Titel: Ueber die Anwendung des salpetersauren Uranoxyds in der Photographie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149, Nr. CXXIII. (S. 437–439)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/ar149123

CXXIII. Ueber die Anwendung des salpetersauren Uranoxyds in der Photographie.

Aus Böttger's polytechnischem Notizblatt, 1658, Nr. 16.

Prof. Magnus theilt der Berliner Akademie über einige Verbesserungen, welche O. Hagen in dieser Beziehung gefunden hat, Folgendes mit:

Hr. Niepce von Saint-Victor hat vor kurzem einige neue in wissenschaftlicher und photographischer Hinsicht interessante Thatsachen veröffentlicht, und unter diesen eine Methode, positive Bilder von einem negativen zu erzeugen.100) Bestreicht man nämlich ein Stück Papier mit einer ziemlich concentrirten Lösung von salpetersaurem Uranoxyd, läßt es trocknen, legt es dann auf ein negatives photographisches Bild und exponirt es dem directen Sonnenlicht während einer Viertelstunde, so erscheint, wenn man dasselbe dann in eine Lösung von salpetersaurem Silberoxyd bringt, ein positives Bild, das sehr intensiv und von braunrother Farbe ist. Zur Fixirung genügt Waschen mit destillirtem Wasser. Niepce empfiehlt diese Methode zur Anwendung in der praktischen Photographie, einmal wegen der Einfachheit des Processes, und dann wegen der Unverwüstlichkeit der gewonnenen Bilder.

Dem Hrn. Otto Hagen ist es gelungen, die Empfindlichkeit dieses Papiers bedeutend zu steigern, so daß sich auf gewöhnlichem Schreibpapier intensive positive Bilder, statt, wie Niepce angibt, in einer Viertelstunde, in 30, höchstens 60 Secunden Expositionszeit und auf ungeleimtem Papier sogar in 15 Secunden erhalten lassen. Man erreicht diese Empfindlichkeit durch Anwendung kleiner Abänderungen des Niepce'schen Verfahrens. Zuerst muß man die Fasern des anzuwendenden Papiers möglichst frei zu machen suchen, also von dem Papierleim trennen. Dieß geschieht, indem man das Papier in kochendes Wasser legt und letzteres einige Zeit im Kochen erhält. Das Papier wird dann herausgenommen, zwischen Löschpapier abgetrocknet und noch feucht auf die Uransalzlösung gelegt. Es ist nämlich zweckmäßig, dasselbe nicht vollständig vorher zu trocknen, denn sonst legt sich der etwa noch vorhandene Leim wieder an die Faser an und erschwert die Berührung des Salzes mit derselben.

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Ferner ist darauf zu achten, daß das angewandte Uransalz keine freie Salpetersäure enthalte; denn je mehr freie Säure es einschließt, desto unempfindlicher werden die damit getränkten Papiere, und desto mehr roth werden die Bilder. Niepce gibt an, daß man eine Lösung des Uransalzes erhalte, wenn man Uranoxyd in Salpetersäure auflöst. Er hat hierbei vielleicht nicht auf die freie Säure geachtet.

Auch die anderen Beimengungen des käuflichen Uranoxydes und des Uransalzes, wie Kupfer und Arsenik, verringern die Empfindlichkeit und schaden dem Ton des Bildes. Man muß diese Metalle also erst durch Schwefelwasserstoff entfernen.

Endlich bekommt man bedeutend intensivere Bilder, wenn man zu der wässerigen Silbersalzlösung etwas Alkohol oder Aether hinzusetzt. Dieser Zusatz ist sehr wichtig, denn man kann die Expositionszeit dadurch bedeutend abkürzen.

Mit Beachtung dieser Bedingungen erhält man Bilder in grauschwarzem Ton, während Niepce sie braunroth erhielt.

Der Grund der Wirkung der angeführten Vorsichtsmaßregeln ergibt sich wenigstens zum Theil aus der Erklärung des chemischen Processes. Hr. Hagen denkt sich diesen ähnlich dem, der bei den alkoholischen Lösungen des salpetersauren Uranoxyds stattfindet. Stellt man nämlich zwei solche Lösungen, von welchen die eine mit einem schwarzen Schirm verdeckt ist, in die Sonne, so wird nur diejenige, die von den Sonnenstrahlen getroffen wird, schwarzgrün, während die andere ihre hellgelbe Farbe beibehält. Es verwandelt, sich das Oxyd des Uransalzes in der ersten Lösung in die niedere Oxydationsstufe. Setzt man nun zu beiden Lösungen salpetersaures Silberoxyd, so wird, wie der Versuch zeigte, nur in der oxydulhaltigen Silber reducirt.

