Titel: Saugapparat an Stelle der Luftpumpe bei Papiermaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148, Nr. VI. (S. 25–29)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/ar148006

VI. Saugapparat an Stelle der Luftpumpe bei Papiermaschinen.

Aus der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, Bd. I S. 307.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Die Arbeit der Papiermaschine, die der Hauptsache nach darin besteht, das Wasser aus der durch andere Maschinen vorgearbeiteten dünnen, breiartigen Papiermasse zu entfernen und eben dadurch das Papier zu bilden, zerfällt in zwei Haupttheile. Der erste, und zwar der größere Theil des Wassers wird nämlich durch bloßes Abtropfen beim |26| Wegleiten über ein Drahtsieb, durch Schütteln und Pressen, und der zweite hiebei noch zurückbleibende Theil des Wassers durch Wärme entfernt, indem das Papier um große mit Dampf geheizte Cylinder geführt wird. Je mehr Wasser man nun bei der ersten Hälfte der Arbeit entfernt, desto mehr spart man an Dampf und hat noch den Vortheil, daß das Papier schon nach der ersten Operation eine größere Festigkeit besitzt, und daher, wenn es zu den Trockencylindern kommt, viel seltener reißt. Es erscheint also ganz natürlich, daß man schon bald nach der Erfindung der Papiermaschine auf Vorrichtungen sann, um das Abfließen des Wassers zu beschleunigen. Zunächst gab man dem Drahtsieb, durch welches das Wasser vermöge seiner eigenen Schwere hindurchtropft, eine größere Länge, und endlich kam man darauf, den Druck der Luft zum Auspressen oder Aussaugen des Papiers zu Hülfe zu nehmen. Man suchte dazu unter dem Drahtsieb, kurz bevor das Papier dasselbe verläßt, einen luftverdünnten Raum zu erzeugen; dann drückte die äußerliche Luft mit einem großen Ueberdruck auf die Papierschicht und preßte damit einen großen Theil des darin enthaltenen Wassers durch das Drahtsieb. Diesen luftverdünnten Raum suchte man sich zunächst durch Ventilatoren zu verschaffen, erreichte aber später seinen Zweck vollständiger durch eine Luftpumpe, und wir sehen daher noch heute die meisten Papierfabriken mit Luftpumpen arbeiten. Es befindet sich dann ziemlich am Ende des Drahttuchs unter demselben ein oben offener, sonst luftdicht gearbeiteter, hölzerner Kasten, 16 bis 18'' breit und von einer Länge gleich der Breite des Drahtsiebes. Ueber demselben streicht dicht anliegend das Drahtsieb mit der Papierschicht hinweg, und nun saugt einfach die Luftpumpe fortwährend Luft aus dem Kasten. Eine Luftverdünnung, entsprechend einem Barometerstand von 24 bis 25 Zoll ist genügend, da bei einem größern Ueberdruck der Luft das Drahttuch durch das Aufpressen auf die Kanten des Kastens, die gewöhnlich mit starkem Messingblech beschlagen sind, sehr leidet.5) Die Luftpumpen arbeiten jedoch nie ganz gleichmäßig, und wenn man ihnen auch 3 Stiefel gibt, so ist doch noch jeder Kolbenwechsel an der veränderlichen Intensität des Saugens wahrzunehmen und erzeugt Unregelmäßigkeiten im Papier. Dieser Uebelstand ist gänzlich beseitigt bei dem neuen zu beschreibenden Saugapparat. Derselbe arbeitet nicht allein ganz gleichmäßig, sondern verbindet damit |27| noch den ungewöhnlichen Vortheil, durchaus keine Betriebskraft in Anspruch zu nehmen, und außerdem betragen die Herstellungskosten vielleicht nur 1/6 bis 1/10 von denjenigen einer guten Luftpumpenanlage. Die Erfindung rührt von Charles Collin, Papierfabricant in Kelvindale in England her (siehe polytechn. Journal Bd. CXV S. 23), und es ist merkwürdig, daß man daraufhin noch keine dergleichen Apparate construirte. Erst im Anfang des vorigen Jahres brachte Kaufmann, Papierfabrikant in Arnau in Böhmen, die Sache wieder in Anregung, indem er bekannt machte, daß er Saugapparate für den Preis von 250 Thlrn. liefere, ein Preis der freilich die wahren Herstellungskosten um das 3- bis 4fache übersteigt.

Wir wollen nun zur nähern Beschreibung des Apparats übergehen: Fig. 1 gibt uns die obere Ansicht, Fig. 5 die Seitenansicht, Fig. 2 einen Längendurchschnitt, und Fig. 3 und 4 sind Querdurchschnitte nach ef und cd. Der hölzerne Kasten A, B, C, D, durch die Schraubenbolzen L zusammengehalten, ist derselbe wie oben bei der Luftpumpe beschrieben wurde. Seine oberen Kanten sind, damit das Drahttuch sich luftdicht auflegen kann, mit Leder belegt. Der Doppelboden O theilt den Kasten in zwei Abtheilungen, die durch die Oeffnung H in der Mitte in Verbindung stehen. Aus dem untern Raume kommt seitwärts das kupferne Rohr S, das in senkrechter Richtung 4 bis 4 1/2 Fuß nach unten geht und etwa in der Mitte der Länge einen Hahn V besitzt; das Rohr ist unten offen und man thut gut es 1 bis 2 Zoll tief in ein Gefäß mit Wasser eintauchen zu lassen.

Die Arbeit mit dem Apparat ist nun folgende: Ehe die Papiermaschine selbst in Gang gesetzt wird, muß der Kasten wenigstens bis über dem Doppelboden direct mit Wasser gefüllt werden, wobei natürlich der Hahn V zunächst geschlossen bleibt, oder man läßt eine kurze Zeit lang das Drahtsieb mit dem nassen Papierstoff darübergehen, wodurch das Rohr über V und dann der untere Raum sich von selbst durch das abtropfende Wasser füllen. Jetzt öffnet man den Hahn V, und das Wasser hat vermöge seiner Schwere das Bestreben auszufließen, kann aber, da oben der Kasten durch das Drahtsieb, dessen Poren durch die Papiermasse zugedeckt sind, luftdicht verschlossen ist, nur so lange fließen, bis die darin befindliche Luft eine solche Verdünnung erfahren hat, daß sie mit der daran hängenden Wassersäule von 4 Fuß (wenn wir eine solche Länge des Rohrs S annehmen) dem äußern Atmosphärendrucke, der doch am untern offenen Ende des Rohrs wirkt, das Gleichgewicht hält. Da nun die atmosphärische Luft einer Wassersäule von circa 32 Fuß das Gleichgewicht hält, so würde also die im Kasten sich befindende Luft eine Verminderung |28| von 4/32 oder 1/8 ihres früheren Drucks erfahren, d.h. die äußere Luft drückt jetzt mit circa 15/8 = 1 7/8 Pfund Ueberdruck pro Quadratzoll auf das Drahtsieb. Das durch diesen ganz constant wirkenden Druck aus dem Papierstoff ausgepreßte Wasser tropft nun zu dem im Kasten schon befindlichen fortwährend dazu, ohne dessen Stand zu verändern, indem nämlich unten durch das Rohr S die dem Zufluß von oben entsprechende Menge unaufhörlich abfließt. Damit aber nicht, wie es sonst allerdings vorkommen kann, durch das Rohr S Luftblasen nach oben in den Kasten aufsteigen, ist es gut, wie schon oben bemerkt, das Rohr stumpf in ein Gefäß mit Wasser eben nur eintauchen zu lassen.

Eine kleine Schwierigkeit bietet nur noch der luftdichte Abschluß von oben durch das darüber weglaufende Drahttuch. Da dasselbe in seiner Längenrichtung eine gewisse Spannung hat, so ist ein Eindringen der Luft an den Kanten A, D und B, C nicht zu befürchten, wohl aber an den beiden schmalen Seiten A, B und D, C, da das Drahtsieb in seiner Querrichtung nicht gut gespannt werden kann, daher hier, besonders wenn es längere Zeit im Gebrauch gewesen ist, leicht kleine Bauchungen macht und so der Luft darunter den Eintritt gestattet. Diesem Uebelstande ist bei unserm Apparat auf sehr einfache Weise abgeholfen. Das Drahttuch liegt an den Seiten nicht auf den Kanten A, B und D, C, sondern auf den beiden ebenfalls und in gleicher Höhe mit Leder überzogenen Kanten E auf, so daß an beiden Seiten des Kastens besondere Abtheilungen G gebildet werden, die mit dem Innern des Kastens in gar keiner Communication stehen. In diese Abtheilungen fließt nun fortwährend aus den Röhren R durch die Trichter T Wasser, so daß sie davon überlaufen. Dadurch sind dann die etwa durch Bauchungen im Drahtsieb entstehenden Undichtheiten an den Seiten beständig durch Wasser abgeschlossen, und es kann nur eine verhältnißmäßig sehr geringe Menge Wasser, aber keine Luft, unter das Sieb in den Kasten gelangen, das dann unten durch S wieder abfließt.

Die beiden Zwischenwände E lassen sich einander nähern und von einander entfernen, was nöthig ist, weil man bei den verschiedenen Formaten des Papiers in seiner Breite häufig variiren muß. Dazu sind in den Zwischenwänden E starke messingene Schraubenmuttern M eingesetzt, so daß man durch Umdrehen der ebenfalls messingenen Schraubenspindeln F von außen mittelst eines Schraubenschlüssels diese Zwischenwände, die sonst möglichst dicht an den Hauptkasten schließen müssen, vor- und rückwärts bewegen kann. Hiebei vorkommende Undichtheiten werden ebenfalls durch das in den Abtheilungen G sich befindende Wasser fortwährend ohne erheblichen Einfluß auf die Luftverdünnung ausgeglichen. –

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Die beigegebenen Zeichnungen sind in allen Dimensionen genau nach einem Apparat ausgeführt der seit längerer Zeit in einer Papierfabrik im Gange ist, und von dessen vorzüglicher Leistung wir uns vielfach überzeugt haben. Wir können daher diesen Saugapparat allen Papierfabrikanten, die einen solchen nach den hier gegebenen Notizen leicht sich selbst anfertigen können, nur bestens empfehlen.

Otto Krieg, Techniker.

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Die Luftpumpe einer Papiermaschine, mit der wir Gelegenheit hatten, Versuche anzustellen, sog bei einer mittlern Stärke des Papiers und einer Geschwindigkeit desselben von 6 Zoll pro Secunde, 30 Pfd. Wasser in der Minute aus dem Papier.

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