Titel: Oel aus Traubenkernen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 9 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi03_9

Oel aus Traubenkernen.

In Italien hat man schon seit längerer Zeit aus den Kernen, die beim Auspressen der Trauben in den Hülsen zurückbleiben, Oel geschlagen, dasselbe hat man auch bereits in der südlichen Schweiz, in Frankreich und einigen Gegenden Deutschlands mit Nutzen versucht.

Wo man feurige Weine baut, deren Trester auf Branntwein benutzt werden, ist kein anderes Mittel zur Absonderung der Kerne, als sie von Kindern auslesen zu lassen, wornach die Hülsen einen besseren Branntwein geben sollen, als mit den Kernen vereint; in anderen Fällen werden die Weintrester, so wie sie aus der Kelter kommen, auf einer Tenne oder auf großen Hürden ausgebreitet und täglich mit einer Gabel umgewendett, dann welken sie bald so weit ab, daß die Kämme mit einer Hacke hinweggenommen werden können, und sind die Hülsen hierauf noch besser getrocknet, so werden die Kerne in einer Kornschwinge von denselben getrennt. Kerne, die dennoch etwa in den Hülsen zurückbleiben, werden durch ein kurzes Dreschen leicht zu lösen seyn. Die auf diese Art gewonnenen Kerne werden auf einem luftigen Boden dünn ausgestreut und gut getrocknet, welches ein wesentliches Erforderniß zur Gewinnung eines guten Oels ist.

Die getrockneten Kerne werden entweder in eine gewöhnliche Mühle mit horizontal liegenden Steinen, oder in eine Oelmühle mit verticalen Läufern gebracht und fein gemahlen, wobei man von Zeit zu Zeit etwas warmes Wasser zusetzen muß, um das Anlegen an den Läufer zu verhindern. Das Gemahlene, welches um so ergiebiger an Oel ist, je feiner es ausfällt, wird in einen kupfernen Kessel gebracht, und nach und nach mit einem Viertheil oder Drittheil seines Gewichts warmen Wassers versetzt, wobei man durch Umrühren die Bildung von Klümpchen verhindern muß. Hierauf gibt man mäßiges Feuer unter den Kessel, und unterhält solches so lange, bis die Masse, zwischen den Fingern zerpreßt, etwas Oel von sich gibt. Hierbei muß man durch Umrühren und durch Achtsamkeit auf das Feuer jedes Anbrennen der Masse zu verhüten suchen, wenn man einen brenzlichen Geschmack des Oels vermeiden will.

Die so zubereitete Masse wird auf gewöhnliche Haartücher und mit diesen in die Oelpresse gebracht. Wenn kein Oel weiter herauskommt, so werden die Kuchen nochmals gemahlen und auf die beschriebene Art behandelt, worauf sie abermals einiges Oel geben. Auf diese Art kann man aus 100 Pfund Kernen 10, 12, ja selbst bis 20 Pfund Oel erhalten. Diese Verschiedenheit in der Menge des Oels scheint in den Traubenarten selbst zu liegen, und der Boden, auf welchem der Wein wächst, hierauf Einfluß zu haben. Genaue Erfahrungen sind über diesen Gegenstand noch nicht gemacht worden.

Das Traubenkernöl ist ein etwas dickflüssiges, goldgelbes oder bräunlichgelbes, ins Grüne gehendes Oel von schwachem eigenthümlichem Geruch und mildem Geschmack, und hat die Eigenschaft, dünn aufgestrichen, an der Luft bald auszutrocknen, weßhalb es vielleicht mit Nutzen in der Malerei oder zu Anstrichfarben verwendet werden könnte. Mit Schwefelsäure und Wasser läßt es sich auf die gewöhnliche Art raffiniren und erscheint dann Heller und klarer. In Lampen soll es sparsamer brennen als das Oel aus Kohl- oder Rübsamen. F. (Böttgers polytechn. Notizblatt, 1858 Nr. 5.)

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