Titel: Nachträgliche Bemerkungen über mein neues Reagens auf Traubenzucker und Rohrzucker; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 6 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi04_6

Nachträgliche Bemerkungen über mein neues Reagens auf Traubenzucker und Rohrzucker; von Prof. Böttger.

Obwohl mir von den verschiedensten Seiten über die (im polytechn. Journal Bd. CXLIV S. 368 mitgetheilte) neue Zuckerprobe, bezüglich ihrer unverkennbaren Vorzüge, insbesondere bei der Auffindung und Nachweisung der geringsten Mengen von Zucker im Harn, vor allen anderen bis jetzt bekannt gewordenen qualitativen Zuckerproben, die schmeichelhaftesten Zuschriften zu Theil geworden sind, so hat sich doch seitdem auch eine Stimme gegen die unbedingte Zulassung dieser meiner neuen Zuckerprobe vernehmen lassen. Hr. Dr. Grischow theilt nämlich in Blei's Archiv der Pharmacie Bd. CXLI S. 281 mit, daß ihn bei der Untersuchung eines stark albuminhaltigen Harns meine Zuckerprobe im Stich gelassen habe, indem ein solcher, gleich einem zuckerhaltigen Harne, das von mir empfohlene basische Wismuthnitrat in ganz ähnlicher Weise afficire.

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Lassen wir einstweilen dahingestellt seyn, ob hier vielleicht der geringe Schwefelgehalt, ja selbst ein geringer Zuckergehalt in dem Albumin (nach Lehmann enthält das gewöhnliche normale Eiweiß 0,5 Proc. Krümelzucker) jenes von Dr. Grischow untersuchten Harns die von demselben beobachtete Schwärzung oder Braunfärbung des Wismuthsalzes zu Wege brachte, so sollte ich meinen, müßte die erwähnte scheinbar auffallende Reaction eher zu Gunsten meiner Zuckerprobe, als zu deren Nachtheil sprechen. Hätte Hr. Dr. Grischow, was doch so nahe lag, jenen Harn nur einige Minuten lang im Sieden erhalten, ihn dann von dem coagulirten Albumin abfiltrirt und nun meine Zuckerprobe darauf in Anwendung gebracht, so würde er sich überzeugt haben, daß sie auch selbst in Fällen, wo in einem Harn das Albumin vorwaltend ist, sich als völlig brauchbar erweist und nichts zu wünschen übrig läßt. (Jahresbericht des physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. für 1856–1857.)

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