Titel: Ueber die einzuhaltende Entfernung zwischen Pulvermagazinen und elektrischen Telegraphen.
Autor: Pouillet,
Fundstelle: 1858, Band 149, Nr. CXX. (S. 432–433)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/ar149120

CXX. Bericht über die zwischen den Pulvermagazinen und den Linien des elektrischen Telegraphen einzuhaltende Entfernung; der französischen Akademie der Wissenschaften erstattet von Prof. Pouillet.

Aus den Comptes rendus, August 1858, Nr. 7.

Der Hr. Kriegsminister hat die Akademie über eine wichtige Frage zu Rathe gezogen, nämlich ob die Drähte des elektrischen Telegraphen, in der Nähe eines Pulvermagazins fortgeführt, Gefahr veranlassen können.

Die Commission, welche über diesen Gegenstand zu berichten beauftragt war,98) hält es für gewiß, daß die in den Drähten des Telegraphen für den gewöhnlichen Depeschendienst entwickelten elektrischen Ströme niemals Unfälle veranlassen können; denn selbst angenommen, daß die Drähte während der Transmission einer Depesche zerrissen würden, sey es durch den Wind oder irgend eine andere Ursache, so wären die dann an den Bruchstellen sich zeigenden kleinen Funken unzureichend um den Pulverstaub zu entzünden, welcher sich auf den Drähten selbst oder auf deren Trägern abgesetzt hat.

Ganz anders ist es aber mit der atmosphärischen Elektricität; ihre Wirkung wird oft furchtbar und wäre für die Pulvermagazine höchst gefährlich.

Wenn z.B. die Telegraphendrähte direct vom Blitze getroffen würden, so ist es wahrscheinlich, daß sie an der getroffenen Stelle auf eine gewisse Länge geschmolzen, verbrannt, zerstreut würden und daß die in Folge der Explosion fortgeschleuderten glühenden Kügelchen durch die Kraft des Windes noch weiter getrieben werden könnten; überdieß würden die freien Enden des Drahtes, welche sich in voller Verbrennung befinden, aus denselben Gründen große Curven um die Befestigungspunkte beschreiben und die Flammen auf große Entfernungen tragen.

Schon die bloße Möglichkeit dieser Vorkommenheiten macht es unumgänglich nothwendig, die Pulvermagazine gegen solche Gefahr zu sichern.

Zu diesem Zweck empfiehlt die Commission der Akademie folgende Anordnungen:

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1) auf dem ganzen Theil der Linie, welcher weniger als 100 Meter von einem Pulvermagazin entfernt ist, sind die Drähte, statt in der Luft, unterirdisch zu führen;

2) die unterirdische Drahtleitung muß außerhalb der Zone verlegt werden, wo es gefährlich wäre die Arbeiter zuzulassen, welche die Leitung herstellen, untersuchen oder ausbessern sollen;

3) man muß in der Nähe dieser unterirdischen Leitungen einen oder mehrere Blitzableiter auf Masten von 15 bis 20 Meter Höhe anbringen, um die ganze Länge der Leitung gegen den directen Blitzstrahl zu schützen.

Durch diese (von der Akademie gebilligten) Anordnungen wird der Kriegsverwaltung alle Sicherheit gewährt, ohne daß die Telegraphenverwaltung zu sehr belästigt würde.

|432|

Sie bestand außer dem Berichterstatter aus den HHrn. Becquerel, Regnault, Despretz, de Senarmont und Marschall Vaillant.

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