Titel: Chenot's Verfahren die Eisenerze zu Metallschwamm zu reduciren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 147, Nr. CXIX. (S. 429–434)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj147/ar147119

CXIX. Ueber das Verfahren von Chenot zu Clichy, die Erze, insbesondere die Eisenerze, zu Metallschwamm zu reduciren.

Aus dem Ingénieur, Februar 1857, S. 64.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Callon, Bergingenieur und Professor zu Paris, schließt seinen, der Jury der Allgemeinen Pariser Industrie-Ausstellung erstatteten Bericht über das Chenot'sche Verfahren folgendermaßen:

|430|

„Die Jury ist der Meinung, daß vielleicht kein anderer Aussteller ein bemerkenswertheres Ganzes von neuen und für die Industrie wichtigeren Thatsachen geliefert hat, und daß, wenn man auch noch nicht sagen kann, daß diese Entdeckungen oder Erfindungen zu einer großen industriellen Ausbeute gelangt sind, ihre Products doch wenigstens die ausnahmsweise Vollkommenheit haben, welche wir der Wissenschaft oder der Arbeit verdanken, und welche hinreicht um die Verleihung der Ehrenmedaille zu rechtfertigen.“ 70)

Auf der Ausstellung befanden sich die Producte des Chenot'schen Verfahrens mit folgenden Ueberschriften:

1) Zusammendrücken und Formen der zertheilten metallischen Substanzen, insbesondere derselben im Schwammzustande, bei gewöhnlicher Temperatur;

2) Cementation bei gewöhnlicher Temperatur, und Gegencementation;

3) Oxydations- und Reductionswirkungen;

4) Normalisation der Erze;

5) elektromagnetische Sortirung oder Separation der Erze etc. Diese Ueberschriften umfassen das neue System der Eisen- und Stahlfabrication.

Hr. Chenot hat gezeigt, daß die oxydirten und durch diese Verbrennung in Erze verwandelten Metalle wieder reducirt und auf den Zustand von Metallschwamm zurückgeführt werden können, welcher nichts anderes als reines Metall ist.

So gelangt das Eisenoxyd durch Reduction in den schwammigen Zustand, welchen er benutzt um Stabeisen oder, mittelst neuer Reactionen, Stahl darzustellen.

|431|

Bei dieser Zugutemachung behält, da die Reduction nicht mit einer Schmelzung endigt, das reducirte Erz seine Form und seine Textur bei. Der Schwamm entspricht der Beschaffenheit und Güte des Oxydes, und die Natur des erzeugten Eisens hängt also lediglich von der Qualität des angewandten Erzes ab. Chenot nennt dieß die Normalisation der Erze.

Die Reduction wird auf folgende Weise bewirkt:

Das zerschlagene und geröstete Erz gibt man in einen runden oder prismatischen Ofen (Fig. 3) von 13 Meter Höhe, welcher mit äußeren Feuerräumen versehen ist, die 7 Meter von der Gichtöffnung entfernt sind.

Indem dieses Erz im Ofenschaft niedersinkt, wird es einer zunehmenden Hitze ausgesetzt, und gelangt zu dem Punkt, wo das Kohlenoxyd auf das Eisenoxyd einwirkt, und es ebenso wie in dem Schacht eines Hohofens reducirt.

Das in den Zustand des Schwammes umgewandelte Erz kühlt sich beim Niedersinken in dem Ofen immer mehr ab. Beim Herausnehmen aus dem Ofen muß der Schwamm die gewöhnliche Temperatur haben, weil er sich sonst wegen seiner pyrophorischen Natur wieder oxydiren würde.

Die Chenot'schen Apparate sind daher Hohöfen, die an dem Punkte endigen, wo die Schmelzzone beginnt, folglich ohne Herd.

Der Schwamm hat zwei sehr charakteristische Eigenschaften:

1) ist er sehr zerreiblich, so daß er sich leicht pulverisiren läßt;

2) backt er unter einem sehr starken Druck fest zusammen. Hr. Chenot hat diese letztere Eigenschaft benutzt um bei gewöhnlicher Temperatur Wulste zu bilden, welche dann weiter verarbeitet werden können.

Ehe wir die Reductionsapparate beschreiben, wollen wir Chenot's Reductionsproceß mit der gewöhnlichen Methode vergleichen, und die wesentlichen Verschiedenheiten angeben.

