Titel: Mittel gegen das Ausschlagen des Oels bei polirten Möbeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 147/Miszelle 13 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj147/mi147mi03_13

Mittel gegen das Ausschlagen des Oels bei polirten Möbeln.

Das Ausschlagen des Oels ist nicht, wie Viele glauben, eine Folge des bei dem Poliren angewendeten Oels, denn das Oel, welches sich mit der Politur innig vermischt, scheidet sich nie wieder aus, sondern es ist vielmehr Folge der überflüssigen Fettigkeit, welche dem Holz beim Schleifen mitgetheilt wurde. Man muß das Holz so mager wie möglich schleifen, und dann durch Pudern mit Ziegelmehl, welches einige Zeit darauf liegen bleibt, das Oel soviel wie möglich herausziehen. Besser noch ist es, das Holz mit Firniß zu schleifen und gehörig trocknen zu lassen, und dann noch mit Filz und Ziegelmehl abzuschleifen. Viele schleifen oder reiben vielmehr das Holz zuvor mit Wachs, um dadurch das Eindringen |240| des Schleifmittels zu verhüten; von Andern wird das geschliffene Holz erwärmt, damit das überflüssige Oel ausschwitzen kann; dieß ist aber unzweckmäßig, kann auch in den meisten Fällen, zumal bei furnirter Arbeit, gar nicht angewendet werden. Das beste, schon oft erprobte Verfahren, um diesem Uebelstande abzuhelfen, ist folgendes: Nachdem das Holz mit schwacher Politur oder mit Spirituslack einigemal getränkt wurde und trocken ist, wird es mit altem, abgekochten Leinöl, welches wo möglich gebleicht und dem beim Kochen etwas Wachs zugesetzt wurde, nicht zu fett und so fein wie möglich geschliffen, sodann noch gut mit Filz und Ziegelmehr abgerieben. Gut ist es, wenn die Arbeit einen Tag stehen bleiben kann, und dann erst grundirt wird. Bei dem Grundiren muß solange ohne Oel und mit schwacher Politur polirt werden, bis die ganze Fläche glänzt. Nach einiger Zeit, und zwar je später desto besser, kann das Object abermals polirt werden, mit etwas Oel, damit der Glanz, so zu sagen, fett und schwer wird, denn ohne Oel oder mit zu wenig Oel Poliren, erschwert die Arbeit und der Glanz bleibt immer dürftig.

Gesimse, welche bis zum matten Glanz geschliffen werden, schlagen nie aus, wenn man auch wirklich fett polirt und schon im Anfang Oel anwendet; es ist also nicht das wenige, der Politur beigemischte Oel Ursache des Ausschlagens. Eisen und andere Metalle, Marmor etc. mit Terpenthin oder Talg geschliffen, schlagen nie aus, weil kein Fett eindringen kann. Holz, welches mit arabischem Gummi getränkt, und dann mit Seife geschliffen wird, schlägt, auch fett polirt, nie aus. Arabisches Gummi und Seife werden gebraucht, wenn das Holz keine Farbe bekommen soll, wie z.B. wenn Ahorn oder Kastanie polirt werden sollen. Aus allem Angeführten ist zu ersehen, daß also bloß das Oel oder Fett, welches bei dem Schleifen zu viel aufgetragen und nicht wieder herausgeschliffen, oder durch andere oben angeführte Mittel entfernt wurde, Ursache des Ausschlagens seyn kann. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1857, Nr. 24.)

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