Titel: Probefahrt mit einer Arnoux'schen Locomotive.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 2 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi02_2
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Probefahrt mit einer Arnoux'schen Locomotive.

Für die Eisenbahn nach Orsay hat Arnoux eine achträderige Locomotive mit beweglichem Gestelle gebaut, welche im Auftrage des französischen Ministeriums für Handel und Gewerbe durch die Ingenieure Mary, Avril und Lechatelier geprüft und günstig beurtheilt worden ist. Die beiden Paare Treibräder sitzen auf zwei 1,58 Meter auseinander stehenden Achsen und sind gekuppelt. Sie haben 27 Centimeter breite ebene Bandagen ohne Rand. Die Cylinder liegen außerhalb. Die vier anderen Räder sind Leiträder und werden durch Leitrollen nach dem Arnoux'schen System geführt. Die Maschine führt Wasser und Kohks bei sich, wiegt 31 bis 32 Tonnen und ruht mit 6000 Kilogrammen Druck auf den Treibrädern. Bei der Probefahrt am 19 Mai vorigen Jahres zog die Maschine einen Zug von 38 Wagen von 171 Tonnen Gewicht, so daß das ganze Gewicht inclusive Locomotive 203 Tonnen betrug. Der Weg von Bourg-la-Reine nach Orsay wurde in 22 Minuten, der Rückweg in 20 Minuten zurückgelegt, was bei 14 Kilometer Länge eine Geschwindigkeit von resp. 40 und 42 Kilometer pro Stunde gibt. Auf dieser Route sind Steigungen von 3 bis 7 Millimeter pro Meter zu ersteigen und hinabzufahren, was sich nur durch eine geringe Ab- und Zunahme der Geschwindigkeit verrieth. Die Curven wurden ohne alle Störung und Verminderung der Geschwindigkeit durchlaufen, obgleich die Contrecurve bei Palaiseau nur 100 Meter Radius und 270 Meter Länge hat. Es folgt hieraus, daß diese Locomotive mit nahe bei einander liegenden Treibachsen trotz der gekuppelten Räder für sehr starke Curven eben so gut tauglich ist und eben so viel leistet, als gewöhnliche Locomotiven mit 4 gekuppelten Rädern auf gewöhnlichen Bahnen, daß die Treibräder mit breiten Radbandagen ohne Rand und Leitrollen die Curven eben so sicher und mit weniger Widerstand durchlaufen, als die gewöhnlichen Treibräder, daß selbst sehr lange Züge ohne Schwierigkeit Curven von 100, ja von 25 Meter Radius durchlaufen können, und endlich, daß man auch zwei solche Maschinen, wie auf der Victor-Emanuel-Eisenbahn, mit ihren Feuerkasten gegen einander gestellt zusammenkuppeln könnte, um ausnahmsweise starke Leistungen zu erzielen. (Aus dem Civilingenieur, 1858, Bd. IV S. 29.)

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