Fig. 19 gezeichnete Sellung gelangt, und das Holz a, a dabei über die gekrümmte Partie des Hebels gebogen. Nachdem dasselbe eine kurze Zeit in dieser Stellung belassen worden ist, werden beide Enden des Holzes durch einen Strick mit einander verbunden und der Hebel entfernt. Das Holz wird dann in dem geknebelten Zustande, welcher durch Fig. 20 veranschaulicht ist, so lange gelassen bis es bestorben und etwas ausgetrocknet ist und die Krümmung bleibend beibehält.

Alles Holz wird, bevor es auf die Maschine gebracht wird, mehrere Stunden einem Dampfbade ausgesetzt; und zwar geschieht dieß, wie gewöhnlich bei den Schiffbauern, in einem aus Bohlen construirten Kasten, der durch eiserne Schraubenbolzen zusammengehalten wird, in welchem Dämpfe von niedriger Spannung an einem Ende ein- und an dem anderen Ende frei austreten.

Beim Biegen selbst ist das Holz so viel wie möglich an den Stellen, wo die Krümmungen angebracht werden sollen, von allen Seiten durch eiserne Schienen und Platten umschlossen, damit es nicht aufschwillt, reißt oder splittert. Auf der äußeren convexen Seite ist eine schwache biegsame eiserne Schiene unter das Holz gelegt und dasselbe durch Klammern darauf befestigt, welche gleichzeitig Eisenplatten gegen die Seitenflächen des Holzes andrücken, so daß dasselbe ganz eingeschlossen ist.

In Bezug auf den Kostenpunkt gibt unsere Quelle an, daß eine Maschine, stark genug um eichene Schiffbauhölzer von 16 Zoll Quadrat zu biegen, 700 Pfd. St. = 3266 Thlr. kosten solle, dabei aber im Stande sey, zehn Stücke Holz in 10 Stunden zu biegen, und daß der Werth |19| des Holzes im gebogenen Zustande der dreifache sey von dem Werth im geraden Zustande; daß selbst nach Abzug der Kosten der Operation ein Reingewinn von 75 Proc. abfallen, oder auch die Kosten der Schiffe aller Größen um 25 Proc. ermäßigt werden würden, da man jetzt nicht mehr allein auf die krumm gewachsenen Hölzer angewiesen sey, welche oft nur zu sehr bedeutenden Preisen beschafft werden konnten; daß außerdem die Festigkeit und Dauerhaftigkeit solcher gebogener, gut mit einander verbundener Hölzer bei weitem größer sey als diejenige der über Span und Quer gewachsenen krummen Hölzer. Die in London angestellten Versuche mit diesen Maschinen und Eichenholz von 12 Zoll Quadrat gaben sehr günstige Resultate, da die Zeit des Biegens nur 20 Minuten wegnahm und das Holz, nachdem es 4 Stunden auf der Maschine belassen war, sich in seiner Biegung als bleibend steif zeigte und nur 1 Zoll zurücksprang.2)

|19|

Dem „Amtlichen Bericht über die allgemeine Pariser Ausstellung, von Dr. v. Viebahn und Dr. Schubarth, Berlin 1856“, entnehmen wir nachstehende Bemerkungen über die Holzbiegemaschinen:

„Von dem Amerikaner Thomas Blanchard zu Boston war durch ein Modell das Verfahren versinnlicht, alle Arten Hölzer bis zur Stärke von 8 Quadratzoll und darüber, in jede beliebige Krümmung zu biegen, wodurch ganz besonders für den Schiffbau die sogenannten Kniehölzer, überhaupt aber für vielerlei Bauten, für Möbel, Rähme, Särge, Acker- und Gartengeräthe sehr brauchbare Krummhölzer, bei denen die Faser in der Bogenlinie fortlaufend die größte Festigkeit gewährt, erzeugt werden. Dieses Verfahren ist keine bloße Prahlerei mehr, sondern es liegen erstaunenswerthe Resultate durch ausgestellte Exemplare gebogener Stücke von achtzölligem Eichenholz vor, und hat Hr. Blanchard bereits in England, wie in Amerika, Beweise hiervon im Großen öffentlich abgelegt. Indem das Holz dem Dampf ausgesetzt und gebogen wird, zerstört man den Saft und verhindert die trockene Fäule durch die Entfernung der zerstörenden Säuren; indem man in die Holzporen Zinkchlorid einflößt, macht man das gereinigte Eichenholz eben so dauerhaft, wie das lebendige.“

„Ausgestellt waren Proben von gebogenen Hölzern zu Möbeln, sowie zwei Kniehölzer für Schiffbau, das eine von 6, das andere von 8 Zoll Durchmesser. Aussteller legte zugleich den Extract eines officiellen Berichtes an das Bureau der Docks und Werften der Vereinigten Staaten von James Jarves, Holzinspector für die Marine, vor.“ (Er ist in unserer Quelle in französischer Sprache abgedruckt.)

„Die Erfindung ist in Frankreich patentirt. Man wendet sich an John Munroe und Comp., 5 Rue de la Paix. – Mittelst des Modells hat der preuß. Preisrichter dieser Classe, Hr. Bialon, selbst Hölzer von 1 Quadratzoll biegen sehen.“

A. d. Red.

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