Läßt man eine Lösung des Uransalzes in Alkohol, die durch das Licht schwarzgrün gefärbt ist, im Dunkeln und an der Luft stehen, so nimmt sie wieder die gelbe Farbe an, indem das Oxydul durch den Sauerstoff der Luft in Oxyd übergeht.

Bei dem Niepce'schen Verfahren vertritt nach der Ansicht des Hrn. Hagen, die Papierfaser die Stelle des Alkohols, indem sie es ist, die unter Einwirkung des Lichts das Oxyd des Uransalzes in Oxydul verwandelt. Deßhalb nimmt auch das dem Licht exponirte Uranpapier eine Farbe an, welche derjenigen ganz ähnlich ist, die man erhält, wenn man von dem oxydulhaltigen Alkohol auf weißes Papier tröpfelt.

Daß ferner die Papierfaser und nicht andere Bestandtheile, wie z.B. der Papierleim das wirkende Agens ist, geht daraus hervor, daß |439| auf chemisch reinem schwedischen Filtrirpapier sehr intensive Bilder entstehen.

Nach dieser Erklärung des chemischen Vorganges läßt sich leicht der schädliche Einfluß der freien Salpetersäure erklären. Legt man nämlich das Uranpapier nach der Exposition auf die Silbersalzlösung, so wird das Silber dadurch reducirt, daß das Uranoxydul wieder in Oxyd übergeht. Ist nun ein Oxydationsmittel, wie freie Salpetersäure gegenwärtig, so liefert dieses den Sauerstoff, den sonst das Silberoxyd hergeben würde.

Da das Licht auf eine Lösung von Uransalz in Alkohol verändernd wirkt, so lag es nahe, bei dem Niepce'schen Verfahren auch Alkohol in Anwendung zu bringen. Befeuchtet man das Uranpapier mit Alkohol, legt es auf das negative Bild und exponirt es der Sonne, so erscheint, auch nach der Behandlung mit Silbersalz, kein Bild.

Exponirt man aber gewöhnliches Uranpapier und legt es nach der Exposition in eine Silberlösung, die etwas Alkohol enthält, so erscheint das Bild, wie erwähnt, intensiver als ohne diesen Zusatz. Vielleicht wirkt hier der Alkohol ähnlich auf das Uranoxyd, wie bei dem gewöhnlichen photographischen Verfahren die Pyrogallussäure auf das dem Licht ausgesetzt gewesene Jodsilber.

Das Niepce'sche Verfahren möchte, mit den erwähnten Abänderungen, wohl jetzt schon geeignet seyn in die praktische Photographie aufgenommen zu werden. Die einzelnen Processe sind so einfach und folgen so schnell auf einander, daß man bequem gegen 60 Copien in 1 Stunde bei Sonnenlicht machen kann.

Hr. Hagen hat sich bis jetzt vergebens bemüht, Collodium durch den Zusatz von Uransalz empfindlich zu machen. Dagegen hat er direct negative Bilder auf Uranpapier dargestellt. Die Empfindlichkeit desselben steht indeß der des Jodsilbers um vieles nach. Läßt man Uranpapier, das der Sonne exponirt war, und eine grüngraue Farbe angenommen hat, einige Tage im Dunkeln liegen, so wird es, wie Niepce bemerkt hat, wieder gelb. Es nimmt nämlich dabei das Oxydul Sauerstoff aus der Luft wieder auf. Man kann deßhalb dieses Papier sehr lange Zeit vor seiner Anwendung darstellen. Dieß und die Eigenschaft, daß man die Behandlung mit dem Silbersalz erst 6 bis 12 Stunden nach der Exposition vorzunehmen braucht, ohne viel an Intensität des Bildes zu verlieren, sind Vorzüge, die besonders dem Reisenden willkommen seyn werden.

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Polytechn. Journal Bd. CXLVIII S. 126.

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