Titel: Ueber eine neue Anstreichfarbe für Holz, Metalle etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149, Nr. LIX. (S. 197–200)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/ar149059

LIX. Ueber eine neue Anstreichfarbe für Holz, Metalle etc., welche im Arsenal zu Brest angewendet wird.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, April 1858, S. 228.

Ein Anstreichverfahren, sehr ähnlich demjenigen welches Hr. Sorel unlängst der (französischen) Akademie der Wissenschaften mitgetheilt hat (polytechn. Journal Bd. CXLVIII S. 122), wurde seit etwa acht Monaten im Arsenal zu Brest versucht und wird daselbst seit vier Monaten beständig angewendet.

Nachdem man ohne Erfolg die von Sorel im Jahr 1855 (polytechn. Journal Bd. CXXXIX S. 130) veröffentlichten Verfahrungsarten probirt hatte, versuchte man eine Anstreichfarbe dadurch zu erhalten, daß man das Zinkweiß direct mit einer Auflösung von Chlorzink anrührte |198| und dem Gemisch Substanzen zusetzte, welche dessen Verdickung zu verzögern vermögen. Nach vielen Proben gelang es die Anwendung dieses Anstrichs ganz praktisch zu machen, und es wurden seitdem von demselben mehrere Tausend Kilogramme verbraucht.

Das Chlorzink ist nicht das einzige Salz, welches die Eigenschaft besitzt durch seine Vermischung mit Zinkweiß einen Kitt und eine Anstreichfarbe zu bilden. Sorel hatte schon angegeben, daß Eisenchlorür, Manganchlorür, Nickel- und Kobaltchlorür Kitte liefern können. Nachdem man sich von der Richtigkeit dieser Angabe überzeugt hatte, trieb man zu Brest die Versuche weiter, und fand daß das schwefelsaure und salpetersaure Zinkoxyd, das salpetersaure Eisenoxyd und das Eisenchlorid, das schwefelsaure und salpetersaure Manganoxydul, mit dem Zinkweiß gemischt, sämmtlich Kitte und Anstreichfarben bilden können. Es ist daher anzunehmen, daß alle auflöslichen Salze von Zink, Eisen und Mangan zu demselben Zweck angewendet werden können.

Sorel hatte ferner angegeben, daß der Borax und der Salmiak die Verdickung des Gemisches verzögern; hinsichtlich der Anstreichfarbe gab aber von diesen zwei Substanzen zu Brest nur der Borax gute Resultate. Nachdem man noch mehrere andere Substanzen versucht hatte, fand man, daß das kohlensaure Natron und kohlensaure Kali bei dem Chlorzink diesen Zweck vollkommen erfüllen.

Die Anstreichfarbe wird gegenwärtig bald mit Chlorzink, bald mit schwefelsaurem Zinkoxyd dargestellt, und zwar nach folgenden Verfahrungsarten:

Man hält sich eine hinreichend starke Auflösung, entweder von schwefelsaurem Zinkoxyd oder von Chlorzink, vorräthig, welche mit einer verzögernden Substanz versetzt ist. Das Zinkweiß wird in diese Flüssigkeit erst in dem Zeitpunkt gerührt, wo die Anstreichfarbe benutzt werden soll.

Will man Chlorzink anwenden, so bereitet man dieses Salz, indem man Zinkabfälle in Salzsäure auflöst. Hierzu gießt man beiläufig 90 Kilogr. käufliche Salzsäure in einen großen irdenen Krug, dann gibt man das Zink in ein mit kleinen Löchern versehenes Gefäß, welches zu drei Viertel in die Säure taucht.

Man hat es zu Brest in ökonomischer Hinsicht vortheilhaft gefunden, anstatt reinen Zinks die bei der Benutzung dieses Metalls zum Verzinken des Eisens in den Schmelztiegeln verbleibenden Rückstände anzuwenden. Dieselben enthalten zwar Eisen, aber in so geringer Menge, daß es die Farbe des Anstrichs nicht merklich ändert.

Wenn sich kein Wasserstoffgas mehr entwickelt, nämlich nach beiläufig 48 Stunden, wird die Flüssigkeit in eine große kupferne Schale gegossen, worin |199| man sie beiläufig zwei Stunden lang im Sieden erhält. Diese Operation wurde als unentbehrlich befunden, um ein gutes Resultat zu erzielen; sie bewirkt ohne Zweifel, daß die überschüssige Salzsäure verjagt wird. Die so erhaltene Chlorzinklösung wird in großen Säcken von starker und dichter Leinwand filtrirt; sie muß nach ihrem Erkalten 58° an Baumé's Aräometer zeigen.

Andererseits löst man 2 Kil. käufliche (calcinirte) Soda in 100 Kil. Wasser auf.

Man vermischt alsdann die beiden Auflösungen im Verhältniß von 2 Raumtheilen der ersten auf 5 Raumtheile der zweiten. Mit der so bereiteten Flüssigkeit rührt man das Zinkweiß an, um einen Anstrich zu erhalten, welcher nach Verlauf von zwei bis vier Stunden (je nach dem hygroskopischen Zustand der Luft) fest wird. Die Soda wird wegen ihres billigen Preises vorzugsweise als verzögernde Substanz gewählt.

Wenn man anstatt Chlorzink das schwefelsaure Zinkoxyd wählt, so benutzt man in der Regel die beträchtlichen Rückstände von den Bunsen'schen Säulen womit das elektrische Licht erzeugt wird, welches man zu Brest häufig anwendet, sowohl um die Nachtarbeiten als die Arbeiten in den dunklen Schiffsräumen zu beleuchten. Man sättigt die überschüssige Schwefelsäure mit Zinkabfällen, und die Auflösung zeigt alsdann 40° an Baumé's Aräometer; die decantirte Flüssigkeit braucht nicht filtrirt zu werden; auch ist es unnütz sie zum Sieden zu erhitzen.

Mit dieser Auflösung gibt der Borax als verzögernde Substanz das beste Resultat. Man nimmt 6 Grm. Borax per Liter schwefelsaurer Zinklösung von 40° B., um die Flüssigkeit zu bilden, in welche das Zinkoxyd gerührt wird.

Die Flüssigkeit mag nun die eine oder die andere Zusammensetzung haben, so bereitet man die Anstreichfarbe auf folgende Weise: man bringt an den Ort, wo sie angewendet werden soll, Zinkweiß als unfühlbares Pulver, wie es im Handel vorkommt, und präparirte Flüssigkeit; diese Flüssigkeit transportirt man gewöhnlich in kleinen hölzernen Fässern. Nach Maaßgabe des Bedarfs gießt der Arbeiter Flüssigkeit in ein Gefäß, und setzt ihr allmählich Zinkweiß zu, indem er mit einem Holzspatel umrührt, bis das Gemisch die Consistenz der gewöhnlichen Oelfarbe erhalten hat; es kann sodann angewendet werden. Man hat aber zu beachten, daß man auf einmal nur so viel Anstreichfarbe bereitet, als in beiläufig einer Stunde verbraucht werden kann.

Eine Analyse der mit Chlorzink dargestellten Anstreichfarbe hat gezeigt, daß die Verhältnisse, welche die Praxis als die besten ergab, genau 1 Aeq. Chlorzink auf 1 Aeq. Zinkoxyd repräsentirten.

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Die Gestehungskosten dieser Anstreichfarbe sind sehr niedrig, besonders wenn man, wie es zu Brest geschieht, zur Bereitung des Chlorzinks oder schwefelsauren Zinkoxyds die Rückstände vom Verzinken oder von den Bunsen'schen Säulen benutzt. Wenn man aber auch Zink in Stangen kauft, um es in Salzsäure oder Schwefelsäure aufzulösen, so kommt das Kilogr. Anstreichfarbe höchstens auf 50 Centimes zu stehen, während die Oelfarbe zu Brest über 80 Centimes kostet.

Die nach diesen Verfahrungsarten dargestellte Farbe liefert einen Anstrich, welcher stets matt und außerordentlich weiß ist, wenn das Zinkweiß von guter Qualität war. Sie deckt eben so gut wie die Oelfarbe, und der Anstrich wird mit der Zeit sehr hart und haftet auch sehr stark.

Bis jetzt ist die weiße Farbe die einzige, welche vollkommen gelang. Man stellte verschiedene Farben bar, indem man dem Zinkweiß gefärbte Pulver innig beimengte, aber bei der Anwendung im Großen waren diese Farben niemals ganz gleichförmig.

Die Eisen- und Mangansalze geben auch mit dem Zinkweiß mehr oder weniger gefärbte Anstriche; aber selbst die Farben welche man bei den im Kleinen und mit Sorgfalt angestellten Versuchen erhielt, waren nicht recht gleichförmig.

Die besprochene weiße Anstreichfarbe wurde immer nur auf Holz, Metallen und Leinwand angewendet; in diesen verschiedenen Fällen erlangt sie eine vollkommene Haltbarkeit, man kann sie waschen und bürsten, ohne daß sie dadurch benachtheiligt wird; nur muß man es vermeiden, sie unter dem Regen oder bei Frost aufzutragen, denn alsdann wird sie mehlig oder schuppt sich leicht ab.

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