Titel: Ueber die Verwendung der Steinkohlenziegel und der Stückkohle auf den belgischen Eisenbahnen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 1 (S. 462–463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi06_1

Ueber die Verwendung der Steinkohlenziegel und der Stückkohle auf den belgischen Eisenbahnen.

Bevor die Verwaltung der Staatseifenbahnen die rohe unpräparirte Kohle zur Befeuerung der Lokomotiven anwendete, machte sie seit mehreren Jahren Gebrauch von gestrichenen und gepreßten Ziegeln aus Kohlenklein, in welchem Theer als Bindemittel verwendet war.

Der erste Versuch mit diesen Preßziegeln wurde 1852 gemacht, und gleich Anfangs erkannte man die Möglichkeit, dieses Brennmaterial zu verwenden, ja selbst ausschließlich damit zu feuern.

Die Versuche, die man sehr fähigen Maschinisten anvertraute, und die außerdem speciell durch die betreffenden obern Beamten überwacht wurden, gaben so gute Resultate, daß die Verwaltungsbehörde sich entschloß, diese Versuche im Großen fortzusetzen und das neue Heizmaterial in den ordentlichen Dienst einzuführen. Diese Maaßregel mußte zur Folge haben, den Preis der Kohks herunterzudrücken, der bis dahin beträchtlich in die Höhe gegangen war.

Die Verwendung der Kohlenziegel dauerte nun in gewöhnlicher Weise bis 1854 fort, zu welcher Zeit anscheinend sehr ernste Klagen sich von allen Seiten gegen den Gebrauch der Ziegel erhoben. Der Rauch sey übermäßig und belästige die Reifenden; die schwefligen Bestandtheile, die in den Kohlenziegeln reichhaltiger als in Kohks seyen. griffen das Kupfer der Feuerbüchsen an; weißglühende Kohlenstückchen würden durch den Zug bis zur Rauchkammer gerissen, wo sie fortstammten und die hier befindlichen Maschinentheile, sowie die Cylinder, die häufig dort liegen, beschädigten.

Angesichts dieser Klagen glaubte die Verwaltung den Verbrauch der Kohlenziegel ganz einstellen zu müssen, forschte jedoch gleichzeitig sorgfältig nach dem Ursprung und der größeren oder geringeren Bedeutung der Vorwürfe, die man an sie gerichtet hatte. Eine zu diesem Zwecke angestellte sorgfältige Untersuchung ergab nun als unzweifelhaft feststehend:

  • 1) daß viele Maschinisten, die wenig mit dem neuen Brennmaterial vertraut, und gewohnt warm, ihre Feuerbüchse mit Kohks bis oben hin anzufüllen, in |463| gleicher Weise mit den Kohlenziegeln verfuhren, ungeachtet aller der Warnungen, die ihnen in dieser Beziehung zu Theil geworden waren;
  • 2) daß eine solche hohle Kohlenziegelschicht die Wirkung hatte, daß sie viel Rauch erzeugte, daß die zu unterst auf dem Rost liegenden Ziegel in kleine Stückchen zerdrückt wurden, was wiederum einen sehr energischen Zug nöthig machte, der die Kohlenstückchen bis in die Rauchkammer mit fortriß;
  • 3) daß das Kupfer nicht wesentlich angegriffen wurde;
  • 4) daß wenn der Verbrauch bei Ziegeln bedeutender als bei Kohks gewesen war, dieß allein seinen Grund in der ungünstigen Lage während der Verbrennung hatte, im Verstreuen auf die Bahn während der Fahrt, und in dem Fortreißen bis zur Rauchkammer hin; endlich darin, daß ein großer Theil der Ziegel in kleine Fragmente verwandelt wurde in Folge der übermäßig starken Feuerung und der schüttelnden Bewegung;
  • 5) daß man, wenn das Feuer richtig abgewartet wurde, alle diese Unbequemlichkeiten vermeiden konnte, und daß eine Mischung von Kohks und Ziegelkohle der Art war, einen guten und regelrechten Fahrdienst zu sichern.

Unter diesen Bedingungen wurde denn auch die Anwendung der Kohlenziegel wieder aufgenommen und seitdem auch nie wieder sistirt. Der Verbrauch ist fast dem der Kohks gleich zu setzen.

Die Erfahrungen, die man im Gebrauch der Kohlenziegel erlangt hatte, erleichterten die Versuche mit Stückkohle, die gegen Ende 1854 angestellt wurden, um Vieles. Verschiedene Modifikationen in der Anordnung der Roste wurden für die Benutzung dieses Heizmaterials vorgeschlagen; allein die bis jetzt damit gemachten Versuche haben noch nicht bewiesen, daß diese Combinationen Vortheile gegen die mit angemessen getheilten Stäben versehenen Roste gewährten. Man wendet mittelharte Kohle vermengt mit Kohks hierbei an.

Die Anthracitkohlen würden vermöge ihrer chemischen Zusammensetzung wahrscheinlich vorzuziehen seyn, doch haben die bis jetzt angestellten Versuche nur dargethan, daß die belgischen Kohlen dieser Kategorie im Feuer leicht blättern und spalten, und zur Heizung der Locomotiven nicht taugen. Der Verbrauch an roher Kohle ist auffällig dem von Kohks und Kohlenziegeln gleich.

Während der ersten 9 Monate des Jahres 1856 war der Verbrauch dieser drei Heizmaterialen auf folgende Quantitäten gestiegen:

Kohks 32,828705 Kilogr.
Kohlenziegel 14,989518
rohe Kohle 1,685765
––––––––––––––––
in Summa 49,503988 Kilogr. = circa 100 Millionen Pfund.

Das macht

an Kohks 66,32 Proc.
an Kohlenziegeln 30,27
an roher Kohle 3,41

des ganzen Verbrauchquantums. (Erbkam's Zeitschrift für Bauwesen.)

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