Bei den gewöhnlichen Eisenhüttenprocessen gelangt das Erz im schwammigen Zustande in den untern Theil des Schachtes, sinkt in demselben nieder, erleidet eine zunehmende Erhitzung und kommt unter dem Einfluß der Kohlensäure in Fluß, wobei das Eisen Kohlenstoff aufnimmt, und endlich fällt es als Roheisen in den Herd.

Bei dem Chenot'schen Verfahren kühlt sich das reducirte Erz langsam ab, und kommt als Schwamm aus dem Ofen.

Unsere Hohöfen sind der Sitz zahlreicher Reactionen, der Kohlensäure auf den Kohlenstoff, des Kohlenoxydes auf das Erz, des Cyans auf das Kali der Asche etc. Während dieser Reactionen wird das Erz reducirt, aber bald durch den Kohlenstoff, bald durch die Kieselerde; das |432| erlangte Product hat daher keinen gleichartigen Charakter, keine im voraus zu bestimmende Beschaffenheit.

In den Chenot'schen Hohöfen findet so zu sagen nur eine Reaction statt, nämlich die des Kohlenoxydgases auf das Eisenoxyd, so daß also das Product stets eine, derjenigen des Erzes vollkommen entsprechende Beschaffenheit hat.

In den gewöhnlichen Hohöfen werden 2/5 des Brennmaterials zum Schmelzen verwendet. Da dieses bei dem Chenot'schen Verfahren wegfällt, so wird bedeutend an Brennmaterial erspart.

Endlich haben auch unsere Hohöfen seit einigen Jahren kolossale Verhältnisse erlangt und kosten daher sehr viel, während die Chenot'schen nur 10 bis 15 Meter hohe Kupolöfen sind, welche also geringe Anlagekosten verursachen.

Man muß gestehen, daß zu Gunsten des Chenot'schen Systems sehr Vieles spricht; denn bei dem jetzigen System des Zugutemachens der Eisenerze wird das durch Reduction des Oxydes erhaltene Metall als solches nicht benutzt, sondern im Gegentheil in eine Kohlenstoffverbindung umgewandelt, welche, ehe sie verkäufliches Stabeisen bildet, wiederum entkohlt werden muß.

Die Erzreduction durch Kohlenoxyd kann auf zweierlei Weise bewirkt werden: 1) indem man Erze und Brennmaterialien mit einander vermengt; 2) durch Cementation.

Wir wollen nun die Apparate beschreiben, welche zu diesen beiden Processen dienen.

Reduction durch Cementation.

Fig. 3 stellt den Ofen mit Seitencanälen in einem senkrechten Durchschnitte dar: – A Verschluß mit Wassercirculation. – B Kernschacht von feuerfesten Ziegelsteinen. – C Dampfkessel, welcher durch die entweichenden Gase gefeuert wird. – n senkrechte Feuercanäle. – Y Kühlraum mit Luftzug. – R unterer Theil des Ofens, welcher nur aus Eisenblech besteht, um die Abkühlung des reducirten Erzes zu erleichtern. – F Roste, auf denen Brennmaterial verbrannt wird. – F' Raum, in welchem die Erzröstung bewirkt wird. – K Rost. – M Kolben, welcher die Erzcharge trägt. – k Gitter. – T Verschluß mit Wassercirculation, am untern Ende.

Fig. 4 ist der Grundriß des Rostes K in dem Flammofen F. – k Rahmen des Rostes. – b, b bewegliche Stäbe. p, p Balken, auf denen die Roststäbe aufruhen.

|433|

Fig. 5 ist der senkrechte Durchschnitt von dem untern Theile des Ofens. – k, k Rahmen auf welchem die beweglichen Stäbe ruhen. – T Boden, der durch Wassercirculation dicht erhalten wird und weggenommen werden kann.

Fig. 6 zeigt den Kolben, welcher zur Entleerung des Ofens dient. – P beweglicher Boden, der in dem Cylinder durch den Kolben N wirkt. – D ist die Verbindung des Kolbens mit dem Boden des Ofens.

Fig. 7 zeigt den Schlüssel zum Entleeren des Ofens. – C Achse, auf der sich der Schlüssel dreht. – E Schlüssel mit Vertiefungen, um die Substanzen durchgehen zu lassen. – R ist die innere Oberfläche des Ofens.

