Titel: Ueber Aufbewahrung von Eis.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 10 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi03_10
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Ueber Aufbewahrung von Eis.

Hr. Bierbrauer Michael hat über eine von ihm vor einem Jahr erbaute Eisgrube dem württembergischen Gewerbeverein folgende Mittheilung gemacht:

Das Gebäude steht 2 Fuß über dem Boden auf 6 Steinen. Die äußeren Wandungen sind von Fachwerk mit Sandstein ausgeriegelt, und soweit sie zu nah an den andern Gebäuden stehen 1 1/2 Zoll vorgemauert. Zwischen den äußern Wandungen und den Wandungen der Eisgrube selbst befindet sich ein Zwischenraum von 2 1/2 Fuß ringsum, der durchaus mit Spreu angefüllt ist. Die innere Wandung besteht aus 1 1/2 Zoll dicken eichenen Diehlen, die auf 4 Eckpfeilern und einigem anderem Fachwerk fest aufgenagelt und da wo sie zusammenstoßen, derart zusammengefügt sind, daß sie ungefähr 1 Zoll übereinander gehen, beziehungsweise dazu spitz zugehobelt sind. Der Boden auf dem Grund besteht aus 3zölligen eichenen Diehlen, welche aufs Genaueste zusammengefügt und geschraubt sind, damit sie wasserdicht werden und die unter dem Boden ebenfalls befindliche Spreu nicht der Gefahr des Naßwerdens ausgesetzt ist. Die Decke ist aus wohl zusammenpassenden Bretern gebildet, und ebenfalls 2 1/2 Schuh hoch mit Spreu belegt, so daß die ganze Grube mit Spreu umgeben ist. Oben auf der Decke ist eine Oeffnung angebracht zur Einbringung des Eises und zum Einsteigen; diese Oeffnung ist mit einer Thüre und dann noch mit einem Spreusack oder mit Strohbändern verschlossen.

Während auf dem Grund der Grube zwei Mann zu gleichmäßiger Auflagerung des Eises aufgestellt sind, wird dasselbe in kleineren Stücken etwa eine Faust groß zur Oeffnung oben hereingeworfen und auf dem Grund dann ungefähr 1/2 Schuh hoch zu ganz kleinen Bröckelchen verkleinert und ausgebreitet.

Nun werden 1–2 Gießkannen voll Wasser auf dem ganzen Grund ausgegossen und wenn es geschehen, dann wird mit dem Einwerfen fortgefahren Nach jeder Schichte von ungefähr 1 Fuß kommen wieder 1–2 Gießkannen voll Wasser und so wird fortgemacht, bis die Grube voll ist. Jedenfalls muß es gerade so kalt seyn, daß das eingegossene Wasser sogleich gefriert.

Dadurch wird das Ganze eine Masse. Damit das Wasser, welches sich in der Grube etwa erzeugt, ablaufen kann, ist am Fuß der Grube eine Abflußrohre angebracht von ungefähr 1 1/2 Zoll im Durchmesser, in welche übrigens eine in der geringen Weite eines Strohhalms sich endende weitere Röhre gesteckt ist. So wenig es zulässig ist, daß sich Wasser darin ansammle, so wenig darf viel Raum zum Eindringen der Luft gelassen werden. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1858 Nr. 10.)

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