Titel: Bralle's Verfahren, Hanf zu rösten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 10 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi04_10

Bralle's Verfahren, Hanf zu rösten.

Dieses seiner Zeit außerordentlich gerühmte Verfahren, welches wir dem 12. Bande des Magasin encyclopédique entnehmen, besteht in Folgendem. Man erhitzt Wasser bis auf 72 bis 75° R. und löst darin Schmierseife (grüne Seife) in dem Verhältniß zu den zu röstenden Hanfstengeln wie 1 : 48 auf. Die Quantität Wasser, welche man nöthig hat, beträgt 14 Theile auf 1 Theil Hanfstengel. Den Hanf bringt man in das genannte bis auf den bezeichneten Temperaturgrad erhitzte Seifenwasser, deckt das Gefäß, worin die Procedur vorgenommen wird, zu und läßt hierauf das Feuer ausgehen. Zweistündiges Verweilen in dem Seifenbade ist zur Röstung hinreichend. Dieses Rösten kann in demselben Bad viele Male hintereinander verrichtet werden, wenn man nur jedesmal die erforderliche Menge Seife hinzufügt und das Bad stets auf den angegebenen Grad erhitzt.

Wenn die Hanfbündel aus dem Bade kommen, bedeckt man sie mit einer Strohmatte, damit sie allmählich erkalten, ohne ihre Feuchtigkeit zu verlieren. Den folgen Tag breitet man die Bündel auf einer Tenne aus und schiebt die Bänder bis gegen die Spitze der Stengel zurück, hierauf läßt man mehreremale eine steinerne oder beschwerte hölzerne Walze darübergehen, um sie platt zu machen und die Faser vorzubereiten, sich leicht von den Scheben zu trennen, was vermittelst einer Flachsbreche geschieht und sowohl im feuchten wie im trocknen Zustande sehr gut erfolgt.

Der feucht gebrochene Hanf wird bündelweise an der Spitze zusammengebunden und diese Bündel dann auf einem Rasen ausgebreitet. Man wendet sie um und bringt sie nach 6 bis 7 Tagen ins Magazin. Auch der Hanf, den man trocken brechen will, muß, nachdem er gewalzt worden, auf den Rasen gelegt werden, dieß ist durchaus nothwendig, um die Faser zu bleichen und die Absonderung der Scheben zu erleichtern.

Diese hier gegebenen Vorschriften sind das Resultat einer großen Anzahl von Versuchen. Das Rösten erfolgt um so schneller, je näher das Seifenbad beim Eintauchen des Hanfes dem Siedepunkte war. Läßt man den Hanf länger als zwei Stunden rösten, so kann man die Hanffaser zwar ebenfalls noch sehr gut von den Scheben befreien, aber sie nimmt eine dunklere Farbe an und verliert etwas an ihrer Stärke. Bringt man den Hanf gleich anfangs in das noch kalte Seifenbad und erhitzt es zusammen bis auf den angegebenen Temperaturgrad, so geschieht das Rösten minder vollständig, wie stark man das Bad nachher auch erhitzen möge. Wenn man die Hanfbündel senkrecht in das Bad stellt, so erfolgt das Rösten gleichförmiger als bei waagrechter Schichtung.

Der Röstproceß kann übrigens sehr wohl auch in Fässern verrichtet werden, in welchen man den Hanf auf die angedeutete Weise zurecht legt und dann das siedende Seifenwasser hineinlaufen läßt. Auf solche Art erhitzt man ein neues Bad in einem besonderen Kessel, während man ein zweites und drittes Faß bereit macht, und so läßt sich diese Arbeit wechselweise mit Leichtigkeit ausführen.

Die beschriebene Methode hat den Vortheil, daß das Rösten in jeder Jahreszeit geschehen kann, daß man Zeit und selbst Kosten erspart, daß man mehr gehechelten Hanf erzielt, und daß dadurch endlich die Nachtheile verhindert werden, welche das Rösten auf die gewöhnliche Art durch Verderbniß der Luft und des Wassers auf Menschen und Thiere hervorbringt. F. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1858, Nr. 7.)

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