Titel: Ueber Darstellung von Lichtbildern mit natürlichen Farben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 6 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi06_6

Ueber Darstellung von Lichtbildern mit natürlichen Farben.

Nach einem Bericht von T. D. Stetson im Practical Mechanic's Journal, Mai 1858, S. 33, wurden im Monat April d. J. im Mechanic's Club zu New-York die in Amerika gemachten Fortschritte in der Hillotypie oder dem Photographiren mit natürlichen Farben besprochen. Hr. Hill, von welchem man so oft angekündigt hat, daß es ihm gelungen sey Lichtbilder mit den natürlichen Farben zu erzielen (m. s. polytechn. Journal Bd. CXXIX S. 78), wurde als ein Abenteurer erklärt, dessen moralischer Charakter gar keine Achtung verdient, während es allerdings unzweifelhaft sey, daß er mehrere Farben hervorbrachte. So seyen vor beiläufig einem Jahr von demselben einige ziemlich große Photographien in New-York ausgestellt gewesen, welche aber sämmtlich Copien von colorirten Lithographien, und nicht Aufnahmen nach der Natur waren. Die Farben auf diesen Bildern waren nicht stark, da aber die Originale nicht gezeigt wurden, so konnte man nicht beurtheilen, in welchem Grade die Nachahmung von deren Farben gelungen war, und da die Bilder in der Ausstellung auch nicht lange blieben, so war es eben so schwierig zu bestimmen, ob die Farben rasch verbleichen, oder gar nicht. Im Allgemeinen sprach man sich in der Versammlung dahin aus, daß die Hauptschwierigkeit im Fixiren der Farben besteht (wie aus Becquerel's Untersuchungen hervorgeht, m. s. polytechn. Journal Bd. CXIV. S. 44), und diejenigen, der anwesenden |467| Photographen, welche sich selbst längere Zeit mit dem fraglichen Problem beschäftigt hatten, erklärten sich überzeugt, daß es weder Hrn. Hill noch einem andern jemals gelungen sey, die natürlichen Farben lebender Gegenstände auf Silber, Collodium oder einer sonstigen Fläche auch nur eine Stunde lang zurückzuhalten. Es wurde angeführt, daß auf den erwähnten ausgestellten Bildern Roth, Blau und Grün deutlich sichtbar waren, dagegen frage es sich, ob diese Farben nicht vielmehr Complementärfarben als Nachahmungen des Originals waren, oder ob sie vollends in gar keinen gewöhnlichen Beziehungen zu denselben standen, weil notorisch auf einem Bilde ein hervorstehendes Haus entschieden blau war, eine sehr ungewöhnliche Farbe für einen solchen Gegenstand. Die französischen Photographen, welche in der letzten Zeit ankündigten, daß es ihnen gelungen sey die Farben zu copiren (polytechn. Journal Bd. CXLIII. S. 79), mögen ihren Zweck erreicht haben, in Amerika hat man aber niemals eine Probe zu sehen bekommen, um sich von dieser Thatsache zu überzeugen.

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