Titel: Cultur des Sorgho zur Zuckergewinnung in den Vereinigten Staaten Nordamerika's.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 7 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi02_7

Cultur des Sorgho zur Zuckergewinnung in den Vereinigten Staaten Nordamerika's.

Unter den Pflanzen welche man zur Zuckergewinnung benutzt, spielt gegenwärtig in den Vereinigten Staaten Nordamerika's der Sorgho oder das chinesische Zuckerrohr (sorghum saccharatum) eine ähnliche Rolle wie sie bei uns die Runkelrübe spielt. Man hat von diesem Rohr bis jetzt solche Ergebnisse erzielt, daß man es bereits an allen Punkten der Vereinigten Staaten, im Norden wie im Süden, als eines der kostbarsten Ackerbau-Erzeugnisse betrachtet. Es sind bereits über 100,000 Acker Land der Cultur dieses neuen Zuckerrohrs gewidmet. In Pennsylvanien beschäftigt sich die Mehrzahl der Landbesitzer mit der Bereitung des Syrups aus dem Safte desselben, um den Zucker zu ersetzen, den sie bisher auf dem Wege des Handels von dem Süden bezogen. Dem Gutsbesitzer gewährt die Cultur dieses Rohres auch noch den Vortheil, daß er damit ein eben so treffliches als reichliches Futter für sein Vieh gewinnt. Die Einführung dieser Pflanze in den Vereinigten Staaten und die Leichtigkeit ihrer Cultur hatte schon längst die Hoffnung angeregt, es werde möglich seyn aus ihrem Saft auch Zucker zu bereiten, aber die darauf abzielenden Versuche schlugen lange Zeit fehl, und führten zu der allgemeinen Meinung, der Saft des Sorgholasse sich nicht krystallisiren. Das Problem ist indeß so eben in Philadelphia durch einen gewissen Lovering gelöst worden. Der von ihm gewonnene Zucker ist eben so gut und eben so schön als der gewöhnliche Rohrzucker. Am Schlusse des Berichts, welchen Lovering über die Ergebnisse seiner mannichfaltigen Versuche veröffentlicht hat, macht er den Erfolg von folgenden Bedingungen abhängig: 1) Es ist nur der höchste Grad der Entwicklung des Zuckersaftes in dem Rohre, welcher zur Fabrication des Zuckers sich eignet. Dieser Punkt tritt ein, wenn der größte Theil der Körner zur vollen Reife gelangt ist und einige Fröste darüber hingegangen sind; 2) der Frost schadet weder dem Saft noch dem Zuckergehalte desselben, aber starke Hitze nach demselben ist ihm schädlich und mindert ihn an Qualität und Quantität, 3) wenn das Rohr in seiner besten Beschaffenheit geschnitten worden ist, muß es eingescheuert oder auf dem Feld in Haufen gestellt werden. So erhält es sich lange Zeit in der Qualität, die es beim Schnitt hatte; 4) wenn der Saft ausgezogen ist, muß die weitere Behandlung desselben unverzüglich und ohne Absätze folgen; 5) die Klärung muß, in dem Augenblick wo die Dichtigkeit 15 Grad der Syrupwaage von Baumé erreicht, so vollkommen als möglich seyn; 6) außer Eiweiß eignet sich auch Ochsenblut dazu, selbst bloße Kalkmilch reicht dazu hin; in dem letzteren Fall ist jedoch ein beständigeres und längeres Schäumen nöthig, um die so wichtige vollkommene Klärung herbeizuführen; 7) die auf die Klärung folgende Concentration muß so schnell als möglich geschehen. Man bedient sich dazu am besten eines flachen Verdampfungsapparates. Der Sorgho hat sich auch bereits in einem großen Theil des mittägigen Frankreichs eingebürgert. Man verwendet daselbst die Körner zur Branntweinbereitung. Erst kürzlich hat sich für diesen Zweck zu Toulouse eine Aktiengesellschaft gebildet, welche von der Gründung von Sorgho-Brennereien reichen Gewinn erwartet. (Pr. Corr.)

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