Titel: Verfahren, in aus Wolle und Seide bestehenden Geweben die Menge der letzteren zu bestimmen; von Ch. Bareswil.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 8 (S. 318–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi04_8

Verfahren, in aus Wolle und Seide bestehenden Geweben die Menge der letzteren zu bestimmen; von Ch. Bareswil.

Der Verf. benutzt, um Wolle und Seide zu unterscheiden, seit mehreren Jahren die gewöhnliche, im Handel vorkommende Salpetersäure, welche, bei gewöhnlicher Temperatur mit diesen Faserstoffen in Berührung gebracht, die Seide rasch auflöst, die Wolle dagegen nicht angreift. Bis auf die letzte Zeit hatte man ein derartiges Verfahren für die Untersuchung von Geweben kaum nöthig, denn das bloße Ansehen genügte, die Gegenwart der Seide zu erkennen, und die Mengenbestimmung derselben erfolgte durch mechanische Absonderung der beiden Faserstoffe, von denen die Seide in dem Gewebe ausschließlich die Kette (als Florettseide) oder den Figurschuß bildete. Jetzt verfertigt man aber Gewebe, in denen Wolle und Seide so mit einander |319| gemischt sind, daß man sie nicht durch Auslesen von einander trennen und durch bloßes Ansehen ohne Hülfe des Mikroskops die Seide nicht zwischen der Wolle unterscheiden kann.

Wenn man es mit einem derartigen Gewebe, z.B. einem solchen, dessen Schuß aus Wolle und dessen Kette aus einer Mischung von Wolle und Florettseide besteht (was man durch das Mikroskop erkennen kann), zu thun hat, so sondert man die Kettenfäden von den Schußfäden ab und behandelt letztere nacheinander mit Salpetersäure, Wasser, Ammoniak und zuletzt wieder mit Wasser behufs des Waschens; diese Behandlung wird zweimal wiederholt, damit man der vollständigen Entfernung der löslichen Stoffe versichert sey. Man behandelt die Kettenfäden in derselben Weise, indem man alle Vorsicht anwendet, nichts davon zu verlieren, worauf man sowohl die Schußfäden als die Kettenfäden trocknet und wagt. Der Gewichtsverlust, den die Schußfäden erlitten haben, besteht aus Farbstoff, Appretür etc., der Gewichtsverlust der Kettenfäden außerdem aus der darin enthalten gewesenen Seide. Die Menge der letzteren erfährt man nun, indem man von dem Gewichtsverlust der Kettenfäden verhältnißmäßig so viel abzieht, als dem Gewichtsverlust der Schußfäden entspricht. Noch besser ist es, das Gewebe, bevor man es in Schuß und Kette zerlegt, durch Behandeln mit Wasser, schwacher Lauge, verdünnter Säure, Alkohol und Aether möglichst von fremdartigen Stoffen zu befreien. Das Trocknen kann man sehr beschleunigen, indem man die Fäden nach dem letzten Waschen mit Wasser ausdrückt und sie dann erst durch concentrirten Alkohol und darauf durch wasserfreien Aether hindurch nimmt, welcher an der Luft rasch verdunstet und die Fäden trocken zurück läßt.

Mittelst des hier beschriebenen Verfahrens und der Anwendung von Salzsäure kann man Gewebe aus Wolle. Seide und Baumwolle analysiren. Salpetersäure löst die Seide, Kali löst Wolle und Seide, Salzsäure löst die Baumwolle auf. Bekanntlich werden gegenwärtig wollene Lumpen zum Theil auf die Weise wieder verwerthet, daß man die Wollfasern aus einander trennt und wieder verspinnt und verwebt. (Die daraus verfertigten Gewebe nennt man tissus de renaissance. Die alten Wollfasern werden aber wohl gewöhnlich mit neuer Wolle vermischt.) Dabei kommt auch Behandeln mit heißer verdünnter Salzsäure in Anwendung, um die den Wollfasern etwa beigemischte Baumwolle zu zerstören, die beim Färben des Productes sich dadurch zu erkennen geben würde daß sie die Farbe nicht so gut annimmt, als die Wolle. Durch die Behandlung mit Salzsäure zerfällt die Baumwolle zu Pulver, welches nachher mechanisch entfernt wird, entweder durch Waschen mit Wasser, oder durch Ausklopfen im trockenen Zustande. (Journal de Pharmacie, August 1857, S. 123.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: