Titel: Naturgemäße Aufbewahrung von Eiern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 11 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi02_11

Naturgemäße Aufbewahrung von Eiern.

Man hat allerlei Methoden zur Aufbewahrung von Eiern aufgefunden, allein keine genügt vollständig und dieß wohl aus dem Grunde, weil man die Hauptursache des Verderbens der Eier entweder nicht hinlänglich kennt, oder aber nicht genug im Auge behält. Es ist eine bekannte Sache, daß die Hühner in den Monaten Mai, Juni und Juli am meisten zur Brut geneigt und daß die im August und später gelegten Eier am haltbarsten sind. Diese Thatsache hat man sich dadurch zu erklären gesucht, daß man annahm, die Hitze wirke auf die Eier nachtheilig ein, was zum Theil richtig ist; allein nichts wirkt nachtheiliger auf die Erhaltung der Eier ein, als die Bruthitze. Die Landleute und Hühnerzüchter überhaupt machen darin den Hauptfehler, daß sie Hennen, welche zur Brut geneigt sind, nicht zeitig genug aus dem Hühnerhofe entfernen, wo sie jede Gelegenheit benutzen, auf die Eier zu sitzen, und daher kommt es. daß ein großer Theil der Eier unhaltbar ist, und die im August und hernach gelegten Eier werden deßhalb haltbarer, weil sich bis dahin der Bruttrieb verloren hat. Wer auch nur ganz kurze Zeit bebrütete Eier, die übrigens noch mehrere Tage lang verwendbar bleiben, nach irgend einer Methode aufbewahrt, wird bei ihrer Verwendung eine Menge derselben verdorben finden.

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Einsender, der eine sehr bedeutende Anzahl von Geflügel besaß, hat schon mehrere Winter hindurch Hunderte von Eiern aufbewahrt, ohne daß ihm auch nur ein einziges verdorben wäre; wer nachstehende Punkte beobachtet, wird die gleiche günstige Erfahrung machen.

1) Das Legnest muß an einem kühlen Ort gemacht werden.

2) Die Bruthennen müssen zeitig genug an einem wohlverwahrten Orte gesetzt, oder aus dem Hühnerhofe entfernt werden, bis sich der Bruttrieb vollständig gelegt hat.

3) Wer viel Geflügel hat, muß die frischgelegten Eier täglich mehreremale aus dem Neste holen.

4) Die Eier werden in einer Kiste, deren Deckel zum Theil offen bleibt, an einem kühlen, luftigen und trockenen Orte aufbewahrt und dem Alter nach sortirt.

5) Der Eiervorrath wird mit Anfang des Winters ohne alle Zubereitung in offenen Körben in einem Zimmer aufbewahrt, das zwar nie geheizt wird, aber doch eine so geschützte Lage hat, daß kein hoher Kältegrad darin eintreten kann.

6) Die Eier sind so in die Körbe zu legen, daß die ältesten oben und die letztgelegten unten zu liegen kommen. Natürlicherweise ist beim Verbrauche der Eier darauf zu sehen, daß die ältesten zuerst verwendet werden.

Auf diese Art behandelte und aufbewahrte Eier sind sehr haltbar und bekommen nicht den geringsten Beigeschmack, der sich nach den sonst empfohlenen Aufbewahrungsarten den Eiern fast immer beigesellt.

Reallehrer Kohler in Herrenberg.

(Württemb. Wochenblatt für Land- und Forstwirthschaft, 1858, Nr. 21.)

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