Titel: Ueber Anwendbarkeit der ammoniakalischen Flüssigkeit der Gasanstalten in der Landwirthschaft; vom Ingenieur Leroi.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 148/Miszelle 9 (S. 467–468)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj148/mi148mi06_9

Ueber Anwendbarkeit der ammoniakalischen Flüssigkeit der Gasanstalten in der Landwirthschaft; vom Ingenieur Leroi.

Die Landwirthe sind über die Anwendbarkeit der ammoniakalischen Flüssigkeit von der Kohlengasbereitung getheilter Meinung; die einen halten sie für sehr werthvoll, die anderen behaupten, daß sie die Vegetation zu Grunde richtet, nachdem sie dieselbe anfangs zu befördern schien.

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Als Hr. Leroi Director der Gasanstalt von Chalons-sur-Marne war, ließ er die ammoniakalische Flüssigkeit und den Theer, um sich derselben zu entledigen, in einen verlassenen Kreidebruch transportiren, der in einer Oertlichkeit von anerkannter Unfruchtbarkeit liegt, indem sie nicht einmal dem Moose eine hinreichende Nahrung liefern konnte. Im folgenden Frühling bemerkte man, daß der Weg, welcher zum Steinbruch führte mit Gras überzogen war, während dessen Umgebung die alte Unfruchtbarkeit beibehielt. Diese Vegetation war offenbar die Folge des Begießens durch den Transport der mit Ammoniakwasser und Theer gefüllten Fässer. Hr. Leroi bemerkte, daß die zu stark begossenen Stellen eine weniger kräftige Vegetation zeigten, woraus er schließen mußte, daß eine mäßige Anwendung dieses Düngers vortheilhaft ist, während derselbe in Ueberschuß angewendet, schädlich ist.

Den Graswuchs auf einer absolut unfruchtbaren Kreidefläche erklärt er folgendermaßen: der Wind führt Staub mit sich fort, welchen er auf die Oberfläche des Bodens fallen läßt; wenn seine Heftigkeit sich vermindert, dann hebt er diese Ablagerung neuerdings vom Kreideboden auf, um sie anderswohin zu transportiren. Im vorliegenden Falle aber bildet der dem ammoniakalischen Wasser beigemischte Theer eine klebrige Substanz, welche diese wandernden Erdtheilchen fixirt, so daß sich nach einiger Zeit eine sehr stickstoffhaltige und folglich sehr fruchtbare Ackererdeschicht bilden.

Aus diesen Beobachtungen zieht Hr. Leroi folgende Schlüsse:

1) im geeigneten Verhältniß angewendet, ist das ammoniakalische Gaswasser ein vortrefflicher Dünger;

2) in zu reichlicher Menge angewandt, wird es schädlich, durch Ueberreizung des Wachsthums der Pflanzen;

3) ein Gemisch von ammoniakalischem Wasser und Theer bildet einen fruchtbaren Boden, indem es die pulverförmigen Theilchen fixirt, welche sonst der Wind mit sich fortreißt.

Aus den Beobachtungen dieses Ingenieurs geht ferner hervor, daß der Theer, als Ueberzug am Fuß der Obstbäume angewandt, dieselben gegen den Angriff der Insecten, Ameisen, Raupen etc., und hauptsächlich der Nagethiere schützt. Mit 1 Kilogr. des sehr wohlfeilen Steinkohlentheers kann man den Fuß von fünfhundert Bäumen auf eine Höhe von beiläufig 1 1/2 Fuß überziehen, welche mehr als hinreichend ist, um dieselben gegen Insecten aller Art und auch gegen die Wasserratten zu schützen. (Armengaud's Génie industriel, Mai 1858, S. 275.)

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