Titel: Die Hülfsmünze zur Prägung des Kupfergeldes zu Utrecht in Holland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 2 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi05_2

Die Hülfsmünze zur Prägung des Kupfergeldes zu Utrecht in Holland.

Nachdem die Umprägung des alten holländischen Silber- und Kupfergeldes, im Betrage von mehr als 153 Millionen Gulden, auf den aus der Werkstätte von Dietrich Uhlhorn zu Grevenbroich bei Köln a. Rh. gelieferten Prägmaschinen104) beendigt war, wurde derselben Werkstätte auch die Lieferung der Maschinen zum Prägen des für die niederländisch-ostindischen (Kolonien bestimmten Kupfergeldes übertragen und ihr hiezu im Juni 1855 16 sogenannte Guldenmaschinen und 8 sogenannte Thalermaschinen bestellt. Diese 24 Prägmaschinen sind zu Utrecht in der dortigen Hülfsmünze in Thätigkeit, welche nach beendigter Prägung des Kupfergeldes wieder abgebrochen werden wird. Wir sind durch Hrn. Heinrich Uhlhorn in Stand gesetzt, folgenden Bericht über diese Anstalt mitzutheilen:

Bericht über die Prägung des Kupfergeldes zu Utrecht in Holland.

Die Werkstätten der Hülfsmünze zum Prägen des Kupfergeldes für die niederländisch-ostindischen (Kolonien sind im Jahre 1855 gebaut worden, und haben die Arbeiten darin in den letzten Tagen des Monats December desselben Jahres angefangen.

Das Gebäude ist, da es nur eine einstweilige Bestimmung hat – mit Ausnahme der Werkstätten für die Verfertigung der Stempel und des Locals, worin sich der Dampfkessel befindet – aus Holz gebaut worden.

Die verschiedenen Magazine, Schreibstuben etc. haben 3 1/2 Meter und der Prägsaal 4 Meter Höhe.

Die Dampfmaschine von 15 Pferdekräften ist in der Mitte des Prägsaales aufgestellt und überträgt ihre Kraft vermittelst eines Riemens von 25 Centimeter Breite auf die Trommelachse.

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Diese Maschine setzt in Bewegung:

8 große Prägmaschinen (Thalermaschinen),
16 mittlere dito (Guldenmaschinen),
(aus den Werkstätten von Hrn. D. Uhlhorn zu Grevenbroich
bei Köln am Rhein, Rheinpreußen),
2 Drehbänke für die Reparatur-Werkstätte,
1 Bohrmaschine,
1 Hobelmaschine,
4 Drehbänke für die Stempelfabrication.

Die Prägmaschinen machen 65 bis 68 Umdrehungen per Minute, und diese Geschwindigkeit bietet keine Schwierigkeit dar, selbst nicht für die großen Pressen, welche eben so, wie die mittleren, 67 Stück von 31 Millimeter im Durchmesser per Minute prägen.

Der mit den Lieferanten der Platten abgeschlossene Contract sagt, daß durch sie geliefert werden müssen 2,910,000 Kilogramme Platten, wovon durchschnittlich 190 auf das Kilogramm gehen.

Es ist durch den Colonial-Minister festgestellt worden, daß man vorläufig prägen müsse:

Gewicht
80,000,000 Stück von 2 1/2 Cents, 31 Millimeter im Durchmesser 12,5 Gramme,
350,000,000 1 23 1/2 4,8
100,000,000 1/2 17 2,3

Durch von den Werkstätten der Münze unabhängige Umstände mußten die Arbeiten im Laufe des Jahres 1856 während fünf Monaten unterbrochen werden.

Das Prägen hat außerdem mit 10 Pressen angefangen, und erst seit dem Monate August 1857 sind alle 24 Prägmaschinen in Thätigkeit. Bis zum 1. April 1858 hatte man geprägt:

Stücke von 2 1/2 Cents 57,040,000,
„ „ 1 „ 230,000,000,
„ „ 1/2 „ 95,400,000,
––––––––––––––––
im Ganzen = 382,440,000 Stück.
Im Januar 1858 hat man geprägt 20,960,000 Stück,
„ Februar „ „ „ „ 21,040,000
„ März „ „ „ „ 23,680,000
––––––––––––––––
im Ganzen = 65,680,000 Stück.

Während dieser drei Monate ist 74 Tage gearbeitet worden, der Art, daß man im Durchschnitt jeden Tag während 11 1/2 stündiger Arbeit 890,000 Stück geprägt hat, was 37,000 Stück per Tag gibt, oder 3300 per Maschine und Stunde.

Eine Geschwindigkeit von 67 Stück per Minute angenommen, würde 4020 Stück per Stunde ergeben, macht einen Unterschied von nur 720 Stück zwischen dem berechneten Product und dem wirklichen, ein nach meiner Ansicht sehr vortheilhaftes Ergebniß, als Mittel von 74 Arbeitstagen, weil überhaupt der Zeitverlust zum Einsetzen der Stempel, Prägringe, und die Reparaturen sich auf beinahe ein Viertel beläuft, während er jetzt nur ein klein wenig mehr als ein Sechstel ist.

Es sind 24,681 Stempel verbraucht worden, gibt sehr nahe an 31,000 Stück für jedes Paar Stempel.

Utrecht, den 1. April 1858.

H. A. v. d. Wall Bake,
Münzmeister.

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Aus der Uhlhorn'schen Werkstätte sind bis jetzt 125 Prägmaschinen hervorgegangen. – In der allgemeinen deutschen Industrie-Ausstellung zu München im Jahr 1854 war von Heinrich Uhlhorn (Firma: Dietrich Uhlhorn) eine Kniehebelpresse zum Prägen von Doppelthalern in glattem Ringe, gangbar aufgestellt, über welche sich der Berichterstatter des betreffenden Ausschusses der Beurtheilungs-Commission, Hr. Dr. Jul. Hülße, folgendermaßen äußert: „In ihrer ganzen Einrichtung als ausschließlich deutsche Erfindung zu bezeichnen, hat diese Prägmaschine außer in den Münzstätten fast des ganzen Continentes auch im fernsten Auslands Geltung, und in England im Jahre 1851 die höchste Auszeichnung erlangt. Eben so sinnreich und zweckentsprechend als das Constructionsprincip im Allgemeinen, sind die einzelnen Einrichtungen zur Hemmung des Ganges bei vorgekommenen Unregelmäßigkeiten und zur Erzielung schärferen Druckes. Die Vollendungsarbeit kann kaum durch eine andere Leistung überboten werden.“

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