Titel: Ueber eine Abänderung in der Construction des Fortepiano.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 1 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi03_1

Ueber eine Abänderung in der Construction des Fortepiano.

Hr. La-Prevotte, welcher für einen der geschicktesten Instrumentenmacher in Paris gehalten wird, hat der französischen Akademie der Wissenschaften eine vortheilhafte Abänderung in der Construction der Fortepianos mitgetheilt, auf welche er durch die Vergleichung dieser Instrumente mit der Violine geführt worden ist. Durch eine große Anzahl von Versuchen, bemerkt derselbe, habe er erkannt, daß die Violine unter allen Saiteninstrumenten in jeder Beziehung das vollkommenste |234| sey, denn es sey das einzige, welches sich durch das Gespieltwerden mit dem Alter verbessere, und zwar deßhalb, weil kein vibrirender Theil mit den andern im Gegensatz sey und die Resonanz der Töne frei erfolge. Bei der Violine habe nämlich die Leiste des Resonanzbodens (barre d'harmonie) dieselbe Richtung, wie die Holzfasern des Resonanzbodens, und wie die Saiten; bei den Pianos dagegen, wo die Saiten auf einem Rahmen aufgespannt sind und unter diesem der Resonanzboden festgeleimt ist, sey die Richtung der Fasern dieses letztern im Gegensatz zu der Richtung der Saiten, und die acht Querleisten desselben wieder im Gegensatz zu den Holzfasern des Resonanzbodens, und dann noch dieser selbst im Mißverhältniß mit der Länge der Saiten.

Diesen Bemerkungen gemäß ersetzt Hr. La-Prevotte den Rahmen der Pianos durch einen Tonkörper, d. i. durch einen vollen Boden von 16 Centimeter Dicke, welcher sich durch das ganze Piano erstreckt und im Innern wie die Violine zu einem Gewölbe von 8 Centim. Höhe ausgehöhlt ist; dieses Gewölbe ist mit dem Resonanzboden so verbunden, daß von diesem jeder Saite die der Höhe ihres Tones entsprechende Länge zukommt. Der Resonanzboden ist eben und liegt 8 Centim. (?) über dem Mittelpunkte des Gewölbes im Tonkörper; er ist durch vierzehn Leisten (darres d'harmonie) verstärkt und diese stehen mit den Fasern der Tafel, auf welcher der Steg ruht, in Verbindung, so daß alle miteinander schwingen und auch den Resonanzboden in stärkere Schwingung versetzen.

Aus dieser Construction (welche übrigens zur Nachahmung nicht deutlich genug erklärt seyn dürfte) meint Hr. La-Prevotte ergäbe sich, daß die Piano mit Tonkörper alle Vorzüge der Violine in Betreff der Klangfülle, Stärke und Gleichheit der Töne erreichen werden. (Comptes rendus, April 1858, Nr. 15.)

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