Dieses Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und präsentiert von der Sächsischen Landesbibliothek — Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin.
Krupp'sche Gußstahlachsen und Gußstahlbandagen.In einer (auch der Redaction des polytechnischen Journals übersandten) Mittheilung, vom November v. J. gibt der Gußstahlfabrikant Hr. Friedrich Krupp ein Verzeichniß sämmtlicher von seiner Fabrik bei Essen bisher gelieferten Gußstahlachsen für Eisenbahnwagen, Tender, Locomotiven, Dampfschiffe und Dampfmaschinen zu dem Zwecke, Jedem, der sich hiefür interessirt, die Gelegenheit zu bieten, über das Verhalten dieses seit 1848 eingeführten Fabricates directe Auskunft bei den betreffenden, dasselbe benutzenden Eisenbahnen, Dampfschifffahrts-Gesellschaften und andern industriellen Anstalten einzuholen. Diese Nachforschungen sollen zu der Bestätigung führen, daß die von obigem Etablissement bisher ausschließlich empfohlenen ungehärteten Achsen aus dessen bekannter eigenthümlicher Gattung Gußstahls, welche bei vollständiger Homogenität größte Zähigkeit und Stabilität in richtigem Verhältnisse verbindet, unter allen bisher in Gebrauch gekommenen Fabricaten ganz allein als vollkommen zuverlässig sich bewährt haben, da unter den Tausenden von Exemplaren nicht ein einziges Stück im regelmäßigen Betriebe abgenutzt oder Reparatur bedürftig geworden, geschweige verbogen oder gebrochen sey, trotz der Zulassung einer um 50 Proc. höheren Belastung als diejenige, welche für Achsen von Eisen und Puddelstahl bei gleichen Dimensionen gebräuchlich ist. Zugleich macht sich der Besitzer des Etablissements zur Pflicht, seine frühere Warnung gegen Anwendung gehärteter Gußstahlachsen zu wiederholen, da der Erfolg die seiner Zeit versicherte Unzulässigkeit derselben bestätigt habe, und fühlt sich derselbe bewogen, bei besonderer Aufführung der von ihm auf ausdrückliche Vorschrift dennoch im gehärteten Zustande gelieferten Gußstahlachsen zur Bekräftigung dieser Warnung der daraus erfolgten Unfälle zu gedenken. Gehärtete Gußstahlachsen für Waggons wurden geliefert: 1850 für die Ostbahn 6 Stück à 240 Pfd. an Gewicht; 1852 für die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn 460 Stück à 252 Pfd.; 1852 für die Berlin-Stettiner Bahn 10 Stück à 230 Pfd.; in Summa 476 Stück. Von diesen gehärteten Gußstahlachsen zerbrachen im Betriebe bis Anfangs dieses Jahres 17 Stück, und zwar diejenige Zahl, welche in der Eisenbahn-Zeitung Nr. 39 vom 1. October d. J. unter der übrigen Menge der auf deutschen Vereinsbahnen bekannt gewordenen Brüche von Wagen- und Locomotivachsen aller Gattungen und des verschiedensten Ursprungs, ungenauer Weise nur als Nach solchen Vergleichen und gründlicher Prüfung aller bekannten Erfahrungen könne die bestimmte Behauptung nunmehr aufgestellt werden, daß die ungehärteten Achsen nicht nur bisher als die einzig zuverlässigen sich bewährt haben, sondern auch, daß in Erwägung der Zulässigkeit einer Verminderung des, bei anderm Material erforderlichen Durchmessers, folglich des Gewichts, auch in Anbetracht der größeren Sicherheit gegen Erhitzung der Lagerschenkel und der allgemeinen Ersparniß an Fett und Oel, der Entbehrlichkeit des Kostenaufwandes für Nothlager und der vollen Sicherheit gegen jede Betriebsstörung, und endlich der Unveränderlichkeit des Werthes des Materials und dessen ferneren Verwendbarkeit, ungeachtet einer mehr oder weniger wesentlichen Differenz in der ersten Capitalanlage, dennoch pro Stück und Dauer sowohl beim Eisenbahn-Betriebe, wie auch für die Dampfschifffahrt als die wohlfeilsten sich gestalten. Schließlich sey noch zu erwähnen, daß wie bei Verwendung von Eisen und gewöhnlichem Stahl auch bei allen Gattungen von Gußstahlachsen scharf eingedrehte Ecken, besonders an den Lagern, zu vermeiden sind, daß alsdann bei ungehärteten |75| Das Eingangs erwähnte Verzeichniß weist nach, daß seit 1848 von der Gußstahlfabrik von Friedrich Krupp bei Essen geliefert worden sind:
sämmtlich von ungehärtetem Gußstahl und zähester Qualität. Die Achsen ad 1) sind an der Nabe von 3 3/8 bis 4 13/16, an dem Schenkel von 2 1/4 bis 3 1/4, in der Mitte von 3 bis 4 11/24 rheinl. Zoll stark und das Gewicht beträgt von 192 bis 398 preuß. Pfund. Die größte Zahl bezog die Direktion der Köln-Mindener Eisenbahn, nämlich 2563 Stück. Die Treib-, Lauf- und Tenderachsen ad 2) wurden theils bloß geschmiedet, theils fertig gedreht geliefert und zwar im Gewicht von 300 bis 2800 Pfd. Die meisten solcher Achsen bezog wieder die Köln Mindener Eisenbahndirection, nämlich 256; eine Anzahl Locomotive-Kurbelachsen und zwar der schwersten Sorte wurde für französische Bahnen geliefert (20 Stück à 2800 Pfd. für die Paris-Orleans Bahn). Die Grad- und Krummachsen ad 3) wurden zum größern Theil für die Dampfschifffahrts-Gesellschaft des österreichischen Lloyd in Trieft und für die Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft in Wien geliefert, nämlich beziehungsweise 18 und 52 Achsen, im Gewicht bis zu 6251 Pfd. fertig zum Einlegen. Die vier schwersten Achsen, Propeller-Gradachsen, 30 Fuß lang, wurden 1856 für die kaiserlich französische Marine geliefert und wogen 1[...],97 und 11,040 Pfd. Ein ähnliches Verzeichniß wie über die Gußstahlachsen liegt über die gelieferten patentirten Gußstahl-Bandagen ohne Schweißung aus der Krupp'schen Fabrik vor. Hiernach wurden bis November 1857 im Ganzen abgeliefert 6231 Stück Bandagen, wovon 1064 für die Köln-Mindener Eisenbahn, 1554 für die bayerischen Staatsbahnen, 830 für die österreichische Staatsbahn-Gesellschaft. Die Gußstahlbandagen sind geliefert für Locomotiv-, Treib- und Laufräder, für Tenderräder und Wagenräder mit entsprechendem Durchmesser und einer Stärke von 1 Zoll bis 2 1/2 Zoll. (Eisenbahnzeitung, 1857, Nr. 49.) |
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