Titel: Ueber eine organische Säure des Düngers; von Paul Thenard.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 147/Miszelle 14 (S. 399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj147/mi147mi05_14

Ueber eine organische Säure des Düngers; von Paul Thenard.

Wenn man gegohrenen Dünger auslaugt, so erhält man eine braune Flüssigkeit. Die in derselben gelöste organische Materie besteht zum größern Theile in einer stickstoffhaltigen Säure, welche an Ammoniak gebunden ist. Zusatz von Salzsäure schlägt diese Säure, die in Wasser unlöslich ist, nieder.

Die so abgeschiedene Säure ist gallertartig und sehr voluminös, daher man sie nicht durch Auswaschen reinigen kann. Man löst sie behufs der Reinigung in Ammoniak auf und fällt sie wieder mit einer Säure mindestens zehnmal, wascht sie schnell mit Wasser und trocknet sie im luftleeren Raum.

Die Waschwasser sind anfangs stark gefärbt und werden immer mehr farblos; die Säure selbst wird mit dem wiederholten Lösen immer stickstoffreicher und ärmer an Asche. Es scheint demnach, daß eigentlich zwei Säuren durch Wasser aus dem Dünger ausgelaugt werden, von denen die eine in Wasser unlöslich und stickstoffhaltig, die andere löslich und stickstofffrei ist.

Die stickstoffhaltige Säure nennt der Verf. Düngersäure (acide fumique); in trocknem Zustande sieht sie wie Steinkohle aus, ist schwarz aus dem Bruche, glänzend, amorph, brennt mit hellleuchtender Flamme, und hinterläßt einen bedeutenden Rückstand von Kohle. Sie ist unlöslich in Wasser, Aether und Alkohol, gibt mit Kali, Natron und Ammoniak lösliche, mit den übrigen Basen unlösliche Salze. Ihre Zusammensetzung entspricht annähernd der Formel C³⁰ H¹⁵ NO¹¹.

Das düngersaure Ammoniak fällt die Thonerde und das Eisenoxyd aus seinen Lösungen und bildet damit Lacke. Es fällt den Kalk aus der Lösung von zweifach-kohlensaurem Kalk in kohlensaurem Wasser sogleich. Thonerdesalze werden nicht unmittelbar, sondern erst auf Zusatz von etwas Kochsalz gefällt. Bringt man eine saure Lösung von phosphorsaurer Thonerde mit düngersaurem Ammoniak zusammen, so bleibt auch bei Ueberschuß von Ammoniak die phosphorsaure Erde in Lösung.

Durch die Einwirkung von Luft und Wasser, namentlich wenn die Säure in Thonboden vertheilt ist, geht sie schnell in Zersetzung über, es bildet sich Schimmel auf der Oberfläche, sie reagirt nun stark sauer, und es hat sich eine neue Säure daraus gebildet.

Bei der Behandlung der Düngersäure mit Chlor fand der Verf. stets Schwefel darin, er kann aber nicht entscheiden, ob dieser Schwefel bloß als Verunreinigung beigemengt ist oder zur Zusammensetzung gehört.

Der Verf. fand die Substanz, welche mit den Oxyden von Eisen und der Thonerde jene lackartigen Verbindungen gibt, jedoch nicht bloß in gedüngter Erde, sondern auch in Boden, der niemals gedüngt war. (Comptes rendus, April 1857, Nr. 16.)

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