Das Entleeren des Ofens ist eine ziemlich schwierige Arbeit, weil dabei jeder Luftzutritt vermieden werden muß.

Reduction durch gasförmiges Brennmaterial.

Chenot's zweiter Apparat, welcher in Fig. 8 im senkrechten Durchschnitt abgebildet ist, unterscheidet sich von den gewöhnlichen Hohöfen: 1) dadurch, daß das Brennmaterial nur im gasförmigen Zustande mit dem Erz gemischt ist; 2) dadurch daß man das reducirte Erz zur geeigneten Zeit herausnehmen kann, entweder aus D oder aus D' etc.

C Ofen. – H Verschluß der Gicht. – o, o Stellen wo das Gas in den Ofen strömt. – s, s Oeffnungen, durch welche das Gas, nachdem es die Erzschichten durchströmte, aus dem Ofen tritt. – B Oeffnungen, durch welche das Brennmaterial eingebracht wird. – K Stelle wo es verkohlt ist. – F Herd. – T Form zum Einführen von Gebläseluft.

Chenot hat auch einen Gasgenerator vorgeschlagen, der in Fig. 9 abgebildet ist und folgende Einrichtung hat. – A senkrechte Röhre, durch welche das Brennmaterial eingeladen wird. – H Deckel, mit Wasser abgeschlossen. – D Schieber zum Herausziehen der Rückstände. – T Formen. – B Röhren, durch welche die erzeugten Gase ausströmen.

Elektromagnetischer Separations-Apparat.

Dieser ist in Fig. 1 im senkrechten Längendurchschnitt und in Fig. 2 in der Seitenansicht dargestellt. – A natürliche permanente, oder künstliche Magnete. – C kupferne Trommel. – T endloses Tuch zum Zuführen der Erze. – T' Sieb. – P geneigte Ebene zur Separation. – Q Zinkplatte zum Reinigen der Trommel. – X Gangart und Kohlen. – Y geschiedenes Erz.

|434|

Man begreift, daß das bei Y geschiedene Erz ein fast reines Eisen liefern muß, welches man dann nur mit der für jede Stahlart erforderlichen Kohlenstoffmenge zu verbinden braucht.

Es fragt sich nun, ob das Chenot'sche Verfahren wirklich im Großen anwendbar ist. Diese Frage werden die vier oder fünf Hütten entscheiden, welche (der Sohn des im vorigen Jahre verstorbenen Erfinders) Hr. Adrian Chenot gegenwärtig zu errichten beschäftigt ist. – Das Verfahren wird übrigens auf solche Erze beschränkt bleiben müssen, welche aus fast reinem Eisenoxyd bestehen.

|430|

Im Allgemeinen sind die Urtheile der Jury-Mitglieder über dieses Verfahren sehr verschiedenartig gewesen. Die Jury der XV. Classe – für Stahl und Stahlwaaren – hat sich gar nicht damit beschäftigen wollen, weil nach den ihr zugekommenen Notizen dasselbe sich auf Versuche beschränkte und ihr die Ausführbarkeit im Großen zweifelhaft erschien. Ganz entschieden dagegen hat sich auch der bekannte österr. Metallurg. Sectionsrath und Director Tunner zu Leoben in seinem „Bericht über die Producte des Bergbaues der Pariser Ausstellung“ (Wien 1855), S. 46 und im polytechn. Journal Bd. CXLIII S. 235 ausgesprochen. – Die Jury der I. Classe hingegen hat diesem Verfahren in ihrer Majorität eine so große Wichtigkeit beigemessen, daß sie dem Aussteller Chenot die Ehrenmedaille zuerkannte.

Wir haben im polytechn. Journal Bd CXXXVIII S. 209 Notizen über Chenot's Etablissement zu Clichy bei Paris mitgetheilt, nebst einer ausführlichen Beschreibung seiner Verfahrungsarten, jedoch ohne Abbildungen der Apparate, die wir hiemit nachtragen.

Sein Verfahren soll jetzt auf dem Eisenwerk Bogschan in Ungarn, welches der k. k. Staatseisenbahn-Gesellschaft gehört, in Anwendung gebracht werden, da man dort die dazu erforderlichen reichen Erze leicht beziehen kann,

A. d. Red.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: