Titel: Ueber die Explosion einer Trockentrommel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148, Nr. LXXI. (S. 332–334)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/ar148071

LXXI. Ueber die Explosion einer Trockentrommel in der Zeugdruckerei von Fries-Reber zu Kingersheim bei Mülhausen (Elsaß).

Aus den Annales des Mines, 1857, Bd. XI S. 654.

Der Berichterstatter begab sich am Tage nach der Explosion Morgens in die Fabrik. Der Apparat besteht aus einer horizontalen Trommel von Kupferblech, welches auf der Außenseite verzinnt ist; die zwei kreisrunden Böden an beiden Seiten derselben bestehen aus Eisenblech und haben in der Mitte gußeiserne Theile; beide Böden sind durch neun cylindrische, schmiedeiserne Zugstangen miteinander verbunden. – Die Dimensionen der Trommel sind folgende:

Länge 1,10 Meter
Durchmesser 1,18 Meter
räumlicher Inhalt 1,202 Kubikm.
Dicke des Kupferblechs der Trommel 3 Millimet.
Dicke des Eisenblechs der Böden 11 Millimet.
Durchmesser der eisernen Zugstangen 21 Millimet.

Die cylindrische Wand der Trommel bestand aus einer einzigen Kupferblechtafel, deren beide Enden durch Hartloth verbunden wurden, welches auf der inneren (concaven) Seite des Cylinders angebracht war. Diese Trommel war mit den eisenblechernen Böden mittelst eiserner Winkelkränze durch kleine kupferne Niete verbunden; die Kränze selbst waren an den Böden mittelst Bolzen befestigt.

Die Trommel wird an ihren Enden von hohlen Stücken getragen, welche den Dampf durchlassen, und man ertheilt ihr während ihrer Benutzung eine rotirende Bewegung um ihre Achse, mit einer Geschwindigkeit von zwei bis drei Umgängen in der Minute. Diese Bewegung wird ihr durch zwei Zahnräder gegeben, welche an der Seite, wo der Dampf einströmt, angebracht sind.

Der Kessel, welcher diesem Apparat den Dampf liefert, ist für eine Spannung von 5 1/2 Atmosphären gestempelt und wird gewöhnlich nur mit 5 Atmosphären betrieben. Nach der Erklärung des Heizers zeigte der Manometer letztern Druck im Augenblick des Unfalles an.

Der Dampf wird der Trommel durch eine Röhre von 0,031 Met. Durchmesser zugeführt und diese ist vor ihrem Eintritt in den Cylinder |333| mit einem Hahn versehen und mit einem Arm, auf welchem ein kleines Sicherheitsventil von nachstehenden Dimensionen angebracht ist:

Durchmesser 2 Centimeter
Breite der Contactszone 1 Millimeter
Verhältniß der Hebelarme 44/282 = 0,156
Gewicht des Ventils 0,125 Kilogr.
Druck auf dieses Ventil durch das Gewicht des Hebels 1,1 Kilogr.

Das an das Ende des Ventilhebels angehängte Gewicht beträgt 0,9 Kilogr. und entspricht 3,15 Atmosphären.

Die Röhre, durch welche der Dampf aus dem entgegengesetzten Boden der Trommel ausströmt, hat 0,020 Met. Durchmesser; sie ist mit keinem Hahn versehen und läuft in einen Brunnen aus, der 20 Met. von der Trommel entfernt liegt. Ich habe mich überzeugt daß diese Röhre nicht verstopft war, denn als ich vom Cylinderboden aus Wasser in sie goß, lief dieses in den Brunnen hinab.

Die Benutzung der Trommel, welche im Jahr 1850 construirt wurde, war durch einen Erlaß des Präfecten gestattet, sie war aber weder geprüft noch gestempelt worden. Nach jenem Erlaß sollte das Sicherheitsventil, womit die Eintrittsröhre versehen ist, nur mit einem 1 1/2 Atmosphären entsprechenden Gewicht belastet worden seyn.

Die Explosion fand am 9. Sept. 1856 um 8 Uhr Morgens statt; die Trommel war in Ruhe, die Arbeiter waren aber im Begriff, sie in Betrieb zu setzen. Der Riß war 0,54 Met. lang und erfolgte in der Querrichtung durch die Mitte der Löthung, welche sich zur Zeit der Explosion ziemlich zu oberst befand. Die zwei getrennten Theile wurden in umgekehrter Richtung von ihrer ursprünglichen Krümmung, an beiden Seiten der Trommel umgebogen und mit Heftigkeit weggeschleudert, bis ihre Enden den Boden erreichten.

Der Riß hat offenbar bei der Löthung begonnen; das Kupferblech war daselbst sehr dünn und stellenweise oxydirt; der Bruch war auf einer Länge von 0,065 Met. ganz schwarz und zeigte einige Grünspanflecken.

Die beiden zurückgeschlagenen Theile der Kupferblechtafel wurden mit solcher Heftigkeit fortgeschleudert, daß sie auf der einen Seite: 1) einen Ventilator, der aus zwei hölzernen Flügeln, die in einem quadratischen Stück Eisen von 0,020 Met. Seite steckten, und 2) eine hölzerne Traverse von 0,167 Met. Höhe und 0,16 Met. Breite zerbrachen. Auf der andern Seite zerbrachen sie eine gußeiserne Breitmachungs-Vorrichtung, deren runde, ebenfalls gußeiserne Achse 0,035 Met. im Durchmesser hatte.

|334|

Es wurden die Fensterscheiben nicht allein des Raumes, in welchem der Apparat aufgestellt war, sondern auch die Fenster mehrerer benachbarten Zimmer und selbst diejenigen in einem andern Gebäude zerbrochen.

Die bei dem Apparat beschäftigten zwei Arbeiter befanden sich glücklicher Weise im Augenblick der Explosion hinter der Trommel und nicht, wie gewöhnlich, wenn sie im Betriebe steht, vor ihr; der eine von ihnen, ein Knabe, wurde von dem Luftdruck umgeworfen und erlitt durch den Fall schwache Contusionen am Kopf, während der andere ganz unverletzt blieb.

Nach Angabe dieser Arbeiter hat sich das, an dem Dampfeintrittsrohr angebrachte Sicherheitsventil, kurze Zeit vor dem Unfall gehoben.

Dürrbach, Grubendirector.

Die Centralcommission für Ueberwachung der Dampfmaschinen in Paris, bestehend aus einer Reihe namhafter Berg- und Bauingenieure, bemerkt zu obigem Bericht Folgendes:

„Diese Explosion beweist neuerdings den Irrthum mancher Fabrikanten, welche glauben daß eine Dampfausströmungsröhre, oft von beschränktem Durchmesser, welche sich leicht mehr oder weniger verstopfen kann, stets genüge, um zu verhindern daß im Innern eines geschlossenen Raumes ein mehr oder weniger beträchtlicher Druck entsteht. Der Querschnitt einer solchen Röhre muß weit weniger der Größe des zu erhitzenden Apparates, als der Größe des diesen speisenden Dampfkessels angemessen seyn.“

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