Titel: Ueber die Zerstörung von Baumwolle und Leinen in gemischten Wollenzeugen; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 9 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi04_9

Ueber die Zerstörung von Baumwolle und Leinen in gemischten Wollenzeugen; von Prof. Böttger.

Handelt es sich darum, Baumwolle und Leinen in alten abgetragenen gemischten Wollenstoffen, unbeschadet der Wolle (etwa behufs einer Benutzung der letztern zu sogenannter Kunstwolle), gänzlich zu zerstören, so zeigt sich hierzu die concentrirte Schwefelsäure im hohen Grad geeignet. Aus dem Verhalten derselben zur Baumwolle in Leinengeweben, bei der bekannten Leinwandprobe, war zu schließen, daß, da erfahrungsgemäß Schafwolle von concentrirter Schwefelsäure bei gewöhnlicher Temperatur nicht corrodirt wird, diese Säure ein brauchbares Mittel abgeben werde, den genannten Zweck zu erreichen. Dem ist in der That so. Ueberschüttet man zu dem Ende die gehörig sortirten wollenen, zum Theil mit Leinen und Baumwolle untermischten, völlig getrockneten Lumpen in einem bleiernen oder gußeisernen wohl zu bedeckenden Gefäße mit concentrirter Schwefelsäure in der Art, daß dieselben durch und durch von Säure imprägnirt erscheinen, und überläßt sie so beiläufig 10 bis 15 Minuten sich selbst, so findet man, daß alles Leinen und alle Baumwolle zerstört und in eine kleisterähnliche Masse verwandelt, dagegen die Wolle völlig erhalten ist. Preßt man nun von dem feuchten Magma die überflüssige Säure sorgfältig ab, wirft die etwas auseinander gerissene Masse sodann portionweise mittelst eines gabelförmig gestalteten Eisens in eine größere Menge kalten Wassers, wäscht sie darin, unter |320| jeweiligem Erneuern des Wassers, oberflächlich einigemal aus, und überschüttet sie dann schließlich noch mit einer verdünnten Lösung von Soda, so sieht man die Wolle, in Folge der hierbei tumultuarisch entweichenden Kohlensäure, sich lockern und zugleich in einen Zustand versetzt, in welchem sie sofort zu dem oben angedeuteten Zweck verarbeitet werden kann. (Jahresbericht des physikalischen Vereins zu Frankfurt a. M. für 1856–1857.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: