Titel: Ueber Rauchverhütung in mit Steinkohlen geheizten Dampfkesseln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 1 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi03_1

Ueber Rauchverhütung in mit Steinkohlen geheizten Dampfkesseln.

Eine Kohlenbergwerks-Association in London schrieb vor etwa einem Jahre den Preis von 500 Pf. St. auf die beste Methode aus, Feuer für eine bestimmt angegebene Art von vielröhrigen Dampfkesseln so zu unterhalten, daß es keinen sichtbaren Rauch abgebe. Der Feuerherd ward dem Ermessen der Bewerber überlassen, Gestalt, Form und Größe des Dampfkessels aber jedem in einer Zeichnung geschickt und vorgeschrieben. Außerdem wurden jedem Kohlen aus derselben Grube geliefert und die Ueberbleibsel derselben je von bestimmten Quantitäten sorgfältig gewogen. Ueber diese Bewerbungen und Versuche ist jetzt ein sehr genauer Bericht erschienen, aus welchem das Wesentlichste nachstehend mitgetheilt wird.

Die Association bekam 103 Methoden der Rauchvertilgung in theoretischen Vorschlägen von allen Theilen Englands zugeschickt, und wählte davon 4 als die theoretisch vollkommensten zur Erprobung durch die Praxis auf ihre eigenen Kosten aus; den andern Bewerbern wurde freigestellt, ihre Theorien auf eigene Kosten praktisch zu prüfen. Die 4 von der Association geprüften sind die von Hopson und Hopkinson in Huddersfield, C. W. Williams in Liverpool, B. Stoney in Dublin und Robson in Süd-Shields. Den Preis von 500 Pf. St. erhielt Williams, weil sich dessen Theorie als die bewährte, welche das Feuer auf die einfachste und wohlfeilste Weise zur vollkommensten Rauchvertilgung nöthigte, welche also mit anderen Worten die vollkommenste Verbrennung und die größte Entwicklung von Hitze aus einem bestimmten Brennmaterial erzeugte. Der Bericht setzt zunächst auseinander daß Feuer ohne Rauch noch kein vollkommener Verbrennungsproceß sey, indem Gase aus Mangel an hinzutretendem Sauerstoff noch unverbrannt entweichen. Haupterforderniß ist also gehörige Versorgung des Feuers mit Luft welche durch das Feuer dringend den Verbrennungsproceß möglichst vollkommen macht, aber auch nicht mit zu viel Luft, welche dann, neben dem Feuer hinziehend, dessen Wirkung vermindern würde. Bloßes Eindringen der Luft in das Feuer thuts aber noch nicht, so daß es hierbei viel auf das Wie? ankommt, und darnach unterscheiden sich auch hauptsachlich die vier geprüften Methoden der Rauchvertilgung.

Robson theilt das Local des Feuers in 2 Kammern, eine vordere für Kohlen und eine hintere für Kohks. Erstere brennt mit ihrem Rauche in die verhältnißmäßig rauchlose Kohkskammer hinein, deren nun bedeutend erhöhte Hitze diesen Rauch mit verbrennt, indem durch angebrachte Luftlöcher genug Sauerstoff dafür zugeführt wird. Aber der Rauch wurde nicht ganz verzehrt; doch erschien die Einrichtung selbst gut, und glaubt man durch Vervollkommnung der Construction diesen schwachen Punkt noch überwinden zu können. – Hopson u. Comp. erzielten vollkommene Verbrennung ohne Rauch; doch ist die Einrichtung complicirt, Säulen und Kammern von feuerfestem Thon bewirken eine vollkommene Mischung von äußerer Luft und den Gasen des Feuers, aber dieses Mauerwerk kann brechen und sich spalten, daher setzt diese Methode große Vorsicht und Sorgfalt beim Feuern voraus, was im Großen und in Masse nicht ausführbar ist, da man seltene, kostspielige, wissenschaftlich gebildete und praktisch geübte Feuermänner dazu brauchen würde. Stoney's Plan ist im Principe gleich mit dem von Williams; beide lassen die Luft von Außen durch die Ofenthüre einströmen. Ueber diese heraus ragt in Stoney's Apparat der Boden des innern Feuerherdes in gleicher Ebene hervor; diese neigt sich nach Innen und läßt das theils außerhalb, theils innerhalb placirte Brennmaterial immer nach dem Centrum des Feuers rutschen, wobei durch eine Menge kleiner Oeffnungen in der Thür reichlich Luft zuströmt, ohne aber gänzliche Verzehrung des Rauches zu sichern. – Der Williams'sche Apparat läßt die Luft auch von Außen durch kleine Oeffnungen eindringen, welche, durch Röhren nach Außen verlängert, beliebig geschlossen werden können. Die Hauptsache hierbei ist, daß inwendig |234| stets zwei verschiedene Grade von Feuerung erhalten werden, eine weißglühende auf der einen, eine brennende und mit frischen Kohlen versehene auf der andern Seite. Wehrend der letztere Rauch entwickelt, verzehrt die Gluth der ersteren denselben, bis alles vollständig durchgeglüht ist und nun auf der andern Seite wieder frisches Brennmaterial aufgeschüttet werden kann, welches bald in vollkommene Verbrennung übergeht, und so fort. Der Rauch wurde dabei laut Bericht vollkommen verzehrt, gleichviel ob während der Stunde 15 oder 27 Pf. Kohlen pro Quadratfuß verbrannten, bei einem Experiment wurde die Verbrennung sogar auf 37 1/2 Pfd. auf den Quadratfuß pro Stunde getrieben, ohne daß Rauch sichtbar ward, obgleich dabei 5 1/2 Kubikfuß Wasser auf jeden Quadratfuß Feuerplatz pro Stunde verdunsteten. Dabei zeigte sich noch der Vorzug daß keine besondere Sorgfalt und Wissenschaftlichkeit von Seilen des Heizers erforderlich ist, wenn er nur abwechselnd rechts und links frische Kohlen aufschüttet, was bei großen Fabriken etc. sehr wichtig ist. Ueberhaupt beziehen sich diese Experimente bloß auf große Fabrik- und Dampfmaschinenfeuer. Im Kleinen für Haus, Herd und Ofen erreicht man schon den Zweck ziemlich vollkommen durch sehr häufige, in kleinen Portionen regelmäßige Hinzufügung frischen Brennmaterials. (Fortschritt.)

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