Titel: Cultur des Sorgho (Holcus saccharatus) in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 6 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi02_6

Cultur des Sorgho (Holcus saccharatus) in Frankreich.

Der Sorgho oder die Zuckerhirse wurde in Frankreich in der Absicht eingeführt, durch die Cultur desselben Zuckerstoff und folglich Alkohol zu gewinnen. Gegenwärtig werden zahlreiche Versuche gemacht, diese Pflanze im Großen anzubauen. Wegen der Vortheile, die sie gewährt, verdient sie aber auch eine Stelle in der kleinen Landwirthschaft, und um dieses Ziel zu erreichen, macht die Acclimatisirungs-Gesellschaft zu Paris die dankenswerthesten Anstrengungen.

Eines der thätigsten Mitglieder dieser Gesellschaft, Hr. v. Lacoste, hat im October 1856 einen kurzen Aufsatz über die schätzbaren Eigenschaften des Sorgho veröffentlicht, und den Anbau dieser Pflanze den kleinen Landwirthen empfohlen. Mit den Blättern, welche Stengel von 4 bis 6 Fuß Höhe reichlich erzeugen, kann man einen zahlreichen Viehstand ernähren. Ihr Same dient als Futter für das Geflügel; er ersetzt vortheilhaft die Gerste für die Pferde und bezahlt für sich allein die Anbaukosten. Mit dem Mehl, welches der Same liefert, bereitet man gesunde und zarte Speisen für den Menschen. Aus dem Stengel, dem Haupttheil der Pflanze, zieht man einen zuckerhaltigen Saft, mit welchem man Syrup, Branntwein und Essig, am vortheilhaftesten aber Alkohol und Zucker erhalten kann.

Hr. v. Lacoste theilt in dem erwähnten Aufsatz ein sehr einfaches Verfahren mit, wornach die Landwirthe aus den Stengeln des Sorgho Syrup darstellen können. Er sagt: „Wenn die Stengel reis sind, wenn nämlich der Same von Dunkelgelb in Roth übergeht, das Zeichen der vollständigen Zeitigung der Pflanze, schreitet man zur Ernte. Man schneidet dann die Stengel stückweise in Scheiben, welche man mit einer Quantität Wasser in einen Kessel gibt, den man auf ein sehr lebhaftes Feuer stellt; man läßt lange Zeit kochen, bis man eine Art Muß oder Brei erhalten hat. Hierauf nimmt man den Kessel vom Feuer, um den Saft auszupressen |160| und den Rückstand bei Seite zu stellen: man bringt dann den Saft wieder auf das Feuer. Während des Verkochens reinigt man den Saft, indem man zeitweise Kalkwasser in den Kessel schüttet; man kann aber auch gebrannten Kalk als Pulver anwenden: 330 Gramme (11 Unzen) reichen hin, um 50 Kilogr. Saft zu sättigen. Endlich klärt man den Saft mit Eiweiß. Den so behandelten Saft gießt man in irdene Schüsseln, die man wo möglich an einen Ort stellt, welcher weder der Feuchtigkeit noch der Wärme ausgesetzt ist.“ Den Rückstand von dieser Behandlung der Stengel, welcher noch viel Zuckerstoff enthält, benutzt man entweder als Viehfutter, oder läßt ihn zu Branntweinmaische vergähren. (L'Année scientifique et industrielle par Louis Figuier, Paris 1857, p. 424.)

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