Titel: Ueber Veränderung des Stabeisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 3 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi02_3

Ueber Veränderung des Stabeisens.

Bekannt ist das Krystallinischwerden des zähen faserigen Stabeisens unter dem Einfluß von Vibration und Torsion oder beiden zugleich, wie bei Mühleisen, Eisenbahnwagenachsen und dergleichen. Weniger bekannt dürfte dieselbe Erscheinung unter folgenden Umständen seyn.

Bei dem Umbau eines etwa sechzig Jahre alten Gutofens in der Porzellanfabrik in Nymphenburg mußten die Reifen der schmiedeisernen Rüstung, die aus je 3 Theilen bestehen, auf den größern Durchmesser des neu zu errichtenden Ofens |158| aufgebogen werden. Beim Abfahren der Reife nach der Schmiede fiel ein Stück vom Handwagen auf den Rasen des Hofes und – zerbrach. Dieser auffallende Umstand veranlaßte nähere Untersuchung und es fand sich der ganze Bestand des Schmiedeisens der Ofenrüstung durch und durch in krystallinisches Eisen verwandelt. Das Eisen der Reife, 1 1/2zölliges Flacheisen, sowie der aufrecht stehenden Rüststäbe sprang bei jedem Hammerschlag mit einem rein blättrigen Bruch ohne Fasern und Haken.

Der Dienst der Gutöfen enthält nun zweierlei Umstände, die man als Erklärung dieses auffallenden Phänomens brauchen kann, nämlich die Erwärmung des Eisens, dann die Dehnung. Bei jedem Brand hat die Ofenrüstung einen Temperaturintervall von etwa 20° R., d.h. von der gewöhnlichen Lufttemperatur bis auf 30 bis 40° R. zu durchlaufen; bei der Dicke der Ofenränder von 3' ist die Dauer des Brandes nämlich nicht hinreichend, um der Oberfläche mehr Wärme zuzuführen. Es hat wenig Wahrscheinlichkeit, daß diese unbedeutende Temperaturoscillation, aber um so mehr, daß die Dehnung die Ursache ist. Man spannt nämlich (mittelst Schraube oder Keil) den Reif vor dem Brande so, daß er gerade leicht anliegt; während des Brandes dehnt sich der Ofen fühlbar aus und spannt den Reif so straff, daß man dieses schon am Ton beim Anschlagen, mehr noch an den Stellschrauben (oder Keilen) oder gar am Springen einzelner Theile erkennt. Nach dem Erkalten des Ofens zieht sich alles wieder auf den vorigen Stand zusammen. Ein 60jähriger Ofen hat ungefähr 3000 Brände erlebt und hat sich folglich jene Abwechslung von Spannung und Abspannung 3000mal wiederholt, was die Umwandlung erklärlicher scheinen läßt. K. (Bayerisches Kunst- und Gewerbeblatt, 1858 S. 185.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: