Titel: Ueber den Anbau des Sorgho oder der Zuckermoorhirse (Holcus saccharatus).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 5 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi02_5

Ueber den Anbau des Sorgho oder der Zuckermoorhirse (Holcus saccharatus).

Ich möchte die von mir gemachten Versuche über den Anbau dieser Pflanze um so weniger der Oeffentlichkeit vorenthalten, als der kommende Jahrgang, wo voraussichtlich ein Ausfall der Kleefelder zu befürchten ist und die Wicken zur Saat theuer zu stehen kommen, zu ihrer Verbreitung viel beitragen wird. Durch die Güte |159| des Frhrn. v. Luck, welcher den Anbau der Moorhirse mit bestem Erfolg auf dem Lautenbacher Hof betreiben läßt, kam ich in den Besitz von 3 Pfd. Samen, womit ich einen Morgen auf folgende Art ansäete:

In Reihen von 1 1/2 Fuß Entfernung wurden die Körner in denselben von 1–3 Zoll Entfernung gelegt und auf gleiche Art, wie der Futtermais, mit einmaligem Behacken während der Vegetationszeit gepflegt. Der größere Theil der bebauten Fläche schien mir. da die Pflanzen sehr schwach aufgingen und noch durch einen Nachtfrost gelb wurden, zum Stehenlassen zu unvollkommen, weßhalb ich sie voreiliger Weise unterpflügen ließ. Somit blieben mir nur noch 30 Ruthen als Versuch stehen. Von Anfang August entwickelte sich diese Pflanze so rasch, daß sie bis Ende August eine Höhe von 10–12 Fuß erreichte und das Feld geschlossen wurde, daß kein Auge im Stande war, durch den 15 Fuß breiten Streifen durchzusehen. Ich ließ mit September alle Stengel, bei denen der Samenansatz noch nicht vollkommen entwickelt war, herausschneiden, womit ich 26 Kühe einen Tag lang füttern konnte. Die stehengebliebenen Stengel reiften bis Ende October vollkommen aus und gaben 40 Pfd. schönen Samen. Die ausgekämmten Samenrispen liefern sehr schönes Material zu Zimmerbesen und Teppichbürsten. Mir ist keine Pflanze bekannt, die gleich hohen Futterertrag liefert, wozu noch die bei Zeit abgeschnittenen Stengel wieder ausschlugen und bis Ende October dichter als beim ersten Stand auf eine Höhe von 1 1/2–2 Fuß sich stellten. Der Futterwerth ist gleich dem des Futtermaises anzuschlagen. Da nur 3 Pfd. Same per Morgen nöthig sind42) und das Pfund nur 36 kr. kostet, so ist der Samenaufwand nicht hoch anzuschlagen. Berkheimer Hof, 26. Febr. 1858. C. Lempp. (Württemberg. Wochenblatt für Land- und Forstwissenschaft, März 1858, Nr. 10.)

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Nach einer Bekanntmachung der kgl. Instituts-Kanzlei in Hohenheim sind auf einen württembergischen Morgen bei breitwürfiger Saat 1 1/2 Simri Same erforderlich, bei 1 Fuß weiter Reihensaat 1 Simri. Sie empfiehlt den Anbau dieser Futterpflanze insbesondere zum Ersatz für mißrathene Kleefelder für die milderen Gegenden des Landes und auf wärmerem Boden. A. d. Red.

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