Titel: Ueber das Bleichen der Knochen für Drechsler und Beinarbeiter; von Hrn. Hedinger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 7 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi01_7
|80|

Ueber das Bleichen der Knochen für Drechsler und Beinarbeiter; von Hrn. Hedinger.

Folgendes Verfahren des Knochenbleichens, welches in Frankreich angewandt wird, wird zuverlässig bessere Dienste thun, als die von Charlatanen gegenwärtig mannichfach ausgebotenen Geheimmittel.

Der Knochen wird in fettem (rohem) Zustande so weit verarbeitet, daß die Waare bis zum Schleifen und Poliren fertig ist, hierauf in eine mit Terpenthin gefüllte blecherne gut verschlossene Kapsel etwa 10 Stunden lang gelegt; nach diesem wird der Terpenthin abgegossen, die Waare in einem irdenen oder kupfernen Topf mit Wasser und ein wenig Schmierseife (grüner Seife) drei Stunden lang abgekocht, wobei sich die fetten und unreinen Knochentheile oben ansammeln und recht sorgfältig abgeschöpft werden müssen. Zuletzt wird das heiße Wasser nach und nach durch kaltes abgekühlt und die Waare auf einem Bret, das jedoch nicht aus Eichenholz geschnitten seyn darf, getrocknet; sie darf aber der Sonne nicht ausgesetzt werden, weil das Bein sonst Risse bekommt und unbrauchbar wird. In wenigen Stunden darauf kann das Bein geschliffen und polirt, d.h. vollends fertig gemacht werden.

Eine zweite, jedoch complicirtere Manier, wobei das Bein sehr schön weiß wird, ist folgende:

Auf 1 Pfund Potasche werden in einen eisernen Topf 20 Pfd. Regenwasser gegossen; dieses wird gekocht, und dann im Kochen eine Kalkmilch, welche aus 1/2 Pfd. frisch gebranntem Kalk nebst Wasser bereitet wird, nach und nach darunter gerührt. Die Flüssigkeit wird eine Viertelstunde kochen gelassen und alsdann, nachdem sich die Masse gesetzt, in Flaschen gefüllt, gepfropft und aufbewahrt.

Alsdann wird der Knochen in 1 Theil der obigen Beize und 5 Theilen Wasser 2–3 Stunden gekocht, dann noch in reinem Wasser gekocht, nachher in kaltem Wasser nach und nach abgekühlt, getrocknet etc. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1858 Nr. 10.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: