Titel: Robert Johanny's neue Feuerungs-Construction.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1858, Band 149/Miszelle 2 (S. 234–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj149/mi149mi03_2

Robert Johanny's neue Feuerungs-Construction.

Hr. Robert Johanny brachte in der Versammlung des österreichischen Ingenieurvereines am 24. April d. J. seine für Oesterreich und das Ausland patentirte Erfindung einer neuen Feuerung zur Sprache und veröffentlicht über dieselbe in Nr. 17 der Neusten Erfindungen eine ausführlichere Mittheilung, welche wir im Folgenden wiedergeben.

Die neue Feuerungsconstruction hat folgende Eigenschaften:

1) Ein constantes Feuer, welches in gleichen Zeiten gleiche Quantitäten Brennmaterial consumirt und gleich viel Wärme erzeugt.

2) Vollkommenste Verbrennung alles vorhandenen Brennmaterials, dessen brennbare Bestandtheile bis zur höchsten Stufe, d. i. bis zur Kohlensäure oxydirt werden.

3) Dadurch erreichte größtmögliche Brennmaterialersparniß.

4) Verwendung eines jeden, selbst des schlechtesten Brennmateriales, welches bisher werthlos erschien.

5) Vermeidung alles Funkensprühens bei den Locomotiven.

6) Entbehrung aller Schornsteine bei Dampfschiffen und Dampfmaschinen.

7) Genaueste Berechnung des verwendeten oder erforderlichen Brennmateriales.

8) Vermeidung alles Rauchens.

Erklärung des Verbrennungsprocesses. Ist auf dem Roste durch ein gewöhnliches rauchendes Feuer eine glühende Kohlenschichte gebildet und gleichzeitig der Feuercanal und der Luftcanal erhitzt, so fängt der rauchverzehrende Verbrennungsproceß an.

Die unterste Brennmaterialschichte des im Feuerherde beliebig angehäuften Brennmaterials kommt in Berührung mit der glühenden Kohlenschichte und destillirt, wie jeder organische Körper, der mit einem glühenden Körper in Berührung kommt.

Dieses Destillat, welches wir im gewöhnlichen Leben bei jedem Verbrennungsproceß sehen und unter dem Namen Rauch hinreichend kennen, wird gezwungen, durch den erhitzten Feuercanal abzuziehen, wo dasselbe nochmals erhitzt und in brennbare Kohlenwasserstoffverbindungen zersetzt wird.

Wird nun durch den erhitzten Luftcanal gerade so viel erwärmte Luft diesen brennbaren Gasen im Feuercanal zugeführt, als zu ihrer Verbrennung nothwendig ist, so ist es selbstverständlich, daß diese Gase vollkommen verbrennen und die stete Erwärmung des Feuercanals unterhalten.

Während nun auf dieser Seite immer wieder neue Brennmaterialschichten zur Destillation kommen und brennbare Gase entbinden, welche im Feuercanal verbrennen, bleiben oder der glühenden Kohlenschichte die entgasten Kohlen oder gekohkstes Brennmaterial liegen und ergänzen auf diese Art immer wieder die glühende |235| Kohlenschichte auf dem Roste, welche letztere oben erneuert und unten in Berührung mit Luft zur Asche vollkommen verbrennt; die Asche fällt in den Aschenraum und die brennenden Gast erzeugen die außerhalb des Feuerherdes zu benutzende Wärme. Die sich immer wieder ergänzende glühende Kohlenschichte dient auch weiters noch zur Erwärmung des Luftcanals.

Dieser Proceß dauert so lange fort, so lange Brennmaterial im Feuerherd vorhanden ist und dasselbe herabsinkend mit der glühenden Kohlenschichte in Berührung kommt.

Es ist klar, daß nur so viel Brennmaterial destillirt, als mit der glühenden Kohlenschichte in Berührung kommt, und daß das oberhalb liegende Brennmaterial gar nicht afficirt wird und erst dann zur Destillation und Verbrennung gelangt, wenn die unterste glühende Kohlenschichte zunächst dem Roste zu Asche verwandelt in die Aschenkammer gefallen die destillirende Brennmaterialschichte entgast, den Abgang der glühenden Kohlenschichte ergänzt und neues Brennmaterial herabsinkt. Mit andern Worten kann der Verbrennungsproceß auch so erklärt werden. Mein Ofen ist eine Retorte mit einem stets glühenden Boden, angefüllt mit Brennmaterial.

In dieser Retorte wird immer nur am Boden Gas erzeugt und durch den Feuercanal als Flamme abgeleitet, während der glühende Boden sich immer wieder von selbst erzeugt und das ergänzt, was von diesem glühenden Boden zur Asche verwandelt in den Aschenraum herabfällt.

Es ist klar, daß dieser Proceß, einmal eingeleitet, keiner weiteren Nachhülfe bedarf und daß die Zuführung der Luft keiner Maschine oder keines Schornsteines bedarf. Es ist klar, daß jener zu großen Feuerungen erforderliche Luftzug ganz entbehrlich wird, und aus diesem Grunde sowohl der Schornstein als Luftzugerzeuger entbehrlich, als auch alles Funkensprühen, erzeugt durch den rapiden Luftzug, von nun an vermieden ist.

Es ist aber auch weiters erklärlich, daß immer nur eine gleiche Quantität Brennmaterial zur Destillation und Verbrennung kommt, nach Maaßgabe der glühenden Kohlenschichte, deren Größe der Rost bestimmt, und nach Maaßgabe des Feuercanals, der mehr oder weniger brennende Gase aufnehmen und als Flamme abführen kann, woraus die für alle Feuerungen sehr wichtige Eigenschaft: „das constante Feuer“ folgt.

