Titel: Erfahrungen über die Darstellung des geschmolzenen Cyankaliums; von Dr. G. C. Wittstein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 6 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi02_6
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Erfahrungen über die Darstellung des geschmolzenen Cyankaliums; von Dr. G. C. Wittstein.

Dieses seit einer Reihe von Jahren in ausgedehntem Grade technisch benutzte Salz wird nach Liebig bekanntlich auf die Weise bereitet, daß man 8 Theile gelbes Blutlaugensalz fein pulvert, scharf austrocknet, mit 3 Theilen kohlensaurem Kali vermengt, das Gemenge in einem Tiegel schmelzt und ausgießt.

Ich habe dieses Salz sehr häufig dargestellt und dabei manche praktische Erfahrung gemacht, deren Kenntniß für das Gelingen der Arbeit nicht unwichtig ist.

Zunächst hat man zu beachten, daß beide Ingredienzien möglichst entwässert angewendet werden, weil sonst ein Theil des Cyans durch Bildung von Ammoniak und Kohlensäure verloren geht. Anfangs glaubte ich, daß zur Schmelzung nur ein irdener (hessischer) Tiegel zu gebrauchen sey; da aber fast für jede Schmelzung ein neuer derartiger Tiegel erforderlich war, so versuchte ich es bald mit einem gußeisernen Tiegel, und fand einen solchen ganz zweckentsprechend, nämlich leicht zu reinigen und daher für viele Operationen anwendbar.

Das Eintragen des Salzgemenges in den Tiegel hat löffelweise und nicht eher zu geschehen, bis derselbe schwach roth glüht. Ist alles im Tiegel und geschmolzen, so taucht man von Zeit zu Zeit einen Glasstab oder eisernen Spatel in die Masse und zieht ihn sogleich wieder heraus, sieht das daran hängen Gebliebene nach dem Erstarren weiß porzellanartig aus, so ist die Operation nahezu oder ganz fertig. Um nun aber über diesen Zeitpunkt, nämlich den des Ausgießens der Masse, ganz sicher zu seyn, schöpft man mit einem vorher ein paar Sekunden lang über dem Feuer gehaltenen eisernen Löffel etwas von der Flüssigkeit aus und besichtigt dieselbe: erscheint sie ganz klar, so ist sie fertig, gegentheils muß noch erhitzt werden.

Mit dem Ausgießen selbst muß man so lange warten, bis das Kochen aufgehört hat, damit die ausgeschiedenen Flocken des metallischen Eisens nicht in der Flüssigkeit suspendirt bleiben, sondern sich am Boden ablagern können. Zu diesem Zwecke zieht man entweder den Tiegel aus den Kohlen und hält ihn nur noch schwebend darüber, oder man entfernt einen Theil der Kohlen; ersteres läßt sich rascher bewerkstelligen, aber man hat auch hier wiederum nicht zu übersehen, daß die Abkühlung des Tiegels und seines Inhaltes nicht so weit gehen darf, daß der letztere anfängt auf der Oberfläche zu erstarren, denn dieß würde den doppelten Nachtheil haben, daß das Eisen zum Theil suspendirt und daß beim Ausgießen zu viel im Tiegel hängen bliebe. Erst nach mehrmaliger Wiederholung der Arbeit erlangt man hierin die nöthige Praxis, die um so wichtiger ist, als gerade von dem richtigen Zeitpunkte des Ausgießens das äußere Ansehen des Präparats und seine Verkäuflichkeit abhängt. Der Käufer, meist Laie in der Chemie, beurtheilt die Brauchbarkeit des Salzes nur nach der Farbe, verlangt daher dasselbe schneeweiß und weist das mit Eisentheilchen durchsetzte, graue zurück oder nimmt es nur, wenn man den Preis bedeutend herabsetzt. (Wittstein's Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie, Bd. VII S. 191.)

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