Titel: Bürk's patentirte Wächter-Controluhr.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 2 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi06_2

Bürk's patentirte Wächter-Controluhr.

Die meisten bisher üblichen Controluhren bezwecken einzig den Nachtwächter zu zwingen, einen ihm bestimmten Punkt, welchen man des Nachts besonders gut bewacht haben will, vorzugsweise im Auge zu behalten, sey es nun in bestimmten oder unbestimmten Zwischenräumen; die zweite Art hat offenbar schon einen Vortheil voraus vor der ersten, und läßt am Ende nicht viel zu wünschen übrig, wenn man jeden Punkt, den man von dem Nachtwächter besucht wissen will, mit einer Controluhr versieht; aber abgesehen davon, daß dieß bei der Anwendung auf größere Fabrikcomplexe oder gar auf ganze Ortschaften eine große Ausgabe für viele Uhren verursacht, hat es noch das Unbequeme, daß selbst bei harmonirendem Gang sämmtlicher Uhren die nachträgliche Controlirung sehr umständlich ist.

Bürk vermeidet diesen Uebelstand, indem er seine Uhr dem Wächter mit auf den Weg gibt, und dieser auf jedem von ihm zu besuchenden Punkt einen einfachen |464| Schlüssel vorfindet, mit welchem er ein bleibendes Zeichen markiren kann, welches sowohl den Ort als die Zeit, wo und wann markirt wurde, genau angibt. Auf diese Art ist Bürk's Wächteruhr ein Instrument, welches eine wirkliche Controle ausübt, ohne den Wächter weder an Zeit noch Ort zu binden, ihn aber ohne Barmherzigkeit zwingt, den ihm angegebenen Rayon zu begehen. Ich kann daher nicht anders als diese Uhr allen Fabriken, welche einer Nachtwache bedürfen (und welche Fabrik bedarf deren nicht?), wie auch für Städte und Dörfer dringend anzuempfehlen; die am meisten von diesen angewendete Controlmaßregel, den Nachtwächter die Stunden anrufen zu lassen, wodurch er natürlich nur zur Vogelscheuche wird für allen fallsige Uebelwollende, wird natürlich ganz überflüssig bei Anwendung dieser Uhr.

Bürk's Uhr ist eine in einem messingenen Gehäuse befindliche Ankeruhr in der Größe, daß sie noch sehr gut in der Seitentasche nachgetragen werden kann; der Stundenzeiger nimmt einen Messingring vom Durchmesser des Zifferblattes mit herum, so daß sich jeder Punkt eines am Umfange dieses Ringes jeden Tag zu erneuernden Papierstreifens in Zeit von 12 Stunden vor einem feststehenden Punkte des Gehäuses präsentirt und von diesem Punkte aus mit Angabe der Zeit markirt werden kann. Dieses Markiren findet statt durch 6 übereinander stehende Spitzen, welche sich je an einer Feder befinden und mittelst eines besondern Schlüssels gegen den Papierstreifen angedrückt werden können; an jeder von dem Wächter zu besuchenden Station befindet sich ein anderer Schlüssel (welcher um Verwechselungen unmöglich zu machen, mittelst einer angesiegelten Kordel befestigt ist), wodurch verschiedene Spitzen angedrückt werden; da die 6, je einzeln bewegbaren, Federn sehr viele Combinationen zulassen, so genügt eine Uhr für eben so viele Posten.

Das ganze Gehäuse ist mittelst eines Schlosses verschließbar, und befindet sich nur eine Oeffnung an demselben, durch welche der Controlschlüssel eingesteckt werden kann. Die Uhr ist zu beziehen von ihrem Erfinder Hrn. Bürk (Firma Bürk und Beutner) in Schwenningen (Württemberg) und kostet Fl. 40 à 45, je nach der Anzahl Controlschlüssel. L. L. (Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1858, Bd. II S. 123.)

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