Es ist weiters klar, daß. wenn einmal der Proceß eingeleitet und die Quantität des vorhandenen Brennmaterials bekannt ist, der Heizer für die genau bestimmte Zeit, so lange dieses Brennmaterial brennt, entbehrlich ist. Ich kann meinen Ofen so einrichten, daß per Stunde 1/2 Pfd. oder 1 Pfd. oder 2 und mehr Pfunde verbrennen, und daß mein Feuerherd 3, 4, 5 und mehr beliebige Anzahl Pfunde oder Centner Brennmaterial aufnehmen kann, woraus sich ergibt, daß ich jede Feuerung so construiren kann, daß dieselbe 6, 12, 18, 24 und mehrere Stunden regelmäßig fortbrennt, ohne Zuthun eines Heizers.

Ein weiterer Vortheil ergibt sich durch das constante Feuer in der ausschließlichen Verwendung von eisernen Oefen und Vermeidung von Thonöfen.

Weil mein eiserner Ofen, er mag von Blech oder Gußeisen seyn, nicht mehr zum Glühen kommt, sondern anhaltend nach Maaßgabe seiner Construction fortbrennt, ist es möglich, dem Ofen, welche Form und Farbe man will, zu geben; er ersetzt vollkommen die Vortheile eines schwedischen Ofens, der die Wärme lange anhält, der weiß oder vergoldet ist, der nie glühend wird und eine angenehme Wärme verbreitet.

Der eiserne Ofen, der bisher plötzlich glühendheiß geworden ist, hat den vorbeiziehenden Staub verbrannt und dadurch den unangenehmen Geruch verbreitet; das hört auf, denn der jetzige eiserne Ofen brennt, so lange ich es ihm gebiete, er brennt nicht schnelle; und nicht langsamer, genau so, als die Dimensionen der Construction vorschreiben.

In Beziehung der genauesten Berechnung des erforderlichen oder verwendeten Brennmaterials läßt sich genau bestimmen die Menge Gas, welches aus dem verwendeten Brennmaterial gewonnen werden kann und zur Verbrennung gelangen muß. Das erzeugte Gas muß aber durch einen bestimmten Querschnitt des Feuercanals durchgehen, und es kann in gleichen Zeiten nur eine gleiche Quantität Gas entweichen.

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Man weiß ferner ganz genau die aus 1 Pfund Gas erzeugte Wärme und kann auf diese Weise mit sehr großer Genauigkeit aus der Wirkung der erzeugten Wärme die verwendete Brennmaterialmenge berechnen, oder umgekehrt aus dem zu verwendeten Brennmaterials die zu erzeugende Wärme und ihre Wirkung.

Jetzt ist es erst möglich genaue Berechnungen über Brennmaterial und dessen Wirkungen zu machen.

In Betreff der Schornsteine ist zu bemerken, daß alle Schornsteine als Luftzugerzeuger entbehrlich sind und ersetzt werden können durch ganz kleine dünne Dunstabzugsröhren, welche den Zweck haben, den sich aus jeder Gasflamme erzeugenden Dunst abzuführen. Diese Dunstabzugsröhren zeigen keinen Ruß, sondern bleiben immer rein, und kann eine solche Dunstabzugsröhre mehrere Feuer versorgen.

Es unterbleibt daher die Erhöhung der Schornsteine über den Dachfirst, weil diese Dunstabzugsröhren in jeden Lichthof eingeleitet werden können.

Aus meinen bisherigen Versuchen habe ich gefunden, daß ich jetzt gerade die Hälfte Brennmaterial benöthige, um die gleiche Wirkung wie mit einem früheren Ofen hervorzubringen.

Die Versuche haben ferner gezeigt, daß Sägespäne, Lohe, Kohlengries ebenso rauchlos verbrennen wie Glanzkohle und Kohks.

In Beziehung der Abnützung dieser Construction ist zu erwähnen, daß alle Bestandtheile, mit Ausnahme des Luftcanals, viel länger aushalten und weniger angegriffen werden, als es bisher bei allen Feuerungen der Fall war. Nur der Luftcanal wird angegriffen, jedoch immer nicht so stark, als es bisher bei dem Rost der Fall war, es ist daher für den Fall der Zerstörung des Luftcanals in der Weise vorgesorgt worden, daß derselbe ebenso leicht wie ein Roststab ausgewechselt werden kann.

Es ist endlich auch die Möglichkeit vorhanden, daß der Ofen nicht nur wärmt, sondern auch leuchtet und die Ersparniß in der Beleuchtung zur Folge hat.

Von großem Vortheil ist diese Feuerungsconstruction ferner speciell für Hohöfen und Glashütten, wo die Steinkohle nicht als solche, sondern als Kohks oder Gas verwendet werden könnte.

Diese Feuerungsconstruction verbindet Beides und wird also auch in dieser Richtung ein neues Feld eröffnen.

In Anbetracht des Umstandes, als diese Feuerungs-Construction zu jeder Feuerung verwendet werden kann, mithin jeder täglich zu seinem warmen Mittagmahl ein wohlfeileres Feuer erhält, kann man mit Fug und Recht diese Erfindung ein Stück tägliches Brod nennen, welches sie zum Ankauf für die Regierungen geeignet macht. (Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereins, 1858 S. 72.)

Wir werden demnächst die Beschreibung der rauchverzehrenden Feuerungen des Hrn. Professor P. T. Meißner mittheilen, und dessen Urtheil über Johanny's Feuerungs-Construction.

Die Redaction d. p. J.

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